Aarau

«Füürio, de Bach brönnt ...»: Die schönsten Bilder vom Bachfischet

Wenn das Bachfischet-Lied erklingt, herrscht in Aarau Ausnahmestimmung. So auch am Freitagabend, als die zahlreichen Schulkinder mit ihren selber gefertigten Laternen Licht in die herbstliche Finsternis der Altstadt-Gassen brachten.

Es ist Jahr für Jahr ein besonderer Moment: Ins Stimmengemurmel Tausender von Zuschauerinnen und Zuschauern, welche die Altstadtgassen säumen, mischen sich, immer lauter werdend, zahllose Kinderstimmen: «Füürio, de Bach brönnt ...» Und dann bricht der Umzug mit voller Wucht durch die Tore und erfüllt die herbstliche Finsternis mit dem geisterhaft vorbeiwogenden Licht der Laternen.

Der Bachfischet-Umzug ist eine Urgewalt, die Auge und Ohr fasziniert und den am Strassenrand Stehenden mitunter auch den Hauch eines Schauderns über den Rücken treibt. Oder, wie sich Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech diese Woche an der «Geburtstagsfeier» für den dreijährigen Mandelgebäck-«Bachfisch» des Töpferhauses (siehe nachfolgende Box) ausdrückte: Wenn das «Füürio, de Bach brönnt» naht – ja, dann «tschuderets» einen schon ein wenig.

Am Freitagabend war es nicht anders. Wobei mehr als auch schon auffiel, dass zunehmend neue Technologien anstelle der guten alten Kerze zum Einsatz kommen, die einerseits von Originalität zeugen, andererseits jedoch ein kaltes Licht verbreiten, das der magischen Stimmung – zumindest im traditionellen Sinn – nicht unbedingt zuträglich ist.

Die Heinerich-Wirri-Zunft, die sich seit bald 100 Jahren um den Bachfischet kümmert, bezeichnet diesen als «ältesten, dauernd gelebten Brauch der Schweiz». Der Bachfischet hat seinen Ursprung im «Rumen» und Ausfischen des Stadtbachs, zu dem vor Jahrhunderten die wehrfähigen Bürger einmal pro Jahr in Fronarbeit verpflichtet waren.

Im Aarauer Ratsmanual von 1526, im Protokoll vom 3. September, wird die in der Regel vier Tage dauernde Bachreinigung erstmals erwähnt. Zuvor wurde der Bach natürlich jeweils ausgefischt. Ab einem Zeitpunkt, der sich historisch nicht genau festmachen lässt, machte sich die Aarauer Jugend einen Spass daraus, voller Übermut und Ausgelassenheit die frischen Wellen der einst wichtigen Lebensader abzuholen und in die Stadt zu begleiten.

Belegt ist dieser Auszug wenigstens seit dem 19. Jahrhundert. Aus dem Auszug wurde ein Umzug und der Stadtbach ist längst vielerorts überdeckt und deshalb nicht mehr zu sehen. Auch ist die Bürgerschaft von der Fron entbunden. Die «Bachputzete» besorgen die beiden Werkhöfe von Aarau und Suhr.

Der Lichterumzug der Schulkinder mit ihren selber gefertigten Laternen durch die verdunkelte Stadt findet jeweils im September, am zweitletzten Freitag vor den Herbstferien statt. In seiner heutigen Form hat der Brauch Eingang gefunden in die Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz, die das Bundesamt für Kultur erstellen liess.

Zuständig für das Führen der im März 2017 letztmals aktualisierten Liste ist eine Projektsteuerungsgruppe, die aus den Eingaben der Kantone auswählt. Der Kanton Aargau hat daher vor sieben Jahren, zusammen mit dem Kanton Solothurn, das bikantonale Projekt «Lebendige Traditionen» ins Leben gerufen. Drei Jahre später lag die Liste der beiden Kantone vor. Zudem mündete ihr Projekt in eine Ausstellung im Alten Spital in Solothurn und in eine Buchpublikation, für welche ebenfalls Projektleiterin Karin Janz zuständig war.

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