Gränichen
Gegen die Überalturng: Neue Kandidaten mischen den Wahlkampf auf

In Gränichen mischen Kandidaturen von ausserhalb der grossen Parteien den Wahlkampf auf.

Ueli Wild (Text und Foto)
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Einer der neun Kandidierenden, Hans Schweizer, ist, politisch gesehen, ein völlig unbeschriebenes Blatt.

Einer der neun Kandidierenden, Hans Schweizer, ist, politisch gesehen, ein völlig unbeschriebenes Blatt.

Ueli Wild

Dem Gränicher Gemeinderat steht eine Blutauffrischung bevor. Mit Ammann-Kandidat Peter Stirnemann (64, parteilos), Vizeammann Hanspeter Lüem (61, FDP) und Peter Hofmann (68, FDP) treten noch drei Bisherige zur Wahl an. Mindestens zwei Sitze werden somit neu besetzt. Die Affiche auf den ersten Blick: SP gegen SVP. Die SP will mit André Muhmenthaler (48), bisher Präsident der Finanzkommission, in den Gemeinderat zurückkehren. Die SVP, die Ruedi Gautschi ersetzen muss, strebt mit Parteipräsident Hanspeter Steuri (58) und der abtretenden Schulpflegepräsidentin Regina Heller (57) ein zweites Mandat an.

Das Ringen der grossen Parteien um die fünf Sitze wird aufgemischt durch drei weitere Kandidaturen wie jene des gebürtigen Kenianers Ignatius Ounde (37, GLP), der 2016 nach Gränichen zog. Ihn kennt man, weil er letztes Jahr für den Grossen Rat kandidierte. Er erreichte auf der GLP-Liste den zweiten Ersatzplatz .

Eine ex-freisinnige Kandidatin

Simone Hartmann (48, parteilos) politisierte bisher in der FDP und sitzt noch bis Ende Jahr für diese in der Schulpflege. Hat es in der FDP Turbulenzen gegeben? – Nein, sagt dazu Parteipräsident Ulrich Price. Der Parteivorstand habe sich einfach für einen Neubeginn ausgesprochen. Die Freisinnigen treten mit drei neuen, jungen Kandidaten für die Schulpflege an. Hartmann selber sagt dazu nur, als unabhängiger Gemeinderätin wäre es ihr ein Anliegen, «dass Gränichen weiterhin eine solide Bildung für unsere Kinder bieten kann». Auf die Frage, was sie zur Gemeinderatskandidatur bewogen habe, antwortet sie: «Seit 20 Jahren bin ich in Gränichen zu Hause. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich schätze es, wenn Gränichen als ländliche Gemeinde ihren Charme behält. Als Bio-Landwirtin ist mir eine nachhaltige Bewirtschaftung der vorhandenen Ressourcen wichtig.»

Hans Schweizer (37, parteilos), ist als einziger Kandidat ein politisch gänzlich unbeschriebenes Blatt. Parteipolitisch, sagt er, sei er neutral. Zu Publizität kam der diplomierte Pflegefachmann mit einem Master in Betriebswirtschaft für Non-Profit-Organisationen 2016, als er die Leitung zweier Altersheime in Hägglingen und Dottikon übernahm. Dies nachdem sich der Trägerverein aufgrund unterschiedlicher Auffassungen von seinem Vorgänger getrennt hatte.

Seine Gemeinderatsambitionen erklärt Schweizer, der seit Ende 2008 in Gränichen lebt, mit dem Wunsch, sich «sinnvoll in der Gemeinde einzubringen und etwas für die Zukunft zu bewegen». Er räumt ein, der Aufwand für berufstätige Gemeinderäte sei zum Teil «immens hoch». Doch es könne nicht sein, dass nur Pensionierte die Zeit finden, sich zu engagierten. «Das führt zu einer Überalterung im Gemeinderat.» Hat Schweizer denn die Kapazität, neben der Führung zweier Alterszentren noch ein Gemeinderatsmandat auszuüben? – Es wäre gelogen zu behaupten, dass dieses Mandat «mit Links» ausgeübt werden könne, räumt Schweizer ein. «Sicher muss das eine oder das andere anders geplant werden, aber ‹geht nicht› gibt es nicht.»

Zu Schweizers Anliegen zählt ein umsichtiger Umgang mit den Finanzen gleich wie die Förderung von Bildung, Kultur und Sport. Neben einer «lösungsorientierten Alterspolitik» gibt es in seinem «lebendigen Gränichen» auch eine «sozialverträgliche Kinder- und Jugendbetreuung». Ihm ist bewusst: Die Gemeinde bietet da schon einiges. Ihm sei wichtig, Angebote wie Kitaplätze, Spielgruppen und Mittagstisch den Bedürfnissen entsprechend anzubieten. Die Jugendlichen seien «zeitgemäss anzusprechen und in die Gemeinschaft mit einzubinden». Vereinsleben und ausserschulische kulturelle Angebote seien durch Kanton und Gemeinde zu unterstützen.

Mit GLP-Kandidat Ounde teilt Schweizer die Liebe zum Ausdauersport. Auch er ist Marathonläufer – und Duathlet. Eine weitere Parallele: Auch er ist in Afrika geboren. 1980 – wie Ounde. Aber nicht in Kenia, sondern in Südafrika.

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