Wahlen

Gebürtiger Kenianer kam wegen der Liebe in den Aargau – nun will er in den Grossen Rat

«Ich war richtig stolz, als ich abstimmen gehen durfte»: Ignatius Ounde, der im Kantonsspital Aarau arbeitet. Alex Spichale

«Ich war richtig stolz, als ich abstimmen gehen durfte»: Ignatius Ounde, der im Kantonsspital Aarau arbeitet. Alex Spichale

Der gebürtige Kenianer Ignatius Ounde (36) möchte für die Grünliberalen in den Grossen Rat. Der Familienvater, der in Gränichen wohnt und im Kantonsspital Aarau arbeitet, hat schon jetzt einen beeindruckenden Weg in unsere Politik hinter sich.

Am Samstag hat Ignatius Ounde den Jungfrau-Marathon (42 Kilometer, 1829 Höhenmeter) geschafft. Auf seiner Homepage heisst es, er sei Mitglied der Naturfreunde Schweiz. Und gerne wäre er ab kommendem Jahr Mitglied des Grossen Rates.

Der gebürtige Kenianer kandidiert auf der Liste der Grünliberalen des Bezirks Aarau – drei Jahre nachdem er eingebürgert worden ist. Und warum ist heute der Aargau seine neue Heimat? «Wegen der Liebe», lächelt Ignatius Ounde (36).

Er wuchs in Kenias Hauptstadt Nairobi auf – als Sohn eines Akademikers. Im Nachbarland Tansania liess er sich zum Pfleger und Geburtshelfer (Hebamme) ausbilden. Als er 2004 schon ein Stipendium für eine Weiterbildung in den USA auf sicher hatte, lernte er eine Schweizerin namens Edith (heute 38) kennen. Sie absolvierte gerade ein Austauschjahr in Nairobi. 2006 Heirat in Kenia, 2007 Umzug in die Schweiz. Nach Suhr. Anfangs 2016 zügelten die Oundes nach Gränichen. Mit dabei: die zwischenzeitlich geborenen Buben Cédric (5) und Noel (2).

«Es ist ein ganz anderes Gefühl»

Der Start ins Schweizer Berufsleben war für Ignatius Ounde schwierig. Er musste Deutsch lernen. Und seine afrikanischen Diplome wurden hierzulande auch nicht anerkannt. Er musste sich praktisch ein zweites Mal zum Pfleger ausbilden lassen. Nach Praktika in den Spitälern Olten und Menziken konnte er 2009 endlich richtig arbeiten: Am Kantonsspital Aarau (KSA), wo er seither eine kleine Karriere gemacht hat. Ignatius Ounde arbeitet heute zu 60 Prozent als Pfleger und zu 40 Prozent als Fachexperte Oncological Care. Seine Frau ist ebenfalls am KSA tätig: in der Intensivpflege.

Ignatius Ounde war in Kenia zwar politisch interessiert, aber er gehörte keiner Partei an. Er sagt: «Ich liess mich einbürgern, weil ich am politischen Prozess teilnehmen will. Meine Stimme soll gehört werden.» Eingebürgert wurde er im Sommer 2013. Im September durfte er erstmals an die Urne. «Ich war richtig stolz, als ich erstmals abstimmen gehen durfte», erinnert sich Ounde. Er sei am Sonntag extra aufgestanden, damit er den Stimmzettel eigenhändig habe einwerfen können. Das tue er noch heute: «Wenn möglich stimme ich nicht per Post ab, sondern gehe selber an die Urne. Es ist ein ganz anderes Gefühl.» An Gemeindeversammlungen habe er schon teilgenommen, als er noch nicht stimmberechtigt gewesen sei und als Besucher habe hinten sitzen müssen.

Gezielt eine Partei gesucht

Warum hat sich Ounde den Grünliberalen angeschlossen? Kein Beziehungs-, sondern ein Kopfentscheid. Er habe sich alle Parteiprofile angesehen. «Dabei haben mich die Grünliberalen besonders angesprochen.» Seit 2013 ist er Parteimitglied.

Ounde sagt: «Ich habe in der Schweiz nie direkte rassistische Äusserungen erlebt. Ich fühle mich wohl hier.» Die Verbindung zu seiner ersten Heimat hat er nicht verloren. Alle zwei Jahre reist er nach Kenia, um Verwandte zu besuchen. «Und mit meinem älteren Sohn spreche ich ausschliesslich Suaheli», sagt Ounde.

Er weiss, dass für ihn die Grossrats-Wahlen nicht einfach werden. Die Grünliberalen haben aktuell im Bezirk Aarau einen einzigen Sitz. Doch der Bergmarathon-Läufer Ounde ist zäh und ausdauernd. «Wenn ich Frühdienst habe, jogge ich immer von Gränichen ins Spital.» Der Weg in den Grossen Rat wäre nur unwesentlich länger.

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