AZ-Serie
Fünf Wochen vor dem Abzug der Infanterie: «Aarau wird mir immer in Erinnerung bleiben»

Am Mittwoch, 20. September, wird sich die Infanterie aus Aarau verabschieden. Und mit ihr die Soldaten, Rekruten und Gefreiten. Im ersten Teil einer neuen AZ-Serie erzählen sie, wie sie die Stadt erlebten.

Jakob Weber (Text und Fotos)
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Die Soldaten der Infanterie in Aarau werden die Stadt vermissen
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Martin Bott (19), Landwirt, Valchava GR, 25. RS-Woche, Soldat «Mir als Bündner fehlen in Aarau natürlich die Berge. Zudem gibt es hier viel zu viel Verkehr. Trotzdem freue ich mich nicht gerade auf den Umzug nach Birmensdorf. Wir müssen alles packen und viele Kisten schleppen. Ich würde meine RS lieber in Aarau beenden.»
Moreno Zanolari (20), Forstwart, Poschiavo GR, 25. RS-Woche, Soldat «Ich verdiene im Militär monatlich 1800 Franken. Dazu kommt der tägliche Sold von fünf Franken. Das meiste davon kann ich sparen. Geld brauche ich nur am Wochenende zu Hause. In Aarau bleiben lediglich die 30 bis 50 Franken, die ich donnerstags für das Essen in der Stadt ausgebe.»
Cédric Metzger (21), Kaufmann, St. Gallen, 44. RS-Woche Obergefreiter «Aarau ist ein nettes sympathisches Städtchen mit schöner Atmosphäre. Gut ist vor allem, dass die Kaserne so nah am Zentrum liegt. Trotzdem habe ich bis auf die Badi bisher nicht so viel entdecken können. Dazu fehlt mir dann doch meistens die Zeit.»
Tizian Cantieni (21), Landwirt, Donat GR, 43. RS-Woche, Gefreiter «Die Meter-Pizza im ‹La Caverna› oder der Kilo-Burger im ‹Meat’s› sind bombastisch. Wegen der grossen Portionen und weil der Weg von der Kaserne zum guten Essen nicht weit ist, bin ich immer satt geworden. Das wird nach dem Umzug nach Birmensdorf anders sein.»
Quentin Pellaton (20), Student, Prez-vers-Siviriez FR, 9. RS-Woche, Rekrut «Ich war vor der RS noch nie in Aarau. Doch ich mag es hier. Vor allem die vielen schönen Frauen. Mein Kollege Henry nutze seinen Ausgang schon für drei Dates. Sein Vorteil: Er ist im Gegensatz zu mir zweisprachig. Selber habe ich mich noch nicht getraut, eine Aarauerin auszuführen.»
Gian Derungs (21), Schreiner, Degen GR, 43. RS-Woche, Gefreiter «Ich war vorher nie in Aarau und wusste auch nichts über die Stadt. Jetzt wird mir für den Rest meines Lebens in Erinnerung bleiben, dass ich hier in Aarau als Infanterist unglaublich viel Lebenszeit vergeudet habe. Selbstständiges Arbeiten liegt mir wohl eher als die eintönigen und langweiligen Abläufe im Militär.»
Silvan Oertig (20), Landmaschinenmechaniker, Weinfelden TG, 9. RS-Woche, Rekrut «Unseren ersten Ausgang in Aarau werde ich nie vergessen. Wir haben mit 40 Leuten das Restaurant Altstadt quasi eingenommen und Biere gekippt, als gäbe es kein Morgen. Leider müssen wir uns mit dem Trinken immer beeilen, da wir selbst an einem langen Ausgang spätestens um 23:30 Uhr wieder in der Kaserne sein müssen.»
Stefan Röllin (20), Landwirt, Bischofszell TG, 9. RS-Woche, Rekrut «Ich spiele Waldhorn und habe mich als Musikant freiwillig für den Militärdienst entschieden. Sogar einen Aufnahmetest musste ich bestehen. Wir Militärmusikanten haben es von allen Rekruten wohl am besten. Da wir kein Gewehr bekommen, müssen wir auch nicht auf den Schiessplatz. Auch finanziell bin ich zufrieden. Etwa 1000 Franken überweise ich monatlich auf mein Sparkonto.»
Thomas Perroud (20), Geomatiker, Chatel-St.-Denis FR, 9. RS-Woche, Rekrut «Ich war 2007 beim Eidgenössischen Schwingfest zum ersten Mal in Aarau, kann mich aber nicht daran erinnern. Wir Rekruten lieben an Aarau vor allem das ‹Pickwick›. Da möchte ich gern ein bisschen Werbung machen. Im Ausgang sind wir Romands gerne unter uns, in der Kaserne gibt es aber keinen Röstigraben.»

Die Soldaten der Infanterie in Aarau werden die Stadt vermissen

Jakob Weber

Mit einer Feier und einem kleinen Defilee wird die Infanterie verabschiedet. Am 3. oder 4. Oktober findet in der Kaserne die Wachauflösung statt. Dann wird es ruhig im historischen Trakt an der Laurenzenvorstadt.

In Zahlen: Im Moment leisten insgesamt 620 Personen in Aarau Militärdienst. Davon knapp 80 als Militärmusiker. Sie werden bleiben. 546 Infanteristen (Durchdiener und Militärpolizei-Grenadiere) verlassen die Kaserne Aarau. Die meisten in Richtung Birmensdorf (ZH), in die Kaserne Reppischtal.

Was geht in Aarau verloren, wenn die Füsel nicht mehr da sind? Wie erleben die Soldaten die Stadt? Was machen sie im Ausgang? Die AZ war nach dem Hauptverlesen in den Gassen und befragte «Grüne» aus der ganzen Schweiz. Fazit: Aarau wird nicht nur gute Konsumenten, sondern auch Ausstrahlungskraft verlieren.