Nach der grossen Kälte scheint endlich wieder die Sonne und ich mache mich auf zu einem Spaziergang. Es verschlägt mich in die Parkanlage der «Gönhardgüter». Zwischen Gärten, Bäumen, Seerosenbad und der Badeanlage, auch wenn sie zeitweise leider versperrt ist, kann der Kopf perfekt gelüftet werden und ich erfreue mich an der Schönheit, die sich um mich herum entfaltet.

Es fällt mir auf, dass ich meistens keinen Menschen antreffe, wenn ich mich in den Parkanlagen befinde. Vielleicht liegt es daran, dass diese umzäunt sind, die Villen als Büros genutzt werden und gar nicht so klar ist, dass es sich um einen öffentlichen Ort handelt, welcher der Bevölkerung zugänglich ist?

Die Stadt Aarau hat die Parkanlagen vor einigen Jahren mit Steuergeldern aufwendig saniert, diese zu einem Bestandteil ihres Freiraumkonzepts gemacht und den Stadtbewohnern und -bewohnerinnen so ein weiteres Erholungsgebiet erschlossen.

Ich stehe ganz oben bei der Francke-Villa und stelle mir ein grosses, öffentliches Picknick vor. Oder ein einfaches Open-Air-Kino im Sommer. Vielleicht einmal auch ein kleines Konzert bei der Müller-Brunner-Villa. Immerhin steht da das «Haus zur Musik».

Eine etwas aktivere Nutzung, sei es zum Spazieren, Picknicken, Spielen oder ab und an für eine Veranstaltung, wäre aus meiner Sicht wünschenswert – gerade auch, wenn sie von den Quartierbewohnern und Quartierbewohnerinnen vorangetrieben würde.

Weiter gehe ich Richtung Entfelderstrasse und komme direkt zum ehemaligen Gebäude der GastroSocial. Noch immer ist dieses der grösste Leerstand der Stadt Aarau. Ein Sorgenkind, mit dem sich die Stadt, aber auch einige Raumsuchende beschäftigen: Wie wäre es, das Gebäude mit Ateliers zu füllen, mit Werkstätten oder auch Wohnungen? Die Stadt setzt eher auf eine grosse Firma oder Institution, die das ganze Gebäude für sich mietet.

Medienberichten zufolge wird im Sommer ein Hort einen Teil des Gebäudes mieten und so die grosse Nachfrage im Quartier und in der ganzen Stadt decken. Eine wunderbare Nachricht für viele Familien, deren Kinder teilweise bis zu zwei Jahre auf Wartelisten stehen für einen Platz an einem Mittagstisch, in einer Krippe oder in einem Hort.

Gerade für Mütter, die im Berufsleben stehen oder solche, die wieder einsteigen möchten, wäre eine neue Krippe eine Wohltat. Frauen wird oft eine befriedigende Berufskarriere durch fehlende Strukturen verwehrt, das höre ich leider in meinem Bekanntenkreis allzu oft.

Nicht jede Familie verfügt über ein Netz, das sich um die Kinderbetreuung kümmern kann. Auch für die potenzielle neue Mieterschaft wäre diese Lösung attraktiv: Immer mehr Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen wollen ihren Mitarbeitenden auch die Möglichkeit geben, die Kinderbetreuung so einfach wie möglich zu gestalten.

So hat die Stadt «den Fünfer und das Weggli»: neue Betreuungsmöglichkeiten für das Quartier und ein attraktives Angebot für die neue Mieterschaft.

Es bleibt zu hoffen, dass das Hort-Projekt wirklich zustande kommt, angeblich stehen die vier Initianten und Initiantinnen und die Stadt noch in den letzten Verhandlungen. Die Immobilienstrategie der Stadt ist hoffentlich so flexibel und trägt den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung.

Das Festhalten an einer sturen Vorstellung, das Gebäude an der Heinrich-Wirri-Strasse einem Alleinmieter zu überlassen, verlängert den Leerstand nur noch mehr. Und das bringt der Aarauer Bevölkerung nun wirklich nichts.

Über den leeren Parkplatz beim GastroSocial-Gebäude spaziere ich zurück in die «Gönhardgüter», mit dem freudigen Kindergeschrei im Ohr, das ab Sommer hoffentlich von der grossen Grünfläche kommt, die das GastroSocial-Gebäude umgibt. «Eine gute Sache», denke ich, während ich über die kleinen Wege der Parkanlage schlendere und mich zufrieden auf den Nachhauseweg mache.