Der Gemeindeammann von Erlinsbach Markus Lüthy beklagte sich gestern bei der Redaktion, dass er vom Fernziel des Stadtrats eines «neuen, starken Zentrums» aus der Zeitung erfahren musste. «Einmal mehr wurde Visionen entwickelt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, ohne vorher mit den betroffenen Gemeinden zu sprechen», schreibt Lüthy. «So darf es niemanden verwundern, wenn sofort Vorbehalte oder gar Widerstände auftauchen.»

Behörden Ende August eingeladen

Fakt ist, dass die Behörden von zehn Gemeinden rund um Aarau Ende August vom Stadtrat zu zwei Veranstaltungen eingeladen worden waren: am 31.Oktober zur Vorstellung des städtischen Entwicklungsleitbilds, dem strategischen Überbau der «Vision Aarau», und zur Startdebatte am 28.November, die ein mehrjähriges Kooperations- oder Fusionsprojekt auslösen soll. Dies bestätigen mehrere Amtskollegen Lüthys.

Hingegen wurde die Traktandenliste für Ende November erst gestern per Post bekannt gegeben, wie der Suhrer Gemeindepräsident Beat Rüetschi bemerkt. Diesem Schreiben lagen das Entwicklungsleitbild und die 30-seitige Diskussionsgrundlage «Vision Aarau» bei.

Nur Vorteile für die Stadt Aarau

Lüthy und Rüetschi äussern sich auch materiell kritisch. «Die im Artikel der az erwähnten Vorteile einer Fusion erscheinen mir primär als Vorteile für die Stadt Aarau», so Lüthy. Für Rüetschi ist das Regionale Entwicklungskonzept, das nächstens verabschieden wird, «verbindlich».

Optimistisch äussert sich Ruedi Berger, Ammann von Oberentfelden: «Gut, dass Aarau dieses Thema im Bezirk Aarau endlich lanciert. Der Gemeinderat hat in verschiedenen Diskussionen seine Bereitschaft für Zusammenschlüsse geäussert. Ich glaube, dass viele anstehende Probleme besser oder gar nur gelöst werden können, wenn das ‹Gartehäglidenken› überwunden wird.» Und der Bibersteiner Ammann Peter Frei teilt mit: «Persönlich begrüsse ich den klaren Positionsbezug des Stadtrates, der nun sagt, was er sich wünscht.»

Emotionale Leser-Kommentare

Auf www.aargauerzeitung.ch ist eine Leserdebatte entbrannt. «Wollen wir uns in den Aussengemeinden von der übergewichtigen Stimmbürgerschaft von Aarau vorschreiben lassen, wie unsere Bau- und Zonenordnung aussehen soll?», fragt sich Alex Schneider. «Aarau dominiert schon heute die umliegenden Gemeinden, aber weder mit deren Mitspracherecht, noch mit deren finanzieller Beteiligung an den Zentrumslasten», kontert Nicolas Lüscher. Die Tonalität anderer Online-Kommentare bestätigt den Stadtrat, der schreibt: «Widerstände entstehen häufig gerade auch auf der emotionalen Ebene.»