Als Kurt Grünig und Jürg Oberhänsli das Dach des Gemeindehauses besteigen um zu zeigen, wo künftig Sonnenstrom produziert werden soll, schien die Sonne nicht. Dicker Nebel hing über den Dächern von Küttigen. Es war bitterkalt. Die spürbare Begeisterung für ihr Projekt konnten die meteorologischen Bedingungen aber nicht schmälern. Grünig und Oberhänsli wollen der Energiewende auch in ihrem Dorf zum Durchbruch verhelfen. Sie und weitere engagierte Mitstreiter haben deshalb eine Genossenschaft, die Solar Küttigen, gegründet.

Privat mit Minergie-Standard

Kurt Grünig hat vor sechs Jahren sein Haus umgebaut, nachdem er, wie er sagt, 30 Jahre lang praktisch nichts gemacht hatte. Als er endlich Zeit dafür hatte, beschränkte er sich nicht nur auf das Nötigste, sondern sanierte seine Liegenschaft nach Minergie-Standard und rüstete sie mit einer Photovoltaik-Anlage aus. Als dann im vergangenen Jahr in Küttigen ein Minergie-Tag durchgeführt wurde, öffnete auch er seine Türen, damit man von seiner Anlage einen Eindruck bekommen konnte. Kontakte entstanden. Man tauschte sich aus und war sich einig: Die Sonnenenergie sollte auch in Küttigen mehr gefördert werden.

Grünig fand unter anderem auch bei Jürg Oberhänsli offene Ohren. «Auch ich war ein Verfechter der Atomenergie. Doch Fukushima hat endgültig klar gemacht, dass auch ein hoch entwickelter Industriestaat wie Japan vor einer solchen Katastrophe nicht gefeit ist.» Nun wollen sie dazu beitragen, dass das Energieziel 2050 erreicht wird: «Mit kleinen Schritten kommt man auch vorwärts.» Oberhänsli und Grünig sind überzeugt: «Photovoltaik hat zusammen mit neuen, innovativen Technologien das Potenzial, die Kernenergie zu ersetzen.»

Auf grossen Dächern

Auf grossen Dächern der Gemeinde wollen sie Photovoltaikanlagen projektieren, erstellen und betreiben: «Wir tun dies auf gemeinnütziger Basis und finanzieren die Projekte mit Genossenschaftsanteilen, aber auch mit Spenden von Privaten, Firmen und Behörden», sagt Genossenschaftspräsident Grünig. Weil das frisch renovierte Dach des Gemeindehauses nicht nur flach, sondern auch gross ist, war es das erste Objekt ihrer Begierde. Der Gemeinderat hat Hand geboten.

Mit einer Fläche von 157 Quadratmetern soll die Anlage auf dem Gemeindehausdach jährlich 25 000 Kilowattstunden (kWh) ins öffentliche Netz einspeisen. Das Projekt ist auch bereits für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes angemeldet.

Kurt Grünig weiss aber: «Wegen der langen Warteliste können wir frühestens in vier Jahren mit diesen höheren Beiträgen des Bundes rechnen.» Die Energie soll an die IBAarau verkauft werden. Mit der Gemeinde wird ein Nutzungsvertrag für das Dach abgeschlossen.

Oberhänsli und Grünig rechnen mit Erstellungskosten von 75 000 Franken. Die Nutzungsdauer kalkulieren sie vorsichtig mit 20 Jahren. Während dieser Zeit werden mit dem Stromverkauf die Anlagekosten amortisiert und die jährlichen Kosten gedeckt. Wenn die Anlage dann noch einwandfrei funktioniert, wird sie Gewinn für die Finanzierung weiterer Anlagen abwerfen.

Ein Genossenschaftsanteil kostet 1000 Franken. Grünig und Oberhänsli rechnen vor, dass mit drei Genossenschaftsanteilen eine Photovoltaikfläche finanziert wird, die ungefähr die Hälfte des jährlichen privaten Strombedarfs eines Genossenschafters mit Sonnenenergie deckt.