Erlinsbach
«Funktionierender Wettbewerb ist der beste Preisüberwacher»

Aus der Bundeshauptstadt ins Kulturzentrum Wygärtli: Stefan Meierhans erklärte, was er als Preisüberwacher tun kann und was nicht.

Markus Christen
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Stefan Meierhans im «Wygärtli»mch

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Markus Christen

2796 Anzeigen aus der Bevölkerung hat Stefan Meierhans im letzten Jahr erhalten. Gut möglich, dass eine aus Erlinsbach darunter war. An seinem Vortrag im vor drei Jahren gegründeten Kultur- und Begegnungszentrum Wygärtli in Erlinsbach sassen dem Eidgenössischen Preisüberwacher, der seit fünf Jahren im Amt ist, jedenfalls äusserst interessierte Zuhörer gegenüber.

Unter den 2796 Anzeigen waren tatsächliche und nur vermeintliche Fälle einer missbräuchlichen Preispolitik. Dieser direkte Kontakt zu den Konsumenten, sagt Stefan Meierhans, sei ein Charakteristikum der hiesigen staatlichen Preisüberwachung. Die schweizerische ist demokratisch geprägt.

Höhere Sandwichpreise sind okay

«Allerdings», so Meierhans, «greift der Preisüberwacher nur dann ein, wenn die Preise nicht das Resultat eines wirksamen Wettbewerbs sind.» Der Energiemarkt, die Wasserversorgung oder Medizinalkosten fallen etwa in seinen Einflussbereich. Für die Anzeige eines Arbeitnehmers allerdings, führt der Preisüberwacher exemplarisch aus, der sich über die gestiegenen Sandwichpreise einer Bäckerei beschwerte, könne er sich nicht engagieren.

Aktiv wurde der Preisüberwacher hingegen im Fall der Fluggesellschaft Swiss, die für Flüge von Zürich nach Brüssel sehr hohe Preise verlangte. Einerseits senkte die Swiss auf Druck des Preisüberwachers die Preise. Erreicht werden konnte auch, dass die Fluggesellschaft Easyjet nicht mehr nur ab Genf, sondern auch ab Basel nach Brüssel fliegt und damit die Schaffung einer effektvollen Konkurrenzsituation. Inzwischen beschäftigen sich Meierhans und seine 20 Mitarbeiter mit Flughafengebühren, die der Grund sind, weshalb Easyjet nicht auch ab Zürich nach Brüssel fliegt. So führt für den Preisüberwacher eines zum nächsten.

Skepsis gegenüber Preisüberwacher

Meierhans gab spannende Einblicke in seine tägliche Arbeit. Sein Auftritt ist Teil einer überparteilichen Veranstaltungsserie, wobei jede der vier Ortsparteien in Kooperation mit dem Trägerverein Wygärtli einen Referenten nach ihrer Wahl zum Politapéro ins ehemalige Restaurant Wygärtli bringt. Der Preisüberwacher folgte am Samstag der Einladung der CVP, der er selber angehört.

Daraus folgerte keineswegs, dass sich Meierhans in der Fragerunde nur mit seinesgleichen unterhielt. Einige der knapp 50 Zuhörer brachten ihre Skepsis gegenüber der Instanz des Preisüberwachers zum Ausdruck und hinterfragten deren Wert innerhalb einer liberalen Gesellschaft. Ob es nicht einer Bankrotterklärung hinsichtlich der Selbstregulierung eines marktwirtschaftlichen Systems gleichkomme, wenn man einen Preisüberwacher einsetze, lautete eine der Fragen. «Ein funktionierender Wettbewerb ist der beste Preisüberwacher», antwortete Stefan Meierhans, «jedoch gibt es Marktbereiche, bei denen eine staatliche Regulierung nötig ist, um gegen Missbrauch vorzubeugen.»

Wohl konnte Meierhans in Erlinsbach nicht alle Skeptiker seiner Arbeit überzeugen, sein sympathischer und kompetenter Auftritt sorgte jedoch dafür, dass auch die Zuhörer mit den grössten Vorbehalten strikte zwischen Amt und Person unterschieden.

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