Oberentfelden
Gemeinde-Schulden werden sich in drei Jahren vervierfachen – Steuern sollen nicht erhöht werden

Oberentfelden wird seine Nettoschuld in drei Jahren fast vervierfachen. Der Gemeinderat will dennoch bei Steuerfuss 110 Prozent bleiben.

Daniel Vizentini
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Die Schulden in Oberentfelden steigen. Der Steuerfuss soll jedoch gleich bleiben.

Die Schulden in Oberentfelden steigen. Der Steuerfuss soll jedoch gleich bleiben.

Mario Heller

In genau einem Monat stimmt Oberentfelden an der Urne unter anderem über das Budget 2021 ab. Dieses plant der Gemeinderat mit einem Minus von 645'000 Franken, was nach eigenen Angaben vier Steuerfussprozenten entspricht.

Die Steuererträge der Einwohner wie der Firmen sinken voraussichtlich, gleichzeitig muss die Sozialhilfeabteilung um 160 und das Betreibungsamt «wegen der stets ansteigenden Anzahl von Betreibungen» um 100 Stellenprozente erweitert werden. Oberentfelden übernimmt neu 236'000 Franken an unbezahlten Krankenkassenprämien seiner Einwohner, der Anteil am Schwimmbad-Defizit liegt bei 482'000 Franken.

Zudem hat die Gemeinde einige Bauarbeiten vor: 1,5 Millionen Franken kosten diverse Strassensanierungen, die nur minimale, vom Kanton verordnete Renovierung der Engelscheune bis zu 570'000 Franken. Die klar längste und teuerste Liste an Investitionen hat aber nach wie vor die Schule, die seit Jahren aus allen Nähten platzt.

Weit über zehn Millionen Franken für die Schule

Als erstes steht der Anteil von Oberentfelden von 1,215 Millionen Franken für die grundlegende Erneuerung der Schulinformatik an, samt Einkauf von über 1400 Computern und Tablets. Darüber gibt es am 29. November eine Abstimmung in beiden Entfelden.

Nach Plan übernimmt Oberentfelden noch 540'000 Franken am Bau eines weiteren, provisorischen Schulpavillons, 2022 dann 7,5 Millionen an der Aufstockung des Oberstufenschulhauses und 2023 vier Millionen an der Erweiterung des Primarschulhauses Feld. Auch das Schulmobiliar soll in den nächsten Jahren sukzessive ersetzt werden. Die neuen Schulbauten dürften schon vor einer möglichen Gemeindefusion im Zukunftsraum Aarau im Jahr 2026 erstellt sein.

Diese und weitere Projekte kosten die Gemeinde über 26 Millionen Franken. Geld, das Oberentfelden nur über Darlehen finanzieren kann. Über fünf Jahre hinweg müssten 15,7 Millionen Franken geliehen werden. Der Schuldenberg wird auf total 42 Millionen ansteigen. Immerhin: Die erwarteten Zinssätze von meistens 0,3 Prozent gelten als tief.

Die Nettoschuld pro Einwohner würde von heute 661 auf 2364 Franken im Jahr 2023 steigen. Danach geht die Verschuldungskurve laut Finanzplanung wieder langsam nach unten. Der Selbstfinanzierungsgrad dürfte 2024 wieder auf dem heutigen Niveau sein. Ein Budget ohne operatives Minus ist in Oberentfelden erst ab dem Jahr 2025 vorgesehen.

Suhr hebt mit ähnlichen Zahlen den Steuerfuss an

In Suhr, wo eine ähnliche Darlehenssumme aufgenommen werden soll, die Nettoschuld pro Einwohner aber nie 1836 Franken übersteigen wird, will der Gemeinderat den Steuerfuss ab nächstem Jahr um vier Prozentpunkte von 108 auf 112 anheben. In Oberentfelden hingegen, wo das operative Minus 2021 laut Gemeinderat eben genau vier Steuerfussprozenten entsprechen wird, sträubt man sich offenbar dagegen.

Derweil ist es in der Region die Gemeinde, die am meisten Geld vom kantonalen Finanzausgleich erhalten wird: 3,026 Millionen Franken werden es 2021 sein – 480'000 Franken mehr als dieses Jahr und 396'000 mehr als Suhr.

Budget, Engelscheune, Strassensanierung, Stellenerhöhungen und Zukunftsraum Aarau

Abstimmung statt Gmeind Als eine der ersten Gemeinden entschied Oberentfelden bereits Mitte Oktober, dass es wegen Corona lieber auf die Wintergemeindeversammlung verzichtet. Menschen aus der Risikogruppe – darunter vor allem die ältere Bevölkerung – sollten «ungehindert und gefahrlos» am demokratischen Prozess teilnehmen können, schrieb die Gemeinde damals.

Da die Referendumsabstimmung zum Zukunftsraum sowieso auf dem 13. Dezember angesetzt worden war, werden den Abstimmungscouverts nun einfach ein paar Vorlagen mehr beigefügt. Diese werden sein: Das Budget 2021 und die geplante Wärmesanierung des Dachs der Engelscheune, dazu die Sanierung des Brunnmattwegs sowie die Stellenerhöhungen im Betreibungsamt und den Sozialen Diensten. Da wegen Corona auch im Sommer keine Gemeindeversammlung stattfinden konnte, muss das Stimmvolk nun auch per Urnenabstimmung die Rechnung und der Rechenschaftsbericht 2019 bejahen.