«Wir konnten keine Wohnung finden und mussten in die Herberge Teufenthal einziehen.» Das schreiben zwei Sozialhilfebezüger online in ihrem Blog. Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Sie schämen sich für ihre momentane Situation.

Bis vor kurzem hatten die beiden Männer im mittleren Alter zusammen mit ihrer Katze in Küttigen gelebt. Die Wohnung kostete 1300 Franken. 300 Franken mussten sie selber bezahlen, den Rest übernahm die Gemeinde. Die beiden konnten die Kosten jedoch nicht stemmen, bezahlten eineinhalb Monatsmieten nicht und erhielten die Kündigung. Ende Juli mussten sie die Wohnung verlassen. Seither wohnen sie in der Herberge Teufenthal. Um die Katze kümmert sich ein Freund.

Kochen ist nicht möglich

Vor dem Fenster im Hotelzimmer hängen rote, schwere Vorhänge; an den Wänden Bilder und ein Fernseher. Die beiden Zimmer im Hotel haben sie sich selber organisiert. Einfach sei das nicht gewesen. «Viele wollen keine Zimmer an Sozialhilfebezüger vermieten», sagt einer der Männer. Die Herberge in Teufenthal kannten sie von früher.

Für ein Zimmer im Drei-Sterne-Hotel bezahlen sie pro Monat und Person 1160 Franken, schreiben sie im Blog. Davon übernehme die Gemeinde 1061.40 Franken. Die Differenz wird vom Grundbedarf abgezogen. Zum Essen und Leben bleiben 621.40 Franken. «Wir wissen nicht, wie wir uns damit ernähren und wie wir unsere Wäsche waschen sollen», schreiben sie. Im Hotelzimmer gebe es keine Kochgelegenheit und nur einen teuren Wäscheservice. Auf dem Blog publizieren sie ein Foto von ihrem Zmittag: ein Brötchen mit «Malbuner»-Wurstaufstrich.

Notwohnung von Asylsuchenden besetzt

Das Hotelzimmer sei zwar schön, aber eine absolute Übergangslösung. Die Situation schlage auf die Psyche und diese sei bei ihnen beiden sowieso schon angeschlagen. Sie suchen deshalb auf Hochtouren eine bezahlbare Wohnung in der Region Aarau für sich und ihre Katze. «Zwei Bewerbungen sind noch offen, aber wir machen uns nicht zu grosse Hoffnungen, sonst werden wir nur enttäuscht», sagt einer der Männer.

Meldungen von Sozialhilfebezügern, die in Hotels wohnen, machen ab und zu Schlagzeilen. Der Schlieremer Sozialvorstand Christian Meier sagte letztes Jahr in der «Limmattaler Zeitung», dass rund zwei- bis dreimal jährlich Sozialhilfebezüger im Hotel untergebracht würden. Die Sozialbehörde entscheide sich nur im «äussersten Notfall» zu diesem Schritt, etwa wenn sämtliche Notwohnungen der Gemeinde – in Schlieren sind es drei – besetzt sind.
Genau das ist in Küttigen auch der Fall. Die Gemeinde verfüge über zwei solche Wohnungen, die sie vorübergehend und im Notfall Personen, die von der Sozialhilfe leben, zur Verfügung stellen könne, sagt Gemeindeschreiber Robert Rütimann. «Im Moment sind die Wohnungen aber besetzt. Seit Anfang Jahr wohnen da Asylsuchende.»

Gemäss kantonalem Sozialhilfe- und Präventionsgesetz ist die Gemeinde am Unterstützungswohnsitz für die Sozialhilfe zuständig. Deshalb verfügt der Kanton über keine Notwohnungen. Die Gemeinden müssen «bei Bedarf selbst oder gemeinsam mit anderen Gemeinden Notunterkünfte für Obdachlose erstellen und betreiben», sagt Sandra Stamm, Leiterin der Sektion öffentliche Sozialhilfe des Departements Gesundheit und Soziales. Weil viele Gemeinden keine eigenen Notwohnungen hätten, bestehe die Möglichkeit, obdachlosen Sozialhilfebeziehenden ein Hotelzimmer anzubieten. Zudem könnten die Gemeinden mit Obdachlosenheimen wie etwa dem «Hope» in Baden oder mit der Heilsarmee zusammenarbeiten.

Spezielle Konditionen im Hotel?

Die Gemeinden können Sozialhilfebezügern bei der Wohnungssuche helfen – müssen aber nicht. «Im Rahmen der Mitwirkungspflicht sind sie selber dafür zuständig, eine Wohnung im Rahmen der von der Gemeinde erteilten Mietzinsrichtlinien zu suchen, wenn sie handlungsfähig sind», sagt Stamm.

Wie viele Sozialhilfebezüger in einem Hotel oder einer Pension wohnen, ist unklar. Die Statistik zur Wohnsituation von Sozialhilfebezügern weist keine genauen Zahlen auf. Die Fälle erscheinen in der Kategorie «besondere Wohnformen». Darunter fallen auch Obdachlose und Fahrende. 4699 Sozialhilfebezüger lebten im Jahr 2015 in der Schweiz in einer «besonderen Wohnform». Im Aargau waren es 233 Personen. 2010 waren es noch 199 Personen.

Ob in der Herberge Teufenthal öfter Sozialhilfebezüger einquartiert werden und ob spezielle Konditionen gelten, bleibt offen. Die Rezeption ist nicht besetzt, das Telefon umgeleitet. Im Moment seien Betriebsferien, Anfragen werden so lange nicht beantwortet.