Gretzenbach
Geleisebauer bauen auch Bäche

In Gretzenbach entsteht ein neuer Bachlauf. Am Dienstag ist der Bach durch zwei Stahlrohre unter der Bahnlinie durch ins neue Bett geleitet worden. Es fliesst Wasser.

Christian von Arx
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SBB-Bauleiter Winfried Stehle (l.) und Peter Vögeli, Projektleiter Umwelt, haben ein Stück Natur geschaffen. bko

SBB-Bauleiter Winfried Stehle (l.) und Peter Vögeli, Projektleiter Umwelt, haben ein Stück Natur geschaffen. bko

BRUNO KISSLING

In Gretzenbach entsteht ein neuer Bachlauf. Bisher verlief der Unterlauf des Gretzenbachs südlich der Bahnlinie, eingeklemmt zwischen Bahndamm und Güterstrasse/Hauptstrasse, und strebte dann nach einer scharfen Kurve durch eine Unterführung kanalisiert zum Fluss.

Für den Vierspurausbau Olten–Aarau mit der Verzweigung zum Eppenbergtunnel benötigen die SBB den Platz, den der Bach dem Damm entlang beansprucht. Mit dem Bachprojekt wird die mit der Neukonzessionierung des Wasserkraftwerks Gösgen geplante Renaturierung erweitert.

Ruheräume für Fische

Die Sohle des rund 300 Meter langen mäandrierenden neuen Bachlaufs wurde mit feinkörnigem tonhaltigem Material abgedichtet, wie Winfried Stehle, Oberbauleiter des Gretzenbach-Teilprojekts der SBB, erläutert. Kokosmatten, Weidenbündel und einheimische Gehölze schützen die Ufer vor Erosion. Erste Gräser stossen bereits durch die Matten.

Im Bachbett schaffen Wurzelstöcke und grosse Blöcke, sogenannte Störsteine, Ruheräume für die Fische. Die Mündung zur Aare unter der neuen Fussgängerbrücke wurde als Fischrampe gestaltet.

Stein- und Wurzelhaufen, Gelände- und Wassermulden wurden angelegt. «Kurzzeitig überflutetes Gelände und seichte Tümpel sind optimale Lebensräume für Amphibien», sagt Peter Vögeli, Projektleiter Umwelt bei SBB-Infrastruktur. Steinlinsen – trockene flache Becken – dienen Reptilien als Besonnungsplätze. «Wir erwarten hier Eidechsen, Ringelnattern und Schlingnattern, Blindschleichen, Molche, Kreuzkröten oder Gelbbauchunken», sagt Vögeli. Das Projekt leiste einen Beitrag zum Erhalt der teilweise stark gefährdeten Arten.

Gestern Dienstag ist der Bach durch zwei Stahlrohre unter der Bahnlinie durch ins neue Bett geleitet worden. Dabei handelt es sich um ein Provisorium bis Ende 2018. Der definitive Durchlass wird in den nächsten drei Jahren in Etappen realisiert; er unterquert die Güterstrasse, den künftigen Interventionsplatz für die Tunnelrettung im Eppenbergtunnel und die Bahn. Er wird eine Fischtreppe enthalten. Lichtluken sollen den Fischen im 68 Meter langen «Bachtunnel» die Orientierung erleichtern.

Ob alles so funktioniert, wie es sich die Biologen ausgedacht haben, muss sich zeigen. Für die nächsten fünf Jahre bleiben die SBB für den Unterhalt zuständig. Dazu gehört unter anderem die Bekämpfung von Neophyten. Danach wird die Pflege der Anlage in den Bally-Park integriert.

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