Suhr
Frühlingserwachen im Rüetschi-Haus

Kulturcafé und finanzielle Entlastung: Der Frühlingsmarkt stand im Zeichen des geplanten Kreativzentrums. Der Grossteil der Verkäufer waren Künstler, welche ihre Ateliers auf dem Areal haben oder aus der Region stammen.

Isabelle Schwab
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Der Frühlingsmarkt stand im Zeichen des geplanten Kreativzentrums
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Nicht nur die Waren sind kreative Produkte - Palleten und Kartonschachteln wurden am Frühlingsmarkt kurzerhand zu Verkaufsständen
Etwa 400 Menschen haben den Frühlingsmarkt besucht
«Die Kreativwerkstatt ist das, was in der Region noch fehlt» - Sabine Zbinden
Die Kreativwerkstatt wurde auch auf die Ateliers aufmerksam machen - Laura Schwyter bezieht in Kürze mit acht Freunden unter dem Namen _Heros+®_ eines der Ateliers
«Die Leute sind sehr positiv eingestellt und kommen immer wieder mit fragen zum Areal auf uns zu» - Christina Rüetschi
«Das Retschi-Areal bietet eine tolle Plattform für kleine Künstler» - Susanne Michot, Besucherin
«Wenn ich mit Siebdruck Geld verdienen wollte, wäre ich auf eine geteilte Werkstatt angewiesen» - Stefan Kaufmann verkauft am Frühlingsmarkt bedruckte T-Shirts
«Es ist schön, gemeinsam mit den Künstlern etwas schaffen zu können» - Claudia Zimmerli-Rüetschi, Organisatorin des Frühlingsmarktes
«Ich könnte mir zusätzlich noch ein Kulturcafé vorstellen, als Begegnungsort für die Künstler» - Mirjana Lazic hat ein Atelier auf dem Rüetschi-Areal

Der Frühlingsmarkt stand im Zeichen des geplanten Kreativzentrums

Aargauer Zeitung

Jeder soll ein Plätzchen finden, am Frühlingsmarkt auf dem Rüetschi-Areal, das sagt Claudia Zimmerli-Rüetschi. «Wir haben den Markt bewusst nicht thematisch eingeschränkt.» So befanden sich an den 22 Ständen neben Speckstein- und Keramikkunst auch Babykleider und Antiquitäten. Der Grossteil der Verkäufer waren Künstler, welche ihre Ateliers auf dem Areal haben oder aus der Region stammen.

Das Interesse am Markt war laut der Organisatorin gross. «Rund 400 Leute sind gekommen», schätzt Claudia Zimmerli. Sie vermutet, dass viele Leute auch aus Neugier gekommen sind. «Sie wollen wissen, wie es mit dem Areal weitergeht.»

Entsprechend oft wurde auch Ben Fluri angesprochen. Der Produkt- & Lichtdesigner arbeitet zurzeit intensiv daran, in den nun brachliegenden Räumen ein Kreativzentrum aufzubauen. Hier könnten mehrere Kreativschaffende gemeinsam die Kosten für Maschinen und Unterhalt teilen. Denn als Einzelner eine professionelle Werkstatt auszustatten, ist teuer und kaum rentabel.

Angedacht sind bis jetzt drei Schaffensbereiche: Je einer für Fotografie, Siebdruck und eine Werkstatt, die auch Neue Medien, wie etwa 3-D-Druck beherbergen. Aktuell stellt Fluri Kernteams zusammen, die ihn bei der Umsetzung unterstützen sollen. Das Interesse an der Umsetzung sei gross, sagt er, «immer wieder sagen mir die Leute, dass sie auch schon etwas in der Art angedacht hatten. Das bestätigt mich natürlich in meiner Arbeit.» Wie die Finanzierung aussehen wird, sei zentraler Punkt der aktuellen Planungsphase. Sicher sei jedoch: «Das wird kein Heilsarmeeprojekt. Das Kreativzentrum soll und muss sich zum grössten Teil selbst finanzieren können.»

Auf Kreativzentrum angewiesen

Für ein kleines Label ist die Eigenfinanzierung sehr schwierig: «Wenn wir mit unseren T-Shirts wirklich Geld verdienen müssten, wären wir von einer geteilten Werkstatt wie die des geplanten Kreativzentrums abhängig», sagt Stefan Kaufmann. Er betreibt zusammen mit einem Freund Siebdruck eher als Hobby. Und verkauft seine Stücke unter dem Label «Gesiebtes» mehr, um die Materialkosten zu decken, als um Geld zu verdienen.

«Das Kreativzentrum ist genau das, was uns in der Region gefehlt hat», bestätigt dann auch Mirjana Lazic, «es würde das Areal ganz sicher aufwerten.» Und schon hat die Specksteinkünstlerin Ideen, wie das Angebot noch verbessert werden könnte: «Zum Beispiel mit einem Kulturcafé. Als Begegnungsort für die Kreativen.» Denn in Ateliers bleibe man doch eher unter sich.

Auch Laura Schwyter findet nur warme Worte für das Rüetschi-Areal und das geplante Kreativzentrum. Zusammen mit acht Freunden bezieht sie in Kürze eines der Ateliers. «Ich denke, durch das Kreativzentrum und Veranstaltungen wie der Frühlingsmarkt macht man die Menschen auf das Areal aufmerksam», sagt sie. Zudem sei der Umgang untereinander hier sehr unkompliziert. «Uns wurde gesagt, dass wir schon heute Abend einziehen können.» Sie lacht.

Tatsächlich folgt auf dem Rüetschi-Areal momentan Schlag auf Schlag: «Gestern um 13.30 Uhr war hier noch Öl auf dem Boden und der Raum noch nicht ausgeräumt», sagt Claudia Zimmerli. «Auch jetzt steht noch eine der Maschinen in der Halle.» Erneut lacht sie. Doch dadurch lasse man sich nicht aus dem Konzept bringen. «Wichtig ist, dass wir Freiraum schaffen konnten.»

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