Entfelden
Fusionsprojekt «Zukunftsraum Aarau» soll nicht von einem Bauchentscheid abhängen

Wenn zum jetzigen Zeitpunkt ein Fusionsentscheid gefällt würde, wäre es ein Bauchentscheid. Und einen solchen wolle man vermeiden. Das war die zentrale Botschaft, welche Markus Werder und Heinz Lüscher an der gemeinsamen Informationsveranstaltung der beiden Entfelden zum Fusionsprojekt «Zukunftsraum Aarau» den über hundert Anwesenden vermittelten.

Ueli Wild
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Zur Diskussion stehen gegenwärtig drei einzelne Fusionsprojekte: Aarau – Ober- und Unterentfelden, Aarau – Suhr und Aarau – Densbüren. (Archivbild)

Zur Diskussion stehen gegenwärtig drei einzelne Fusionsprojekte: Aarau – Ober- und Unterentfelden, Aarau – Suhr und Aarau – Densbüren. (Archivbild)

Pascal Meier

Die Gemeindeammänner von Ober- und Unterentfelden erklärten auf diese Weise, weshalb die Gemeinderäte der beiden Gemeinden die nun anstehende sogenannte Ausarbeitungsphase durchlaufen möchten: Während dieser möchten sie, wie Markus Werder unterstrich, die Basis für einen fundierten Entscheid schaffen.

Am 25. November werden die Gemeindeversammlungen von Ober- und Unterentfelden über den für die Ausarbeitungsphase nötigen Kredit befinden, gleichentags wie Densbüren. In Suhr entscheidet die Gmeind einen Tag früher. Im Aarauer Einwohnerrat ist der Kredit für die Sitzung vom 14. November traktandiert. Mit dem jeweiligen Kredit steht und fällt zunächst einmal die weitere Teilnahme am Zukunftsraum.

«Es ist noch vieles möglich»

Die Antworten, welche die beiden Gemeindeammänner sowie Projektleiter Marco Salvini den Fragestellern im Saal gaben, vermochten manches zu klären. Handkehrum machten sie auch deutlich, wie viel Flexibilität respektive Unklarheit beim Zukunftsraum-Prozess noch vorhanden ist. «Es ist noch vieles möglich», sagte Marco Salvini, Aaraus Projektleiter Stadtentwicklung.

Grundsätzlich sei es möglich, dass eine der beteiligten Gemeinden beim Übergang von einer Teilphase zur anderen oder zwischen der Ausarbeitungs- und der Umsetzungsphase aussteige. Umgekehrt sei auch ein Wiedereinstieg möglich. Sprich: Nichts ist definitiv, zumindest theoretisch – egal was der Einwohnerrat und die Gemeindeversammlungen in den nächsten Wochen beschliessen.

Salvini bestätigte auch, dass jene Gemeinden, die unterwegs aussteigen, nachdem sie das ganze Geld für die Ausarbeitungsphase gesprochen haben, den verbleibenden Teil des Kredits zurückerhalten. In finanzieller Hinsicht macht es demnach keinen Unterschied, ob über den ganzen Kredit oder wie in Suhr bloss über den Anteil für die erste Teilphase, die Erarbeitung eines Zukunftsraum-Leitbilds, entschieden wird.

Dass das Vorgehen in Suhr von jenem in den andern vier beteiligten Gemeinden abweicht, nahm Salvini als Beweis dafür, dass man offen sei «für die Erkenntnis, dass verschiedene Wege zum gleichen Ziel führen können».

Zur Diskussion stehen gegenwärtig drei einzelne Fusionsprojekte: Aarau – Ober- und Unterentfelden, Aarau – Suhr und Aarau – Densbüren. Eine knifflige Frage lautete da natürlich: Was passiert, wenn die beiden im gleichen Fusionsperimeter befindlichen Entfelden unterschiedliche Wege gehen, wenn also eine der beiden Gemeinden mit Aarau (und allenfalls weiteren Gemeinden) fusionieren will, die andere aber nicht? «Dann müssten wir die Köpfe zusammenstecken», sagte dazu Heinz Lüscher.

Heisst: Geklärt ist diese Frage noch nicht. Marco Salvini wies aber darauf hin, dass es nirgends im ganzen Zukunftsraum derart viele enge Verflechtungen gibt wie zwischen den beiden Entfelden und dass hier demzufolge ein Auseinanderdividieren besonders schwierig wäre. Die ganz grosse Knacknuss wäre die Kreisschule.

«Zwei verschiedene Strategien»

In den Brennpunkt geriet an der Informationsveranstaltung am Montagabend zunehmend der Umstand, dass es beim Zukunftsraum Aarau, wie der Oberentfelder SVP-Kreisschulrat Ernst Schweizer sagte, «zwei verschiedene Strategien» gibt. Zum einen gibt es drei verschiedene Fusionsperimeter.

Zum andern ermöglicht das Projektdach, was Heinz Lüscher bestätigte, die Fusion mit allen im Rennen gebliebenen Gemeinden, also auch jenen der andern beiden Perimeter. Das Leitbild, das als Nächstes auszuarbeiten ist (1. Teilphase der Ausarbeitungsphase) soll denn auch für alle drei Perimeter Gültigkeit haben. «Wenn es nur ein Leitbild gibt», kritisierte Ernst Schweizer, «darf man nicht mit drei Perimetern arbeiten – dann gehören alle in den gleichen Topf.»

Schweizer stiess sich daran, dass es ihm als Oberentfelder Stimmbürger einstweilen nur möglich ist, im eigenen Perimeter Aarau – Oberentfelden – Unterentfelden Einfluss zu nehmen, nicht aber aufs Ganze. Das Problem verdeutlichte er mit einem Beispiel: «Wenn ich sicher sein will, dass ich nicht mit Suhr fusionieren muss, muss ich Nein sagen.»

Gestaffelt abstimmen?

Am Ende des ganzen Prozesses, wohl im Jahr 2020, werden die beteiligten Gemeinden an der Urne über den Fusionsvertrag entscheiden. Wie dieser aussieht, ist noch völlig offen. Projektleiter Marco Salvini versuchte aufzuzeigen, wie sich dannzumal Ernst Schweizers Problem lösen liesse.

Laut Salvini ist es denkbar, dass die einzelnen Perimeter gestaffelt abstimmen. Möglich sei aber auch ein Fusionsvertrag, der alle Eventualitäten in den andern Perimetern mit einbeziehe. Ein solcher Vertrag würde also festhalten, was passiert, wenn die Gemeinden ausserhalb des eigenen Perimeters bei der Fusion ebenfalls mitmachen.

Klar ist vorerst: Wenn die Kredite für die Ausarbeitungsphase in zwei oder drei Perimetern gutgeheissen werden, nimmt vorderhand alles seinen vorgesehenen Gang. Gibt es hingegen nur in einem Perimeter ein Ja, muss das weitere Vorgehen beziehungsweise die Sinnfrage diskutiert werden. Oder, wie es Unterentfeldens Ammann Heinz Lüscher auszudrücken pflegt: Dann wird man «die Köpfe zusammenstecken» müssen.

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