Nachruf
«Gault Millau»-Koch Rolf Böhler ist verstorben

Sein herzhaft-fröhliches und ansteckendes Lachen ist verstummt. In der Altjahrswoche ist Rolf Böhler im Alter von knapp 78 Jahren nach längerer Leidenszeit verstorben. Er hat vor allem im Aargau und nicht zuletzt in der Kantonshauptstadt als begnadeter Gastronom seine Spuren hinterlassen.

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Rolf Böhler ist im Alter von 77 Jahren verstorben.

Rolf Böhler ist im Alter von 77 Jahren verstorben.

Geboren wurde Rolf Böhler am 22. Januar 1939 im Bauerndorf Niederhof unweit von Badisch-Laufenburg. Er war stolz auf seine Herkunft als «Hotzenwälder» und behielt sein Leben lang den etwas knorrigen, gelegentlich aufmüpfigen, gegenüber Familie und Freunden aber treuen und anhänglichen Charakter.

Nach harten und von Entbehrungen gezeichneten Jugendjahren in der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte er eine Lehre als Koch in Waldshut. Dann zog es ihn in die Schweiz, unter anderem an die Hotelfachschule in Luzern. Hier lernte er die Aarauerin Doris Egli kennen und lieben. Nach der Heirat und der Geburt der Tochter Daniela machte sich das junge Wirtepaar 1969 selbstständig und übernahm das Restaurant Waldegg in Menziken.

Rolf und Doris ergänzten sich im anspruchsvollen Metier optimal. Er wirkte als innovativer Chef in der Küche, sie betreute an der Front die Gäste im Service. Mit der Geburt von Sohn Peter 1976 erfolgte der Wechsel nach Wohlen in den «Bären» samt Casino, ein Betrieb, der viel Zeit, Kraft und Leidenschaft abverlangte. Nach einer kurzen Auszeit begann im Frühling 1985 die heute noch unvergessene Ära Böhler-Egli im Restaurant Chez Jeannette an der Vorderen Vorstadt in Aarau.

Rolf Böhler schätzte zwar die Meriten (15 Punkte) im Gastroführer Gault Millau, Abgehobenheit war aber nicht seine Sache. Er blieb bodenständig und pflegte auch die diversen Stammtische, die sich in der heimeligen «Jeannette»-Stube wohlfühlten. Mit ihm lieb gewordenen Gästen verband ihn eine anregende Freundschaft mit Gesprächen, die weit über Mitternacht hinaus dauern konnten und seinem Naturell, seinem Schalk und seinem Temperament entsprachen. Erholung fand er in der kargen Freizeit in der Natur, beim Steinhauen in der Toskana oder in den Reihen des Aarauer Fünfliber-Clubs, der ihm besonders am Herzen lag und in dem er seine angeborene Geselligkeit ausleben durfte.

Mit dem Erreichen des AHV-Alters zog sich Rolf Böhler 2004 aus dem aktiven Wirteleben zurück. Im gleichen Jahr erkrankte seine Gattin schwer, erholte sich aber wieder. Leider war die gemeinsame Zeit begrenzt, in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 2009 erlag Doris ihrem erneut ausgebrochenen Leiden. Für Rolf Böhler folgte eine nicht immer einfache Zeit, die er aber dank der Unterstützung seiner Familie, die inzwischen auch drei Enkelkinder zählte, dank treuen Freunden und mit seinem unerschütterlichen Optimismus und Humor bewältigte. Er blieb eine Frohnatur, obwohl er vor anderthalb Jahren selber mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurde und die Krankheit mit Würde trug.

Mit seinem Tod ist Aarau um einen liebenswürdigen Menschen, um einen Charakterkopf und eine Wirte-Legende ärmer geworden. (HR)