Lenzburg

Geldwäscherjäger des Papstes – René Brülhart soll Hypi-Verwaltungsrat werden

René Brülhart: Vom Vatikan zur «Hypi» Lenzburg?

René Brülhart: Vom Vatikan zur «Hypi» Lenzburg?

René Brülhart soll «Hypi»-Verwaltungsrat werden. Hauptberuflich jagt er zur Zeit Finanzverbrecher im Vatikan. Seit 2012 steht Brülhart bei der Finanzaufsichtsbehörde des Papstes unter Vetrag. Kein ungefährlicher Job, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt.

Man muss die Medienmitteilung der Hypothekarbank Lenzburg, kurz «Hypi», genau lesen, um zu erkennen, welch dicken Fisch sich die Regionalbank da an Land ziehen will. «Der Verwaltungsrat beantragt, René Brülhart als Mitglied des Verwaltungsrates zu wählen», steht auf der Traktandenliste der heutigen Generalversammlung unter Punkt 6.2.

Wenn die Aktionäre dem Vorschlag zustimmen, dann sitzt im Hypi-Verwaltungsrat bald einer der mächtigsten Finanzagenten der Welt. Als «James Bond der Finanzbranche» hat ihn die deutsche Zeitung «Die Welt» betitelt. Und obwohl René Brülhart nicht gerne über seine Person spricht und lieber bei den harten Fakten des Finanzgeschäfts bleibt, scheint der Vergleich angebracht. Denn: Brülhart jagt hauptberuflich Geldwäscher und Finanzverbrecher – im Auftrag des Papstes.

Stahlgitter vor den Fenstern

Seit 2012 steht Brülhart der von Papst Benedikt XVI geschaffenen Finanzaufsichtsbehörde «Autorità di Informazione Finanziaria» (AIF) unter Vertrag. Sein Auftrag: Die wegen Geldwäschereiverdachts in Verruf geratene Vatikanbank in ein besseres Licht rücken. Keine leichte Aufgabe, auf die sich der 44-jährige Fribourger Jurist da eingelassen hat.

Von seinem Büro im ersten Stock des Palazzo San Carlo im Vatikan aus überwacht er mit seinem Dutzend Mitarbeitern die Finanzströme im Vatikan und lässt verdächtige Konten sperren. Sein Chef ist Papst Franziskus. Er war es auch, der Brülhart 2014 an die Spitze des AIF gesetzt hat. Ein smarter päpstlicher Schachzug, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Unter Brülharts Führung stieg die Zahl der Verdachtsmeldungen aus der Vatikanbank von ein paar wenigen auf mehrere hundert pro Jahr.

Aber: Brülhart bewegt sich auf einem Minenfeld. Dass es einflussreiche Kreise gibt, die wenig Interesse daran haben, den vatikanischen Geldwäschesumpf trockenzulegen, ist nicht bloss eine wilde Fantasie einiger Dan-Brown-Anhänger. Brülhart betont zwar stets, man solle Fiktion Fiktion sein lassen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt aber: Der Finanzplatz Vatikan ist ein heisses Pflaster. Exemplarisch dafür ist eine Anekdote aus der Vergangenheit der Vatikanbank; jener Bank, die Brülhart mit der AIF überwacht. Der Banker Roberto Calvi, der wegen seiner engen Verbindungen zur Vatikanbank auch als «Bankier Gottes» bekannt war, wurde 1982 erhängt unter einer Londoner Brücke aufgefunden. Dessen Sekretärin stürzte kurz darauf unter ungeklärten Umständen aus dem Fenster.

2014 wurde bei der AIF eingebrochen. Bei Untersuchungen im Gebäude fand man Abhörwanzen. Das zeigt: Brülhart macht sich im Vatikan nicht nur Freunde. Und weil der bissige Finanzjurist lieber nach vorne statt ständig über die Schultern nach hinten schaut, liess er vor den Fenstern seiner Büros kürzlich Stahlgitter montieren.

Kurzer Arbeitsweg

Und jetzt also soll der hoch angesehene Experte für Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung in den Verwaltungsrat der Hypothekarbank Lenzburg gewählt werden. Was den «guten Katholiken» Brülhart (Zitat aus dem SRF-Tagesgespräch vom Oktober 2012) wohl ins reformierte Städtchen lockt?

Persönliche Antworten darauf gibt es an der heutigen GV vorerst nicht. Brülhart kann wegen beruflicher Verpflichtungen, die er schon vor der Anfrage aus Lenzburg eingegangen ist, nicht anwesend sein. Die Chancen, ihm in nächster Zeit in Lenzburg über den Weg zu laufen, stehen dennoch gut. Der Weg zu den Verwaltungsratssitzungen wird für ihn nämlich ein kurzer sein. Brülhart wohnt noch immer in der Stadt Zürich und pendelt von dort aus in den Vatikan.

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