Aarau
«Für meine Ziele habe ich immer gekämpft»: Habtom Teklai will in Aarau Wurzeln schlagen

Habtom Teklai und seine Tochter Ariana gehören zu den ersten Eritreern, die sich in Aarau einbürgern lassen wollen. Er kam im November 2008 in die Schweiz.

Daniel Vizentini
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Er hat nicht nur eine Flagge von Eritrea sondern auch eine überdimensional grosse Schweizerflagge.

Er hat nicht nur eine Flagge von Eritrea sondern auch eine überdimensional grosse Schweizerflagge.

Sandra Ardizzone

In die Schweiz wanderten in den letzten Jahrzehnten stets Wellen von Nationalitäten ein: Auf die Italiener folgten Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien, darunter zuletzt die Kosovo-Albaner. Zwischendurch waren es die Deutschen, ab 2005 dann vor allem die Eritreer. Weil man nach zwölf Jahren Wohnsitz in der Schweiz ein Gesuch um Einbürgerung stellen kann, erscheinen nun die ersten Menschen aus Eritrea auf den Einbürgerungslisten der Gemeinden.

Zu den ersten Eritreern, die sich in Aarau einbürgern lassen wollen, gehören Habtom Teklai, 33, und seine Tochter Ariana, die vor erst acht Monaten geboren wurde. Ehefrau Liela darf noch nicht, weil sie vor erst vier Jahren in die Schweiz kam.

Von Beginn an ein treuer Aarauer

Als Habtom Teklai aus seinem Dorf in Eritrea, rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Asmara entfernt, flüchtete, war er knapp 20 Jahre alt. Im November 2008 kam er in die Schweiz und lebte von Beginn an in Aarau, zwischendurch im Flüchtlingsheim im Buchser Torfeld und kurz in Dottikon, bis er die definitive Aufenthaltsbewilligung bekam und arbeiten durfte. In der Hinteren Vorstadt konnte er sich damals eine kleine Wohnung mieten. Die Lehre zum Coiffeur machte er in Baden bei Stephan Wassmer, die praktische Prüfung schloss er mit Note 5 ab. Aarau blieb er aber immer treu. «Hier gefällt es mir, hier wollte ich bleiben», sagt er.

Eine feste Stelle als Coiffeur fand Habtom Teklai nach der Lehre nicht, seit dreieinhalb Jahren arbeitet er als Lagerist bei Weco Feuerwerk in Birr und Walterswil. «Momentan haben wir besonders viel zu tun, da die Weihnachtsverkäufe schon begonnen haben», sagt er. Zwischen Arbeit und Familie mit neugeborener Tochter bleibt gerade nicht viel Zeit. Habtom Teklai ist aber sehr zufrieden mit dem, was er heute hat und was er alles erreichen konnte. «Es ist ein grosser Unterschied zwischen damals, als ich in die Schweiz kam, und jetzt», sagt er. «Ich habe immer gekämpft, um meine Ziele zu erreichen.»

In Eritrea hatte Habtom Teklai ein Wirtschaftsstudium begonnen. In der Schweiz machte er bedacht und diszipliniert alles, was er machen musste, um sich eine Existenz aufzubauen: Er schloss die Ausbildung ab, die er bekam, macht seine heutige Arbeit zuverlässig und konnte nun eine Familie gründen.

Schweizer werden: Warum denn?

Wäre die Einbürgerung jetzt als Krönung seines Fleisses zu verstehen, oder warum will er gerne Schweizer werden? «Diese Frage kommt immer», sagt er als Erstes. Die Antwort ist aber simpel: «Ich fühle mich wohl hier in der Schweiz und denke, es ist für meine Familie gut, wenn wir Schweizer werden.»

Die Sprach- und Wissenstests sowie das Interview mit der Einbürgerungskommission hat Habtom Teklai bereits erfolgreich hinter sich. «Da war alles in Ordnung. Es war ganz locker, ich bekam ja auch genug Zeit zum Lernen.» Schwieriger war eher, eine aktuelle Geburtsurkunde in Eritrea zu organisieren: Er darf nicht dorthin reisen, seine Verwandten hat er seit 13 Jahren nicht mehr gesehen.

«Eine Aargauer Flagge habe ich auch»

Zum Glück seien Geburtsurkunden dort Sache der Kirchen, bei der Regierung musste er nicht anfragen. Geholt hat sie schliesslich die Familie seiner Ehefrau. In Eritrea stellen Christen etwa zwei Drittel der Bevölkerung, die meisten sind orthodox, wie auch Habtom und Liela Teklai. «Sie ist aber ein bisschen gläubiger ich», sagt er.

In ihrem Aarauer Wohnzimmer hängen Bilder von Jesus und Maria, aber auch eine Flagge von Eritrea. Kommt demnächst ein Schweizer hinzu? «Die habe ich tatsächlich schon», sagt er, und holt eine überdimensionierte Schweizer Flagge hervor. «Eine Aargauer Flagge habe ich auch.» Hat er Angst, dass sein Einbürgerungsgesuch in Aarau abgelehnt werden könnte? «Hauptsache, ich habe es probiert», sagt Habtom Teklai.