Suhr

Gemeinderat wehrt sich gegen den Vorwurf der «Salamitaktik». Findet die Tristesse des Suhrer Schulareals bald ein Ende?

Mit punktuellen Verbesserungen soll das wichtige Areal im Zentrum von Suhr ansprechender gestaltet werden. Der Kredit dafür kommt an die Urne. Die FDP hatte das Vorgehen des Gemeinderats zuvor scharf kritisiert.

Bei der geplanten Umgestaltung des Suhrer Schulareals geht es inzwischen gar nicht mal um so viel Geld wie auch schon: Ein Kostendach von 750'000 Franken über fünf Jahre sollen die Stimmbürger am 28. Juni gutheissen, 150'000 Franken im Jahr. Frühere Projekte sahen Kosten von 4,3 und später 2,6 Millionen Franken vor.

Dennoch hat die FDP das Vorgehen des Gemeinderats in den vergangenen Wochen heftig kritisiert. Dieser habe die 150'000 Franken im Budget «als Unterhaltsarbeiten versteckt» und wollte nun «nur auf Druck» mit der Urnenabstimmung Transparenz schaffen. «Das ist typische Salamitaktik», sagte Urs Zimmermann, Präsident der FDP Suhr.

Der für die Suhrer Schule zuständige Gemeinderat Oliver Krähenbühl äusserte sich dazu in einem Podcast der Gemeinde: Der Vorwurf sei insofern berechtigt gewesen, weil sich die kleinen jährlichen Unterhaltsarbeiten über die Jahre «zu einer stattlichen Summe von insgesamt 750'000 Franken» angesammelt hätten. Auf Anfrage erklärte er auch, dass die Finanzkommission dem Gemeinderat «den Input gegeben» habe, den gesamten Betrag dem Volk vorzulegen. Diesen Input habe der Gemeinderat dann aufgenommen.

Gemeinderat Oliver Krähenbühl erklärt die Abstimmungsvorlage im Podcast der Gemeinde Suhr.

«Es ist auch für uns einfacher, wenn wir ein klar definiertes Kostendach über fünf Jahre erhalten», sagt Oliver Krähenbühl. So müsse man nicht jedes Jahr starr 150'000 Franken ausgeben, sondern jeweils so viel oder wenig wie nötig, bis die 750'000 Franken erreicht sind.

Den Vorwurf einer «Salamitaktik» verneint er aber klar: Die Idee des Gemeinderats sei gewesen, jedes Jahr dann etwas an der Umgebungsgestaltung eines Schulgebäudes zu unternehmen, wenn dort sowieso eine Sanierung anstehe. So kämen die Arbeiten insgesamt kostengünstiger, da man Synergien nutzen könne.

Umgebung mit punktuellen Eingriffen verbessern

Letztes Jahr hat die Gemeinde etwa beim Schulhaus Dorf ein grösseres Retentionsbecken bauen müssen, da bei starkem Regen Wasser ins Schulhaus eindrang. Diese Gelegenheit habe man genutzt, um ein Biotop-Aussenschulzimmer zu bauen. Bei einem Spaziergang durch das Schulareal stellt man nun schnell fest: Diese neue Anlage ist, vielleicht nebst dem Spielplatz bei der Jugendfestwiese, der einzige Ort der Schule Suhr, der eini­germassen ansprechend daherkommt.

Solche punktuellen Eingriffe sollen das Areal nun Jahr für Jahr verbessern: Diesen Sommer werden die Sekundar- und Realschüler einen Container beim Schulhaus Ost («SeReal») zu einem Pausenkiosk umgestalten – das Baugerüst dafür steht bereits – und im Werkunterricht eine neue Möblierung für rund um das Schulhaus bauen.

Schüler sollen Möbel selber im Werkunterricht bauen

Angedacht sind Sitzgelegenheiten oder Turngeräte aus Paletten oder grobem Holz und Beete zum Bepflanzen. «Wir wollen die Schüler selber entwickeln und ausprobieren lassen. Nicht um Kosten zu sparen, sondern um Erfahrung mit ihnen zu sammeln», sagt Oliver Krähenbühl im Podcast. «Wir Erwachsene wissen nicht genau, was 14- bis 16-Jährige wollen.» Bis zur geplanten Sanierung des Schulhauses Ost werde so ausprobiert, was dort funktioniert und was nicht.

Den Unterschied zu den früheren, viel teureren Projekten ortet Krähenbühl auch entsprechend: «Wir versuchen heute eher situativ zu reagieren an den Orten, an denen wir Mängel sehen. Und wir binden die Schule enger ein.» Die früheren Projekte seien nicht nur wegen der hohen Kosten abgelehnt worden, sondern offenbar auch, weil sie «sehr designt» daherkamen, «so wie ein französischer Park».

Viel mehr Grün, Dächer zur Turnhalle sollen weg

Weiter geplant ist, ab Februar 2021 den Zugang zur Bezirksschule neu zu gestalten, gleich nach der Sanierung der Werkräume und Küchen. Auf der heute kahlen Asphaltfläche ist ein Kiesplatz mit vielen Bäumen vorgesehen.

So sehen die Pläne für den Haupteingang der Bezirksschule aus.

So sehen die Pläne für den Haupteingang der Bezirksschule aus.

Ab 2022 soll der geteerte Vorplatz beim Schulhaus Ost verbessert werden. Eine begrünte Mauer wird den Bereich mit dem künftigen Pausenkiosk von der Zufahrt mit den Abfallcontainern trennen. Die niedrigen Dächer zwischen Bez. und Turnhalle sollen wegkommen, auch um die Zufahrt von Krankenwagen oder Feuerwehr zu ermöglichen.

Vor dem Sekundar- und Realschulhaus soll ein Platz zum Verweilen entstehen.

Vor dem Sekundar- und Realschulhaus soll ein Platz zum Verweilen entstehen.

«Es sind drei Schulhäuser, die zu verschiedenen Zeiten entstanden sind. Es ist wichtig, diese Stücke nun zusammen zu ­führen», sagt Oliver Krähenbühl. Mit der Aufwertung werde es eine deutlich bessere Aufenthaltsqualität geben mit «deutlich mehr Bäumen und Schatten».

Das Schulareal sei denn auch wie ein Park, eine Grünfläche, die auch als Aufenthaltsort für die Bevölkerung wichtig sei im zunehmend verdichteten Dorf. «Wir haben immer weniger Freiräume und sind froh um solche Plätze.»

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