Aarau

Gefühl von Unsicherheit: Sechs Jahre lang hat das Telli-Quartier am Zusammenleben gefeilt

Die «Staumauern» im Telli-Quartier in Aarau.

Die «Staumauern» im Telli-Quartier in Aarau.

Andere Ausgangslage, ähnliche Fragen: Wie in der Buchser Rösslimatte mussten auch in Aarau Schwierigkeiten in der Nachbarschaft gelöst werden – in einem langwierigen Prozess.

Die Rösslimatte in Buchs ist nicht das einzige Quartier, in dem sich das Zusammenleben schwierig gestaltet. Ein anderes Beispiel aus der Vergangenheit ist die Telli in Aarau. Wenn die Ausgangslage auch eine andere war, stellten sich dort doch ähnliche Fragen: Wie schaffen es Tausende Menschen, die auf engem Raum zusammenwohnen, sich kaum kennen und unterschiedliche Interessen haben, ein erträgliches Zusammenleben zu gestalten?

Der Bauboom in der Telli startete in den 70er-Jahren. Zuerst wurde die Überbauung mit dem Hochhaus und dem Einkaufszentrum realisiert. Es folgten die «Staumauern», die etappenweise gebaut wurden, die letzte 1990. Auch in der Folge wuchs die Telli weiter, aus dem ruhigen Vorort ist ein belebtes Quartier mit Schule, Gewerbe und Wohnungen geworden.

Die Probleme kochten kurz nach der Jahrtausendwende hoch: Schwierigkeiten mit Jugendlichen, fehlende Freizeitangebote für Kinder, Anlagen und Spielplätze in mangelhaftem Zustand, ein verbreitetes Gefühl von Unsicherheit, eine Unzufriedenheit mit der sozialen Durchmischung der Bewohnerschaft und eine grosse Heterogenität der Schulklassen bezüglich der kulturellen Herkunft. Dies lässt sich heute im Bericht zum Projekt «allons-y Telli» lesen.

Abschliessend als Erfolg bezeichnet

Mit diesem Projekt versuchten verschiedene Parteien, unter anderem die Stadt Aarau, die Probleme anzugehen. In diesem Rahmen wurde auch das Gemeinschaftszentrum (GZ) Telli, das auch heute noch um das Zusammenleben in der Telli bemüht ist, nochmals neu organisiert. Sechs Jahre dauerte das Projekt schliesslich, in das sogar der Bund involviert war und währenddessen ein ganzes Bündel an Massnahmen umgesetzt wurde.

Diese reichten von Jugendarbeit (ein Jugendarbeiter wurde extra eingestellt) über Integrationsarbeit (ein «TelliRat» aus einheimischen und fremdsprachigen Anwohnern wurde gebildet, der die Interessen der Anwohner vertrat; heute übernimmt das GZ Telli diese Aufgabe) bis hin zu Siedlungsentwicklung (wo über neue Busverbindungen oder neue Gemeinschaftsräume diskutiert wurde). Vor allem aber wurden die Anwohner stärker eingebunden.

Nachdem das Projekt in den sechs Jahren einige Rückschläge einstecken musste, wurde es abschliessend als Erfolg bezeichnet: «Es ist unbestritten, dass in allen Handlungsfeldern positive Wirkungen erzielt wurden», bilanziert der Projektbericht. Und das Projekt wirkt bis heute nach. Das neu organisierte, erstarkte GZ Telli und die verschiedenen Quartiervereine sind eine direkte Folge davon. Und, um nur ein Beispiel zu nennen, auch die «Brotteilete» entstand daraus: Senioren verteilen freiwillig Brot an Schulen, um so mögliche Konflikte zwischen den Generationen vorzubeugen. Alle Probleme sind damit natürlich nicht aus der Welt geschafft: Zuletzt beschwerten sich Anwohner beim Primarschulhaus über Kinderlärm auf dem Pausenplatz, nach einem Hin und Her und einigen runden Tischen habe das Problem aber entschärft werden können.

Meistgesehen

Artboard 1