Aarau
Für bessere Fischgängigkeit und mehr Laichplätze: Kanton will die Suhre neugestalten

Die Sohlengleite bei der Suhre in Aarau soll neu gestaltet werden. Kosten düfte das Projekt den Kanton mindestens eine Viertelmillion Franken.

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Die Sohlengleite in der Suhre, kurz vor der Einmündung in die Aare, soll auch von kleinen Fischen überwunden werden können.

Die Sohlengleite in der Suhre, kurz vor der Einmündung in die Aare, soll auch von kleinen Fischen überwunden werden können.

Katja Schlegel

Dort, wo die Suhre in die Aare mündet, befindet sich der wohl bedeutendste Laichplatz der Nase – eine Fischart, die noch vor 40 Jahren als eine der häufigsten in der Schweiz galt und heute vom Aussterben bedroht ist. Eine Sohlengleite – eine Art mehrstufige Schwelle aus Beton, Steinen oder Holzbalken quer zur Flussrichtung – stellt dort umfangreiche Laichplätze für die Nase und andere Fischarten wie etwa die Barbe oder den Lachs sicher. Beim Bau der Staffeleggstrasse in den 2000er- Jahren (die Eröffnung war 2010) wurde oberhalb der Mündung der Suhre in die Aare eine Blockrampe errichtet, die diese Laichplätze ermöglichte. Zuvor gab es dort ein regelrechtes Wehr von etwa zwei Meter Höhe.

Zehn Jahre später nun haben Um- und Ablagerungen die Höhenunterschiede der verschiedenen Schwellen vergrössert, teilweise auf über 20 Zentimeter. Kleine oder schwimmschwache Fische kommen kaum noch die Suhre hinauf. Laut Bruno Schelbert, Projektleiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton, haben sich auch die Anforderungen an die Fischgängigkeit in der Zeit verändert. «Nicht nur grosse, sondern auch kleine Fische sollen eine Chance haben, über die Schwellen zu kommen», sagt er. Auch die Nase käme heute «nur bei gewissen Wasserständen hinauf».

Genaue Kosten sind noch nicht bekannt

Angaben zu den Kosten gibt es noch keine. Dass das Projekt als ein offenes Verfahren öffentlich ausgeschrieben wurde, deutet aber darauf hin, dass es mindestens eine Viertelmillion Franken kosten wird – so hoch ist die Preisschwelle, die solche Verfahren obligatorisch macht.

Laut dem Projekt, das derzeit aufliegt, wird die Blockrampe vollständig abgebrochen und durch eine neu gestaltete Sohlengleite ersetzt. Das Gefälle wird deutlich tiefer, der Wasserspiegel oberhalb der Sohlengleite gesenkt und so die Flussdurchlässigkeit verbessert, was höhere Fliessgeschwindigkeiten mit sich bringen wird.

Oberhalb der Sohlengleite wurde die Suhre im Rahmen des Baus der Staffeleggstrasse als ökologische Ausgleichsmassnahme bei der Kläranlage aufgeweitet. Auflagerungen haben auch die dortige kleine Bucht aufgeschüttet. Sie ist heute dick mit Sträuchern und Kräuter bewachsen, laut Projektauflage von gebietsfremden Pflanzen «stark dominiert». Nun soll dieser Bereich wieder an das Fliessgewässer angeschlossen werden. So wird zusätzlicher Gewässerlebensraum geschaffen. Die kleine Bucht wird zusätzlich aufgeweitet und der Fussweg am westlichen Ufer auf einer Länge von etwa 60 Metern in Richtung Kläranlage verlegt, damit so wenig gerodet werden muss wie nötig. Zur Lenkung der Strömung sollen Baumstämme oder Wurzelstöcke vom Ufer aus ins Wasser ragen.

Bauarbeiten, solange Fläche bei der Kläranlage frei ist

Mit dem Bau könnte es ab Sommer 2021 losgehen. Geeignet wäre von Juli bis September, wenn die Suhre weniger Wasser trägt. Hauptlaichzeit der «Nase» ist im April und Mai. Zudem soll das Wasserufer über die Landfläche neben der Kläranlage erschlossen werden können. Dort hat die Eniwa Bauarbeiten vor: Für eine Querung der Suhre für den Fernwärmeverbund Buchs/Aarau Rohr lag kürzlich ein Baugesuch auf. Der Kanton will deshalb mit dem Bau loslegen, solange die Fläche noch frei ist.

An der Suhre in Buchs und Suhr wollte die Eniwa (damals IBAarau) einst fünf Kleinwasserkraftwerke bauen, scheiterte aber an Einwänden von mehreren Umweltverbänden und am Schluss auch an der Wirtschaftlichkeit. Heute steht die komplette Fischdurchgängigkeit der Suhre im Fokus, als Teil eines grösseren Gewässernetzes von der Aare bis zum Sempachersee.

Aktuelle Nachrichten