Es geht vorwärts mit dem Neubau, den die Hirslanden Klinik Aarau an der Schachenallee plant. Im Mai hat die Projektierung begonnen; verantwortlich ist das Aarauer Architekturbüro Schneider & Schneider. In etwa zwei Jahren soll diese Phase abgeschlossen sein. Wenn alles glatt läuft, könnte der Neubau 2021 oder 2022 bezogen werden. Er kostet etwa 50 bis 70 Millionen Franken – Geld, das die Hirslanden-Muttergesellschaft Mediclinic (Südafrika) in Aussicht gestellt hat. «Man will in den Standort Aarau investieren», sagt Klinikdirektor Markus Meier.

Der Neubau ist einerseits nötig, weil die Klinik in den letzten Jahren stark gewachsen ist und weil zentrale Bereiche wie die Operationssäle erneuert werden müssen. Aber primär sollen mit dem Neubau Abläufe optimiert und Strukturen für ambulante Operationen geschaffen werden. Denn der ambulante Bereich gewinnt immer mehr an Wichtigkeit – «ambulant vor stationär» heisst das Credo, nicht nur bei der Hirslanden Klinik.

Das schlägt sich in den Patientenzahlen nieder: Im Geschäftsjahr 17/18 (April bis März) behandelte die Hirslanden Klinik Aarau zwar wieder über 10 000 stationäre Patienten, es waren aber leicht weniger als im Vorjahr. Die ambulanten Operationen nahmen hingegen stark zu. Zudem versorgte die 24-Stunden-Notfallstation 8172 Patienten. Meier: «Wir sind froh, dass sich hier eine Abflachung des zuvor starken Anstiegs zeigt.» Denn auch die Notfallstation der Hirslanden kommt mitunter an ihre Grenzen, seit immer mehr Leute keinen Hausarzt haben, an den sie sich bei Bagatellfällen wenden können.

Führend bei Erektionsproblemen

Einen starken Anstieg verzeichnete die Klinik im Bereich Angiologie – «Wir sind europaweit führend bei der Behandlung von Erektionsproblemen», sagt Markus Meier. Erfolgreich verlaufe weiterhin das Engagement von Lars Englberger und Thierry Carrel vom Inselspital Bern, die seit 2014 zusätzlich in Aarau operieren. Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Herzmedizin mit dem Kantonsspital hat die Hirslanden weiter ausgebaut. Bei den sogenannten TAVI-Eingriffen (Ersatz der Herzklappe mit einem minimal-invasiven Verfahren mit Zugang über die Leiste, ohne dass der Brustkorb geöffnet werden muss) ist die Hirslanden dank der Kooperation mit den KSA-Kardiologen eines der führenden Spitäler schweizweit.

Erstmals wurden im vergangenen Kalenderjahr mehr als 800 Babys in der Hirslanden Klinik Aarau geboren. Im Bereich Neonatologie setzt die Hirslanden seit Anfang 2018 auf eine enge Zusammenarbeit mit dem KSA, wo spezialisierte Neonatologen beschäftigt sind. «Es macht keinen Sinn, diese Strukturen doppelt aufzubauen», so Meier.

Der Case Mix Index, ein Messwert für den Schweregrad der behandelten Krankheitsfälle, ist im 2017 gestiegen. «Die Klinik behandelt somit im Durchschnitt die aufwendigsten Fälle im Kanton Aargau», so Meier. Und dennoch: «Wir sind eines der kostengünstigsten Spitäler der Schweiz.» Innerhalb der Hirslanden-Gruppe sei Aarau das effizienteste Spital. Allerdings nicht das rentabelste.

Das hängt damit zusammen, dass man sich bewusst als Zentrumsspital positioniert: Im Gegensatz zu den Anfängen als «AMI-Klinik» vor 30 Jahren machen heute Allgemeinversicherte den Hauptteil (50 Prozent) aller Patienten aus. Privatversichert sind nur 20 Prozent, halbprivat 30 Prozent.

Heute 870 Angestellte

Bei der Eröffnung 1988 zählte die Hirslanden Klinik Aarau 70 Mitarbeitende. Heute sind es über 870. Hinzu kommen rund 170 Belegärzte. Der Fachkräftemangel sei neben dem Kostendruck ein zunehmendes Problem, so Direktor Markus Meier. Er setzt deshalb seit seinem «Amtsantritt» vor einem Jahr stark auf interne Ausbildung.