Liebesgeschichte

Für die Miss aus Saigon ging in Buchs ein Traum in Erfüllung

Tran Nguyen und Partner Cyrill Hess vor ihrem «Swiss Saigon» in Buchs.

Tran Nguyen und Partner Cyrill Hess vor ihrem «Swiss Saigon» in Buchs.

Mit Flipflops ist Tran Nguyen 2005 in Zürich gelandet. Nun hat sie im Aargau ihre Liebe gefunden und ihren Imbisswagen eröffnet.

Nicht einmal richtige Schuhe besass sie, als das Flugzeug mit Tran Nguyen in Zürich aufsetzte. Und deutsch konnte die 22-jährige Vietnamesin sowieso nicht, als sie bei der Passkontrolle ihr Touristenvisum vorzeigte. Doch Touristin, das war sie nie. Tran Nguyen ist für das grösste Abenteuer ihres Lebens gekommen: den Aufbau einer neuen Existenz.

Heute, 15 Jahre später, ist sie am vorläufigen Ziel ihrer Träume. «Ich wollte immer anderen Menschen mit vietnamesischem Essen eine Freude machen», erzählt sie vor ihrem vor zehn Wochen eröffneten Imbisswagen an der Buchser Rösslimattstrasse. 15 Jahre, nachdem sie in der Küche eines Take-aways in Zürich den ersten Schritt machte. Dank dem Arbeitsvertrag bekam sie ihre erste Aufenthaltsbewilligung. Aber sonst war die junge Tran auf sich selbst gestellt.

15 Jahre lang hat sie sich Schritt für Schritt hochgearbeitet

Aufgewachsen in der Millionenstadt Saigon machte sie die Berufsmatura und liess sich gerade zur Touristenführerin ausbilden, als sie beschloss, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Wie so viele vor und nach ihr, auf der Suche nach einem besseren Leben.

Der Anfang in der Schweiz war hart. Sie hat sich einen zweiten Job bei McDonald’s beschafft und sparte für ihren ersten Deutschkurs. Um noch mehr deutsch üben zu können, tauschte sie das vietnamesische Restaurant gegen einen Fabrikjob, absolvierte eine Lehre als Anlagenführerin. Und vor kurzem folgte sogar ein Abschluss als Technikerin HF Unternehmensprozesse. «Das war sehr anspruchsvoll, aber ich habe es geschafft», sagt die heute 37-Jährige stolz.

15 Jahre lang hat sie sich hochgearbeitet, Schritt für Schritt. Immer im Hinterkopf mit dabei war ihr Traum vom eigenen Restaurant. «Ich habe schon als Teenager viel Zeit mit meiner Mutter in der Küche verbracht.» Beinahe hätte sie vor fünf Jahren in Aarau eines übernommen. Das Wirtepatent war bestanden, die Flyer gedruckt, als der Deal in letzter Sekunde platzte. «Die Enttäuschung war riesig, doch ich wusste damals, dass ich mich zusammenreissen muss», erzählt sie. Rückblickend ist sie froh, dass es nicht geklappt hat. Denn deshalb ist sie zu ­Mibelle in Buchs arbeiten gegangen.

Bei Mibelle hat Tran Cyrill kennen gelernt

Dort lernte sie einen charismatischen Elektroingenieur kennen und lieben. Und dem 37-jährigen Cyrill Hess war nach 20 Jahren ohnehin nach einem Tapetenwechsel. Hess war deshalb bald überzeugt von ihrem grossen Traum, mit einer Einschränkung: «Ein Restaurant war mir zu riskant. Als Kompromiss einigten wir uns auf einen gut ausgebauten Imbisswagen», erzählt er.

Doch die Suche gestaltete sich schwierig. Sie hatten schon fast aufgegeben, als Hess zufällig vor einem Haus in der Ostschweiz einen Wagen erblickte: «Zu verkaufen». Sie schauten vorbei und waren überrascht, als sie eine freundliche Vietnamesin empfing. Der Wagen war genau das, was sie gesucht hatten. Und dann ging alles schnell: Stellplatz, Zulieferer, Businessplan. Cyrills Schwester baute eine schicke Website und seine Eltern halfen mit, während Tran Freunde bekochte, um herauszufinden, welche Hausrezepte ihrer Mutter ankommen.

Nun bieten sie werktags von 11 bis 15 Uhr sowie freitagabends sieben Menus an. Das Fleisch kommt aus Kölliken, das frische Gemüse aus Suhr. Die ersten Rückmeldungen sind toll, nicht nur Stammgäste, sondern auch erste Cateringaufträge haben sie bereits gewonnen. Beliebt sind das Curry und die Frühlingsrollen, täglich von Hand zubereitet. «Die Schweizer bestellen am liebsten, was sie kennen», sagen beide. Doch wer einmal Vertrauen gefasst hat, wagt sich auch an die weniger bekannten Rezepte. «Bereut hat es bis jetzt noch keiner», lacht Tran Nguyen. (mik)

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