Region
Gemeindepräsidenten-Wahlen: Gleich Fünf Schwergewichte treten ab

Die Wahlen im Herbst werden sehr spannend, zumal gleich fünf langjährige Gemeindepräsidenten den Rücktritt bekannt gegeben haben – Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech sorgt zudem noch für Spannung.

Katja Schlegel, Urs Helbling, Nadja Rohner und Ueli WIld
Merken
Drucken
Teilen
Peter Frei, Beat Rüetschi, Dieter Hauser, Markus Lüthy und Rolf Arber (v.l.n.r.)

Peter Frei, Beat Rüetschi, Dieter Hauser, Markus Lüthy und Rolf Arber (v.l.n.r.)

az

So viele Wechsel hat es seit Menschengedenken nicht mehr gegeben: Von den elf Gemeindepräsidenten in der Region Aarau treten mindestens fünf nicht mehr an. Vielleicht sogar noch mehr. Fünf haben sich noch nicht entschieden – oder wollen derzeit nicht verraten, was sie zu tun beabsichtigen. Sicher einen neuen Präsidenten braucht Suhr, mit 10 075 Einwohnern die zweitgrösste Gemeinde in der Region. Ebenfalls ersetzt werden müssen die Ammänner in Biberstein, Erlinsbach, Gränichen und Küttigen (siehe unten).

Beat Rüetschi begann 1998

Suhrs Gemeindepräsident Beat Rüetschi (65, FDP) tritt nach 20 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl an. Per Januar 1998 war Rüetschi direkt als Ammann in den Gemeinderat gewählt worden, von 2006 bis 2014 sass er im Grossen Rat. Aktuell ist er unter anderem Präsident des Gemeindeverbandes «Lindenfeld», Vizepräsident im Planungsverband Region Aarau und Präsident der Gemeindepräsidenten des Bezirks Aarau.

«Ich werde dieses Jahr 66 Jahre alt und möchte jetzt kürzertreten und die Verantwortung der jüngeren Generation überlassen», sagt Rüetschi zu seinem Entscheid. Suhr so lange mitgestalten zu können, hätte er sich nicht träumen lassen. «Ich musste schliesslich fünfmal wiedergewählt werden», sagt er. Und es seien ja nicht alle Einwohnerinnen und Einwohner mit den Entscheidungen, die der Gemeindepräsident treffe, einverstanden. Und wie hat er die Zeit erlebt? «Suhr hat sich in den 20 Jahren enorm entwickelt, und es hat immer Freude gemacht, die Entwicklung zu begleiten und umzusetzen.»

Roger Meyer lässt sich Zeit

Wer in Aarau die Stadtpräsidentin (siehe unten) oder in Densbüren und den beiden Entfelden die amtierenden Gemeindeammänner schätzt, sollte ihnen jetzt noch ein wenig Honig ums Maul schmieren. Denn diese vier Amtsinhaber sind womöglich unschlüssig, ob sie noch einmal antreten sollen. «Der Entscheid ist noch nicht gefallen», sagt etwa Roger Meyer (47), Ammann in Densbüren. In dieser Funktion hat er erst eine Amtsperiode hinter sich. Mit seinem Entscheid über den Wiederantritt lässt sich der parteilose Meyer aber Zeit bis kurz vor der Sommergmeind 2017.

Partei-Gespräche in Entfelden

Auch die Ammänner der beiden Entfelden wollen die Katze zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht aus dem Sack lassen. Sowohl Heinz Lüscher (62, SP, Unterentfelden) als auch Markus Werder (64, SVP, Oberentfelden) machen deutlich, dass die Anfrage für sie zu früh kommt. Grund: Da wie dort sind noch parteiinterne Gespräche ausstehend. Und bevor diese über die Bühne gegangen sind, wollen Heinz Lüscher und Markus Werder keinen Entscheid kommunizieren. Lüscher ist seit zwölf Jahren Gemeindeammann, Werder seit vier Jahren.

In Auenstein weiss Ammann Reto Krättli (58, FDP) ebenfalls noch nicht, ob er wieder antreten wird: «Die Diskussion einer weiteren Amtsperiode wird der Gemeinderat gemeinsam zu Beginn des Monats Februar führen.» Krättli wurde erst 2015 gewählt.

Affolter will noch mal

Grosse Lust aufs Weitermachen hat Urs Affolter (59). «Das Amt als Gemeindeammann der Gemeinde Buchs macht mir nach wie vor meist Freude», sagt er. «Für die Gemeinde stehen auch in den nächsten Jahren wichtige und spannende Aufgaben an, für deren Realisierung ich einen Beitrag leisten kann. Ich trete deshalb gerne wieder an, sofern meine Partei mich nominiert.» Urs Affolter gehört der FDP an und wurde 2013 zum Gemeindeammann gewählt.

