Es war erwartungsgemäss keine Schlacht, ja noch nicht einmal eine richtige Debatte. Nach nur 45-minütiger Beratung hat der Einwohnerrat Aarau gestern Abend um 19.58 Uhr in seltener Einhelligkeit Ja gesagt zum Kredit von 20,45 Millionen Franken für das Kulturprojekt «Alte Reithalle» (Theater, Tanz, Musik). Mit 40 zu 8 Stimmen bei einer Enthaltung (ein Pro-Aarau-Einwohnerrat war entschuldigt).

Noch nicht einmal die SVP, die sich seit je mit dem Vorhaben schwertut und auch schon erfolglos versucht hatte, ein Referendum zu ergreifen, stimmte geschlossen dagegen. Ihr bestgewählter Einwohnerrat, der pensionierte Kripo-Chef Urs Winzenried, votierte erwartungsgemäss dafür – allerdings ohne das Wort zu ergreifen. Im letzten Herbst, im Wahlkampf, hatte Winzenried erklärt, er unterstütze das Projekt, «weil dadurch die kulturelle Attraktivität und die Ausstrahlung der Kantonshauptstadt erhöht werden können».

«Finanzielles Risiko für Stadt»

Gemäss dem stadträtlichen Kreditantrag kostet der Umbau der ehemaligen Kavallerie-Reithalle 20,45 Millionen Franken. 5 Millionen Franken sollen Private beisteuern: 3 Millionen hat die Aargauische Kantonalbank versprochen, weitere 1,1 Millionen sind ebenfalls schon zugesichert. Den Rest teilen sich Kanton und Stadt, sodass auf Aarau letztlich 7,725 Millionen Franken entfallen.

Ein Betrag, den sich die Stadt in den Augen der SVP nicht leisten kann. Es gehe um «ein absolutes Wunschprojekt», erklärte SVP-Sprecher Jürg Schmid. Er wies auf unkalkulierbare Risiken hin. Etwa im Bereich der Akustik. Wenn beim Bau Mehrkosten entstünden oder der Unterhalt später höher sei als budgetiert, müsse dies die Stadt übernehmen. Kritisiert wurde auch der zeitliche Ablauf: Die Reithalle müsse zwingend in die Gesamtplanung Kasernenareal miteinbezogen werden, betonte Jürg Schmid. Die SVP betrachte es als Sündenfall, in einem Teilbereich des Areals Fakten zu schaffen.

Das waren die einzigen kritischen Worte zum Geschäft «Alte Reithalle». Die übrigen Referenten lobten das Kulturprojekt. «Die Stadt Aarau kann mit diesem Projekt viel Strahlkraft gewinnen, erklärte SP-Sprecherin Ursula Funk. Yannick Berner betonte namens der FDP, es handle sich um «ein ausgereiftes und durchdachtes Projekt». Für den Grünen-Sprecher Gérald Berthet ist angesichts der erfolgreichen Sommernutzung klar: «Diese Halle hat den Praxistest schon bestanden.» Und Peter Roschi (CVP) wies auf den Miteinbezug des Argovia Philharmonic hin: «Dieses Orchester hat es verdient, einen würdigen Konzertsaal mit einer hervorragenden Akustik zu bekommen.»

Volksabstimmung am 10. Juni

«Das ist ein einzigartiges Projekt für die Stadt Aarau», fasste Kultur-Stadtrat Daniel Siegenthaler (SP) die Stimmung im Saal zusammen. Nach dem klaren Einwohnerratsentscheid von gestern Abend dürften es die Gegner im Abstimmungskampf vor dem Urnengang am 10. Juni schwer haben. Dies umso mehr, als sich bereits ein finanzkräftiges Komitee «Freunde Alte Reithalle Aarau» gebildet hat, das für ein Ja Werbung machen will. Ihm gehören viele Personen aus dem Kulturbereich an.