Eigentlich müssten Gemeinden, die ihrer Aufnahmepflicht für Asylsuchende nicht oder nur teilweise nachkommen, eine hohe Ersatzabgabe von 110 Franken pro Person und Tag zahlen. Bisher hat der Kanton den Gemeinden aber noch keine Rechnungen gestellt. Das Departement Gesundheit und Soziales liess jedoch kürzlich durchblicken, dass den Gemeinden etwa ab Anfang Juni die Kosten der Ersatzvornahme verrechnet würden. Was Oberwil-Lieli fest im Budget einplant, könnte kleine, arme Gemeinden in arge Finanznöte bringen.

Ende März gab es in der Region noch drei Gemeinden, die gar keine Asylbewerber aufnahmen: Biberstein, Brunegg und Dürrenäsch. Seither hat sich viel getan. In Biberstein zog am 20. April eine Flüchtlingsfamilie zu. Sie stammt aus Somalia und umfasst neun Personen, nämlich die Eltern und deren sieben Kinder. Damit hat Biberstein die Aufnahmepflicht von 7 Personen erfüllt. In einer Mitteilung lobt der Gemeinderat das Engagement der Bevölkerung: Dank vier Frauen aus dem Dorf, die sich auf einen entsprechenden Aufruf der Gemeinde gemeldet hatten, sei die somalische Familie sehr gut aufgenommen worden und bereits nach kurzer Zeit gut integriert.

In Brunegg, wo die Aufnahmepflicht 3 Personen umfasst, konnte ebenfalls eine Lösung gefunden werden. Am 27. April hat eine dreiköpfige kurdische Familie aus der Türkei – ein Ehepaar mit kleinem Sohn – eine Wohnung unter dem Gemeindehaus bezogen.

Noch nicht ganz so weit ist Dürrenäsch. Laut Gemeindeschreiberin Susanne Remund hat man schon länger nach einer geeigneten Liegenschaft für die Unterbringung von Asylsuchenden gesucht. Nun hätten die Mieter einer Gemeindeliegenschaft gekündigt. «Wir haben dem Kanton mitgeteilt, dass in dieser Wohnung Asylsuchende einquartiert werden könnten», so Remund. «Weil sich die Wohnung aber am ehesten als Familienwohnung eignet, haben wir gegenüber dem Kanton den Wunsch geäussert, eine Familie zugewiesen zu bekommen.»

Noch wartet Dürrenäsch auf Antwort vom Kanton. Wann genau Asylbewerber im Dorf einziehen könnten, ist offen. Wenn der Kanton aber ab Juni die Ersatzabgabe in Rechnung stellt, wird es teuer: Dürrenäsch müsste fünf Personen aufnehmen. Bei 110 Franken Ersatzabgabe pro Person und Tag macht das insgesamt 550 Franken täglich, fast 4000 Franken wöchentlich. (NRO)