Aarau
Gefällte Bäume bleiben im Frey-Kanal liegen - das schützt Fische vor Kormoranen

Die Kormorane haben dem Fischbestand im Frey-Kanal zugesetzt. Das Forstamt hat Bäume gefällt, die nun im Bachbett liegen. In den Baumkronen können sich die Fische in Sicherheit bringen.

Von Hubert Keller
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«Die Baumkronen verändern die Strömungsverhältnisse des Bachs und dienen den Fischen als Refugium vor den Schnäbeln der gefrässigen Kormorane», erklärt Peter Jean-Richard vom Bachverein. Kel

«Die Baumkronen verändern die Strömungsverhältnisse des Bachs und dienen den Fischen als Refugium vor den Schnäbeln der gefrässigen Kormorane», erklärt Peter Jean-Richard vom Bachverein. Kel

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Das Forstamt hat im Telli-Wald Bäume mit den Wurzelstöcken umgerissen oder, wo es nicht anders ging, fachmännisch mit Motorsäge gefällt. Nun liegen die Stämme im Frey-Kanal – und dort sollen sie auch liegen bleiben.

Die Baumfällaktion erfüllte nämlich für einmal keinen forstwirtschaftlichen Zweck, sondern einen ökologischen. Die Baumkronen, durch die nun das Wasser sprudelt, dienen den Fischen als Refugium gegen ihre Feinde, insbesondere gegen die Kormorane. Der Fischbestand sei im Frey-Kanal deutlich zurückgegangen, begründet Peter Jean-Richard vom Aarauer Bachverein die Aktion.

Die Kormorane hätten auch im vergangenen Winter wieder häufig im Kanal gefischt. Die Fische hätten sich womöglich auch in der Aare, wo sie in vom Kormoran unerreichbare Tiefen abtauchen könnten, in Sicherheit gebracht, sagt Jean-Richard. «Fische haben nur dann eine Chance, wenn sie sich im Bach auch verstecken können.»

Fische zu Tausenden in Rohrleitung

Bisher sei vor allem die Rohrleitung bei der Chocolat-Frey ein beliebter Zufluchtsort der Fische gewesen, sagt der Naturschützer. Tausende von Fischen hätten hier jeweils Schutz vor den hungrigen Schnäbeln gesucht und auch gefunden. Leider hätten die Kormorane nun auch diesen Ort entdeckt und das Gewässer ausserhalb des Rohrs leer gefressen.

Mit dem Neubau des Kraftwerks Rüchlig wird die Wasserzufuhr in dieses Rohr unterbunden. Der Frey-Kanal, der bis auf diesen künstlichen Durchgang ein frei fliessendes natürliches Gewässer darstellt, soll bis ganz oben geöffnet werden. Das Wasser wird dann auf einem anderen Weg von oberhalb des Wehrs zugeführt. Das bedeutet aber, dass dieser Zufluchtsort bald nicht mehr bestehen wird.

Auch dieser Umstand hat neben anderen zur Baumfällaktion geführt. Auf Vorschlag des Aarauer Bachvereins hat der Forstbetrieb Region Aarau Ende März drei Bäume so gefällt, dass die Kronen in das Bachbett zu liegen kamen. Damit erhalten die Fische ein zusätzliches Angebot an Verstecken. Zudem werde die Strömungsvielfalt erhöht und würden die Bedingungen auch für andere Tierarten verbessert, sagt Jean-Richard.

Die Vielfalt der Fischarten im Frey-Kanal beeindruckt jeden Naturfreund. Peter Jean-Richard zählt sie auf: Alet, Hasel, Schneider, Gründling, Barben. Auch vom Aussterben bedrohte Arten wie das Bachneunauge, das einer kleinen Schlange ähnlicher ist als einem Fisch und sich im Sand vergräbt, oder die Nase fühlen sich im Bach wohl. Bis 20 Arten seien im Bach zu beobachten, schätzt Jean-Richard.

Wichtiges Schutzgebiet

Der Frey-Kanal ist Schutzgebiet und ein für Fische besonders wichtiges Gewässer. Die vom Bachverein initiierten Massnahmen werden denn auch vom Kanton unterstützt. In den letzten Jahren sind sukzessive kleinere Eingriffe getroffen worden, um den Lebensraum der Fauna und insbesondere der Fische zu verbessern – Verengungen, Mulden, Ausbuchtungen und Schwellen, die den Bach zum Mäandrieren zwingen. Das Bachbett landet an einem Ort auf, am andern Ort wird es ausgewaschen.