Bez Gränichen (2)
«Für die Schüler ist der Wechsel doof»

Debora Hauri gehört zu den letzten Schülern der Bez Gränichen. Die angekündigte Schliessung war für sie und ihre Klassenkameraden umständlich. Bald beginnt für sie die Erwachsenenzeit – ohne Finkenpflicht.

Katja Schlegel
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Bald wird aus der Bezlerin Debora Hauri eine Lehrtochter.Chris Iseli

Bald wird aus der Bezlerin Debora Hauri eine Lehrtochter.Chris Iseli

Chris Iseli/AZ

Debora Hauri huscht in weissen Socken durchs Bez-Schulhaus. Man dürfe in den Schulzimmern keine Schuhe tragen und sie habe keine Finken da, sagt sie, als sie die erstaunten Blicke sieht.

Debora ist 14 Jahre alt und kommt in zwei Wochen aus der Schule. «Endlich», sagt sie. Endlich ein neues Umfeld, endlich ein Schritt ins Erwachsenenleben, endlich Lohn. Der Schul-Blues hat sie nach neun Jahren fest im Griff, kein bisschen Wehmut verspüre sie. «Ich bin hier immer gern zur Schule gegangen, aber irgendwann reicht es. Ich will endlich auf meinen eigenen Füssen stehen.»

Langer Schulweg und neue Lehrer

Ade, Bez Gränichen Ende Schuljahr wird die Bezirksschule Gränichen nach 126 Jahren geschlossen. In einer losen Serie kommen in den nächsten Wochen aktuelle und ehemalige Bez-Schüler verschiedener Generationen zu Wort, die sich an ihre Schulzeit erinnern. (az)

Ade, Bez Gränichen Ende Schuljahr wird die Bezirksschule Gränichen nach 126 Jahren geschlossen. In einer losen Serie kommen in den nächsten Wochen aktuelle und ehemalige Bez-Schüler verschiedener Generationen zu Wort, die sich an ihre Schulzeit erinnern. (az)

zvg

Und sonst? «Für die verbleibenden Schüler, die ab Sommer nach Suhr müssen, ist die Schliessung doof. Nicht nur wegen des weiteren Schulwegs, auch wegen der neuen Lehrer.» So dauere es doch bei jedem Lehrerwechsel eine Zeit, bis man sich an den Unterrichtsstil gewohnt habe.

«Jeder Lehrer stellt andere Anforderungen, jeder macht ganz andere Prüfungen.» Das habe sie selber erlebt, als die Standortschliessung bekannt wurde und einige Lehrer kündigten. «Wir haben für unser letztes Schuljahr noch neue Lehrer bekommen, das war nicht lustig.»

Deboras Höhepunkt ihrer Bez-Karriere war das letztjährige Klassenlager in Neuchâtel: «Wir hatten ein Haus mit direktem Blick auf den See», schwärmt sie. Und auch für die Klasse sei das Lager eine gute Sache gewesen. «Der Zusammenhalt war richtig gut.» Sonst habe es damit ja etwas gehapert.

Die 21 Schüler, davon fünf Buben, seien in verschiedene Grüppchen aufgesplittet, die nicht viel miteinander zu tun haben. In ihrem Grüppchen habe sie gute Freundinnen, sagt Debora. Ewige Treue über die Schulzeit hätten sie einander aber nicht geschworen. «Wir wissen alle, dass solche Versprechen nicht halten. Nach der Schule werden wir uns aus den Augen verlieren. Von der Klasse werde ich nicht viele vermissen.» Das sage übrigens nicht nur sie, sondern auch die anderen.

Lehre nach den Ferien

Nach den Sommerferien beginnt Debora ihre KV-Lehre bei einer Krankenkasse. «Ich habe Respekt vor der Umstellung mit Arbeiten und Berufsschule, aber ich freue mich wahnsinnig auf den neuen Lebensabschnitt.» Bevor es aber so weit ist, steht noch der letzte Schultag an. Und da wird Deboras Klasse – auch wenn sie sonst ganz anständig seien, wie sie sagt – ordentlich auf den Putz hauen.