Aarau

«Für mutiges, zukunftsgläubiges Aarau» – die Reaktionen auf die Abstimmung zur Alten Reithalle

Mit 60,7 Prozent genehmigte das Aarauer Stimmvolk einen Kredit von 20,45 Millionen Franken für das multifunktionales Kulturhaus «Alte Reithalle». Wie die Abstimmungssieger und -verlierer auf das Ja zum Kulturprojekt reagierten.

Die Party der Sieger. Bé Wegmann von den «Freunden der Alten Reithalle» freut sich vor der bröckelnden Fassade ebendieser Halle über das Ja für «ein mutiges, kulturell interessiertes, zukunftsgläubiges Aarau». Alt Stadtpräsident Marcel Guignard erinnert daran, dass Aarau noch zu seinen Zeiten den Zuschlag für die Mittlere Bühne erhalten hat. Aber: «Die finale Ausgestaltung des Projektes, wie sie jetzt mehrheitsfähig war, ist in den letzten vier Jahren passiert.»

Konkret 2014, als das Argovia Philharmonic dazukam. Dessen Intendant Christian Weidmann trat mit der Idee der Integration des Orchesters an die Stadt heran. «Das war der entscheidende Schritt», erklärte gestern Hanspeter Hilfiker, damals Kulturminister, heute Stadtpräsident.

Für Jürg Schärer, Präsident des Argovia Philharmonic, ist die Alte Reithalle ein entscheidender Schritt, damit sich das Orchester steigern kann: «Dafür brauchen wir optimale akustische Voraussetzungen. Das haben wir hier.» Schärer verriet, dass von den anvisierten Sponsorengeldern von fünf Millionen Franken nicht einmal mehr 500 000 Franken fehlen. «Es ist ein grossartiges Erlebnis, in dieser Stadt Menschen zu finden, die nicht nur Geld haben, sondern auch bereit sind, etwas Sinnvolles damit zu machen», so Schärer. Alleine aus dem Kreis der Konzertbesucher des Argovia Philharmonic wurden bis heute über 300 000 Franken zugesagt.

Ohne eine Partei zu nennen, erklärte Schärer an die Adresse der Abstimmungsverlierer: «Es ist eine Genugtuung, dass eine unredliche Kampagne nicht zum Ziel führt.»

«Weite Teile kritisch eingestellt»

Die SVP war die einzige Partei, die gegen den 20,45-Millionen-Kredit kämpfte. Die 39,2 Prozent Nein-Stimmen seien «ein sehr grosser Achtungserfolg», findet Fraktionschefin Susanne Heuberger. Bei Wahlen erreicht die SVP in der Regel etwa 20 Prozent. Bei der Alten Reithalle fand sie also über ihre Partei hinaus Unterstützung. Für Susanne Heuberger ist klar: «Weite Teile der Bevölkerung sind dem Projekt gegenüber kritisch eingestellt.» Und: «Es ist nicht die Euphorie da, wie sie in den letzten Wochen vom Stadtrat, dem Pro-Komitee und der Presse suggeriert worden ist. Die AZ war unausgewogen, einseitig unterwegs.»

Für den Stadtrat ist nicht nur der Ja-Stimmen-Anteil von über 60 Prozent, sondern auch die hohe Stimmbeteiligung sehr erfreulich. «Das Ja ist die Chance, ein einzigartiges Projekt umzusetzen und damit ein sehr breites Publikum anzusprechen», erklärte Stadtrat Daniel Siegenthaler. Und: «Mit diesem Entscheid ist ein erster Punkt gesetzt für die Entwicklung des Kasernenareals – ohne, dass etwas präjudiziert wird.»

Die Alte Reithalle wird künftig stark vom Argovia Philharmonic genutzt. Daneben wird es Theater- und Tanzaufführungen geben und die Halle soll ein Ort für den modernen Zirkus sein. An die Umbaukosten muss die Stadt Aarau 7,75 Millionen Franken beisteuern. Baubeginn soll im Juni 2019, Eröffnung im Oktober 2020 sein.

Meistgesehen

Artboard 1