Kommentar
Gebühren-Erhöhng für Aarauer Beizen: Allen Luft zum Atmen lassen

Katja Schlegel
Katja Schlegel
Merken
Drucken
Teilen
Seit fast drei Jahrzehnten bezahlen Ladenbesitzer und Gastronomen gleich viel für Stände oder Stühle im Aussenbereich.

Seit fast drei Jahrzehnten bezahlen Ladenbesitzer und Gastronomen gleich viel für Stände oder Stühle im Aussenbereich.

Ueli Wild

Die Stadt überarbeitet ihr Reglement über die Nutzung des öffentlichen Grunds aus dem Jahr 1991. Nach 26 Jahren ist das nötig. Vieles hat sich verändert, insbesondere in der Altstadt. Wo sich früher die Autos Stossstange an Stossstange durch die Gassen zwängten, sitzt man heute in den Cafés, baden Kinder ihre Füsse im Stadtbach. Im Sommer gibt es kaum ein Wochenende ohne Veranstaltung. Die Altstadt hat sich gemausert, sie lebt. Davon profitieren alle.

Was sich in diesen 26 Jahren nicht verändert hat, ist die Höhe der Gebühren. Seit fast drei Jahrzehnten bezahlen Ladenbesitzer und Gastronomen gleich viel für Stände oder Stühle im Aussenbereich. Dass der Stadtrat jetzt die Gebühren anpassen will, ist berechtigt. Bloss ist das Vorgehen etwas gar ruppig.

Besonders hart trifft das neue Reglement die Gastronomen. Gratisflächen von 18 Quadratmetern gibt es nicht mehr, die Quadratmeterpreise sind neu deutlich höher. Bei einer Fläche von 50 Quadratmetern beispielsweise steigen die Kosten für acht Monate Aussenbestuhlung um rund 84 Prozent, von gut 3500 auf knapp 6600 Franken. Das lässt nicht nur Beizer leer schlucken.

Die Reaktionen der Wirte erstaunen denn auch nicht. Auch nicht die Ankündigungen, dass sie ihren Aussenbereich verkleinern oder nur noch während weniger Monate betreiben wollen. Wen wunderts, wenn pro Monat Hunderte Franken mehr für die Plätze im Freien draufgehen – ganz abgesehen von den zusätzlichen Kosten, die die Beizer bei Grossveranstaltungen für genau die gleichen Plätze an Veranstalter bezahlen müssen. Wer dann verliert, sind in erster Linie die Gäste, die vergeblich einen Aussensitzplatz suchen. Verärgerte Gäste sind Gift für den guten Ruf einer Stadt. Vielleicht hätte der Stadtrat gut daran getan, die Gebühren Schritt für Schritt und über Jahre hinweg anzupassen. So, dass allen Luft zum Atmen bleibt.