Buchs
Fünftklässler führen ihre Kollegen durchs Dorfmuseum

Im kleinen Nähatelier des Hauses sitzt Sandra. Sie trägt ein altes, weisses Kleid. Auf dem Tisch zwischen zwei Gaslampen liegt ein graues Stoffstück, weisse Spulen, hölzerne Lineale, Nadelkissen und alte Bügeleisen.

Daniel Vizentini
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«Min Hund het das Libli verrisse. Chönnt Sie das flicke?», fragt Johannes, der ein weisses Hemd trägt und ein weiteres in der Hand hält. «Sie sind doch scho gester mit einem kaputte Libli do gsi!», entgegnet Sandra. Die Rohrer Schüler der 5. Klasse von Jürg Hochstrasser schauen gespannt zu, wie ihre Kollegen der Klasse 5b von der Buchser Gysimatte ihnen das kleine Theater vorführen.

Wenige Meter nebenan in der Küche zeigt Jan die Küchengeräte von dazumal. Die verschiedenen Öfen zum Beispiel, darunter einer der ersten elektrischen, die es hierzulande gab. Im Kaffeemahlen von Hand mit einer kleinen, hölzernen Mühle dürfen sich die elfjährigen Schüler gleich selber versuchen. Kurze Zeit später stehen sie draussen in der Waschküche hinter dem Haus und erfahren von Gozal, wie man die Wäsche vor hundert Jahren von Hand wusch und trocknete.

«Kinder führen Kinder durchs Museum» heisst die Idee hinter dem Projekt der fünften Klasse von Lehrerin und Museumspädagogin Brigitte Poffa. «Jede Gruppe bekam von mir einen Raum zugeteilt. Danach haben sie selbstständig erarbeitet, was sie zeigen wollten», sagt sie. Die Kinder zeigten so auch eher jene Dinge, die sie selber interessieren. Nicht etwa die Holzeigenschaften der alten Kommoden, sondern deren versteckte Schubladen. Einige Schüler nutzten die Gelegenheit und erfanden kleine Sketches, mit denen sie ihren Kollegen das Leben von damals zeigten.

Die Fächer Deutsch und Geschichte wurden verbunden und die Schüler konnten sich auch gleich in Auftrittskompetenz üben. Dazu brachten sie frisches Leben in das dem Schulhaus Gysimatte gegenüberliegende Dorfmuseum. Museumsführer Peter Hilfiker zeigte sich erfreut und hatte keine Angst, dass etwas kaputt gehen könnte. «Sehr zerbrechliche Dinge habe ich versorgt, aber die Kinder sind sehr sorgfältig», sagte er.

In der Ausstellung erfährt man, wie in den letzten 200 Jahren gelebt und gehaushaltet wurde und wie sich Buchs entwickelte. Am internationalen Museumstag Ende Mai machen die Schüler eine öffentliche Führung durch das Dorfmuseum.