Biberstein – «Es ist Zeit zu gehen»

Nach einem halben Leben im Dienste der Gemeinde hat Peter Frei, Gemeindeammann von Biberstein, seinen Rücktritt per Ende Amtsperiode angekündigt. «Ich werde dann auf 20 Jahre Tätigkeit als Gemeindeammann zurückblicken», sagt der 65-Jährige. «Davor war ich 18 Jahre Mitglied der Baukommission, davon 10 Jahre deren Präsident. Es ist Zeit zu gehen.»

Der parteilose Peter Frei wurde stets solide wiedergewählt. Im Moment ist er im Gemeinderat für die Finanzen und Steuern zuständig. Als Architekt mit Büro in Aarau (Frei Architekten AG) hat er einen Teil der Gebäude in seinem Dorf selber gebaut.

Erlinsbach – «Neuen Kräften Platz machen»

Als Grossrat wurde er gestern für seine zweite Amtsperiode in Pflicht genommen, als Gemeindeammann will er Ende Jahr zurücktreten. Markus Lüthy (53, SVP) sagt: «Nach 20 Jahren im Gemeinderat und 12 Jahren als Gemeindepräsident ist es Zeit, neuen Kräften Platz zu machen.

In meiner Amtszeit konnte ich viele wegweisende Projekte realisieren und Erlinsbach als attraktive Gemeinde mit einer hohen Lebensqualität im regionalen Umfeld platzieren. Ich werde mich in den nächsten Jahren auf mein Grossratsmandat und auf mein berufliches Engagement konzentrieren.» Lüthy ist Techniker TS und arbeitet seit 2010 am Paul Scherrer Institut (PSI).

Küttigen – Abschied nach drei Amtsperioden

Auch Küttigen braucht einen neuen Gemeindeammann: Dieter Hauser (62) stellt sich im kommenden Herbst nicht mehr für die Wahl zur Verfügung. Er sitzt seit 2001 im Gemeinderat und wurde in seiner zweiten Legislaturperiode 2005 zum Gemeindeammann.

«Mein Ziel: Küttigen soll eine attraktive, eigenständige und vitale Wohngemeinde bleiben», schrieb er damals kurz vor den Wahlen – sein Versprechen hat er eingelöst. Dieter Hauser ist schon in Rombach/Küttigen aufgewachsen. Heute ist er parteilos, politisierte aber früher für die SVP, die ihn für sein Amt portiert hatte. 2014 überwarf er sich mit der Partei.

Gränichen – «Wenn ich jünger wäre ...»

Gränichen gehört zu den Gemeinden, in der es zu einer Wachtablösung kommen wird. Für Gemeindeammann Rolf Arber (67, parteilos) ist klar: «Ich werde nicht mehr zur Wiederwahl antreten.»

Arber gehörte während zweier Amtsperioden dem Gemeinderat an, davon sechs Jahre als Gemeindeammann. Rolf Arber klingt nicht wie jemand, der froh ist, dass er sein Amt in absehbarer Zeit abgeben kann.

Er betont vielmehr: «Ich habe diese Aufgabe für ‹mein› Dorf sehr gerne gemacht und würde das Amt, wenn ich jünger wäre, auch gerne weiterführen. Ich bin aber Ende 2017 im 69. Altersjahr und möchte altershalber nicht mehr antreten.»

Aarau – Jolanda Urech sorgt vorerst für Spannung

Jolanda Urech

Jolanda Urech

Alex Spichale

Ihre Wahl im Herbst 2013 war eine Sensation. Nach 210 Jahren verloren die Freisinnigen das Stadtpräsidium von Aarau an eine Sozialdemokratin. Jolanda Urech (SP) erzielte 609 Stimmen mehr als Lukas Pfisterer (FDP). Stadtpräsidentin Urech hat in den letzten drei Jahren mit ihrer Amtsführung auch im bürgerlichen Lager viele Sympathien geholt.

Es gibt für sie eigentlich keinen Grund, nicht wieder zu kandidieren. Doch Jolanda Urech wird dieses Jahr 64 und erreicht damit das AHV-Alter. Tut sie sich den Stress als Stadtpräsidentin nochmals vier Jahre lang an?

Jolanda Urech spannt die Wähler auf die Folter. Sie teilte gestern lediglich mit: «Der Entscheid, ob ich als Stadtpräsidentin wieder antreten werde, wird in absehbarer Zeit gefällt und im Laufe dieses Monats kommuniziert.»

Bei der Entscheidungsfindung dürfte eine wichtige Rolle spielen, dass die SP Aarau zurzeit keine wirkliche Alternative zu Jolanda Urech zu haben scheint.