Aarau
Fussgänger riskieren beim Telli Unfall – nur um Sekunden zu sparen

Die Unterführung beim Aarauer Einkaufszentrum Telli wird von Fussgängern kaum benutzt: Viele eilen stattdessen über die Strasse. Die Stadtpolizei spricht von einem «Massendelikt» und sagt, sie könne nicht ständig Kontrollen durchführen.

Bastian Heiniger
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Nachdem der Bus gehalten hat, queren Passagiere die Strasse. Bastian Heiniger

Nachdem der Bus gehalten hat, queren Passagiere die Strasse. Bastian Heiniger

Beim Einkaufszentrum Telli rennt ein Fussgänger über die Strasse. Er will den Bus erwischen. In letzter Sekunde gelingt einem Töfffahrer die Vollbremsung – der Fussgänger hat Glück. Dies hat vergangene Woche eine Aarauerin beobachtet. Eine Szene, die sich dort häufig ereignet.

Denn: Zwischen Einkaufszentrum und gegenüberliegender Busstation hat sich buchstäblich ein «Wildwechsel» etabliert – trotz naher Unterführung und Fussgängerstreifen. Wenn der Bus in Richtung Rohr hält, macht kein Passagier den Umweg zum Fussgängerstreifen, niemand bemüht sich zur Unterführung. Ob jung oder alt – wer auf die andere Seite muss, wählt den direkten Weg über die Strasse.

Rücksichtslose Fussgänger

Dieses Problem ist der Polizei bekannt: «Es sind nicht immer Autofahrer, die rücksichtslos sind, sondern häufig auch Fussgänger», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei. Es komme jedoch oft vor, dass Berufsschüler, aber auch Erwachsene, leichtsinnig die Strasse überquerten – viele mit Kopfhörern oder am Handy.

Glücklicherweise verzeichne die Polizei an dieser Stelle kaum Unfälle. Kleinere Kollisionen jedoch würden ihnen oft nicht mitgeteilt, sagt Graser. Gleichwohl sei es gefährlich. Vor allem wenn es wieder früher eindunkle im Herbst. Um ein paar Sekunden einzusparen, riskieren Fussgänger einen Unfall. Aber warum, zumal eigens eine Unterführung gebaut worden ist.

«Der Zebrastreifen ist zu weit weg und die Unterführung unpraktisch», findet eine Rentnerin, die an einem Rollator geht. Wer nicht mehr gut zu Fuss sei, gehe nicht bis zum Fussgängerstreifen. Bisher sei ihr ja nichts geschehen: «Die meisten Autofahrer halten extra an für mich», sagt sie.

Auch die Stadtpolizei weiss, dass die Mehrheit der Fussgänger direkt über die Strasse geht. Ein «Massendelikt». Eigentlich müsse man mindestens 50 Meter von einem Fussgängerstreifen oder einer Unterführung entfernt sein, um die Strasse überqueren zu dürfen, sagt Daniel Ringier, Leiter der Stadtpolizei. Beim Einkaufszentrum sei es verboten.

Die Polizei aber könne nicht ständig Kontrollen durchführen. Im Fokus der Polizeiarbeit stehe anderes. Überhaupt: Wenn jemand leichtsinnig ein Risiko eingehe, liege das in der Eigenverantwortung des Bürgers. Ringier appelliert jedoch an die Fussgänger, vorsichtig zu sein und künftig die Unterführung zu benutzen.