Oberentfelden

Gemeinde will Tiefgarage beim neuen Engelplatz prüfen

Zwei Bahnlinien, zwei Kantonsstrassen, Velos und Fussgänger: Das Dorfzentrum von Oberentfelden gilt als einer der komplexesten Verkehrsknoten der Region. Dort befinden sich auch Kirche, Gemeindehaus und Engelscheune.

Zwei Bahnlinien, zwei Kantonsstrassen, Velos und Fussgänger: Das Dorfzentrum von Oberentfelden gilt als einer der komplexesten Verkehrsknoten der Region. Dort befinden sich auch Kirche, Gemeindehaus und Engelscheune.

Nebst dem Bahntunnel für die WSB überlegt sich Oberentfelden, auch die Hauptstrasse unterirdisch zu führen.

Wenn schon der ganze Boden beim Engelplatz in Oberentfelden aufgerissen werden soll, um die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) künftig als kleine Metro unters Dorfzentrum hindurchzuführen, warum nicht auch noch den Bau einer Tiefgarage prüfen, um den Parkplatzmangel dort zu entschärfen?

Diskret und unspektakulär steht in den hinteren Seiten des neuen Kommunalen Gesamtplans Verkehr (KGV), wo es um den Bau des rund 800 Meter langen Tunnels für die S14 geht: «Überprüfen, ob im Zusammenhang mit der Zentrumsentwicklung und dem Bau einer Tiefgarage beim Engelplatz ­Synergien genutzt werden können.» Laut KGV komme es dort «immer wieder zu Engpässen» bei den Parkplätzen, wovon «insbesondere das Kleingewerbe und die Läden an diesem Standort» betroffen seien. Für die Entwicklung des Zentrums müsse ein Ausbau der Parkflächen geprüft werden.

Der Gemeinderat setzt im KGV aber noch einen obendrauf und überlegt sich offenbar, nicht nur die WSB, sondern auch die Kantonsstrasse – wörtlich erwähnt ist die Aarauer-/Muhenstrasse, die Suhrerstrasse aber nicht – als Tunnel unter dem Boden hindurchzuführen. Dies «würde die heutige Trennwirkung des östlichen und westlichen Dorfteils durch die Kantonsstrasse massgeblich verringern und das Siedlungsgebiet vor verkehrsbedingten Emissionen schützen». Auch der Schulweg würde sicherer und – was im KGV nicht steht – der Dorfkern von Oberentfelden würde dank eines Zentrumsplatzes mit weniger oder gar ohne Autoverkehr deutlich aufgewertet.

Die Gemeinde Oberentfelden müsse das Gespräch mit dem Kanton suchen und sich «gegenüber den federführenden Instanzen» gezielt dafür einsetzen, heisst es. Die Priorität der Projekte wird als «hoch» eingestuft, der Umsetzungshorizont als «mittelfristig».

Im bisherigen KGV aus dem Jahr 1999 waren Aufwertungsmassnahmen für den Engelplatz vorgesehen wie etwa ein Belagswechsel, eine leichte Änderung der Fahrbahnen oder einem besseren Übergang für die Fussgänger samt «Verbesserung der ortsbaulichen Qualitäten». Umgesetzt wurde nichts.

Müheler und Kölliker haben mehr Autos als Entfelder

Dass die WSB-Untertunnelung eines Tages kommt, davon ist auszugehen, denn die Entflechtung des der Bahnlinien ist für den Ausbau des Güterverkehrs auf der SBB-Strecke Lenzburg–Zofingen zentral. Die geschätzten 170 Millionen Franken für den WSB-Tunnel kämen auch von Bund und SBB. National- und Ständerat haben den entsprechenden «Ausbauschritt 2035» bereits bewilligt. Im Juni wurde der Ingenieurauftrag ausgeschrieben. Bis Baubeginn dürfte es noch zehn Jahre dauern. Unter dem Engelplatz gäbe es einen kleinen Bahnhof mit zwei Gleisen, damit die Züge sich dort kreuzen können und die WSB für die Einhaltung des Fahrplans etwas mehr Luft erhält. Im Süden kämen die Züge beim Tenniszentrum wieder an die Oberfläche. Dort ist eine grosse Wohnüberbauung geplant (AZ von Dienstag), eine zusätzliche Haltestelle ist im KGV aber nicht erwähnt.

Bis 2034 werden in Oberentfelden laut KGV 2200 Einwohner mehr erwartet (heute 8500). Die Verkehrsbelastung dürfte «erheblich zunehmen». 60 Prozent davon ist Durchgangsverkehr, 40 Prozent ist hausgemacht. Oberentfelden hat mit 555 Autos pro 1000 Einwohnern einen leicht unterdurchschnittlichen Motorisierungsgrad. In Muhen beträgt er 649, in Kölliken 616, in Unterentfelden 543.

Der Gemeinderat will verhindern, dass die geplante Ost-und Südumfahrung von Suhr (Projekt Veras) Mehrverkehr durch Oberentfelden bringt. Er will sich deshalb dafür einsetzen, dass die Umfahrungstrasse «möglichst südlich des Siedlungsgebiets» zu stehen kommt.

Bessere Radwege, aber keine Buslinien

Der KGV verspricht auch eine Verbesserung der Radwege. Es ist die Rede vom «Schliessen von Lücken im Radwegnetz» und dem Entschärfen mehrerer gefährlichen Stellen. Eine attraktive Veloroute von Muhen nach Aarau fehle gänzlich, auch die Achse Suhr–Kölliken müsse verbessert werden.

Als verbindliches Planungsinstrument umfasst der KGV die Ziele der Verkehrsentwicklung für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Erstmals wurden nebst Autos und ÖV auch Themen wie Carsharing oder Elektromobilität miteinbezogen. Die sogenannte kombinierte Mobilität wird als einzige Lösungsidee erwähnt, um die Gebiete weiter ab der ÖV-Achsen besser anzubinden.

Der Gemeinderat verfasst mit Fachplanern den KGV, der Kanton genehmigt ihn. Der Entwurf für den neuen Oberentfelder KGV liegt noch bis zum 16. Oktober auf. Bis dann können Vorschläge eingereicht werden.

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