Region Aarau

Frühlingsputz im Garten: Und das Grüngut landet illegal im Wald

Aufgrund illegaler Ablagerungen von Grüngut können sich exotische Gartenpflanzen im Wald ausbreiten.

Aufgrund illegaler Ablagerungen von Grüngut können sich exotische Gartenpflanzen im Wald ausbreiten.

Beim Gartenputz landet das Grüngut nicht selten im Wald. Das ist nicht nur verboten, sondern auch dumm. In der Region Aarau gibt es diverse neuralgische Stellen.

Frühlingsputz im Garten: Das Alte muss weg. Das Neue braucht Platz. Pflanzen werden zurückgeschnitten, der Rasen gemäht, der alte Laubhaufen entsorgt. Nicht alles Grüngut landet aber da, wo es soll. Manch ein Hobbygärtner schmeisst seine Gartenabfälle in den Wald, statt sie sachgerecht in einer Sammelstelle zu entsorgen.

«Die blühen ja schon», sagt Markus Wildi und greift nach einem Zweig. Tatsächlich, zwischen den glänzend grünen Blättern sind erste weisse Kügelchen, traubenartig angeordnet, zu entdecken. Frühlingserwachen. Doch der Unterkulmer Förster kann sich nicht freuen. Was auf den ersten Blick schön aussieht, ist in Wirklichkeit eine Plage. Hier im Ischlag wächst der Kirschlorbeer üppig. Ganze Waldabschnitte sind voll davon. Das Problem, das Gewächs gehört nicht hierher. Es ist mit Gartenabfällen in den Wald gekommen. 

Förster Markus Wildi, Unterkulm, mit Kirschlorbeer.

Förster Markus Wildi, Unterkulm, mit Kirschlorbeer.

Einsatz von Gift ist verboten

Jedes Frühjahr stellen die Förster der Region das gleiche Phänomen fest: Die unerwünschten Haufen, die meist über Nacht oder übers Wochenende entstehen, häufen sich wieder. Der Wald wird als Deponie missbraucht. Dabei ist das Ablagern von Grüngut nicht nur verboten, sondern auch fahrlässig. «Die meisten nichteinheimischen Pflanzen sind aus den Hausgärten in den Wald gelangt», sagt der Unterkulmer Förster Markus Wildi. Dazu gehöre auch das pink blühende Drüsige Springkraut, das sich enorm stark ausbreite und wie der Japanische Knöterich schwer zu bekämpfen sei. Erwische man nicht die ersten Sprösslinge, sei es meist schon zu spät. Der Einsatz von Gift ist im Wald verboten.

Auch wenn längst nicht jede abgelagerte Pflanze invasiv sei, sich also wie die genannten Beispiele aggressiv ausbreite, so seien doch viele exotische Arten den einheimischen überlegen. Ausserdem bieten Exoten einheimischen Tieren selten Nahrung. Im Gegenteil: manche Pflanze, wie etwa der aus China stammende Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, kann regelrecht als Falle fungieren. Er zieht im Sommer zwar mit seinem Nektar viele Schmetterlingsarten an, legt der Falter aber auf der Pflanze seine Eier ab, finden die Raupen keine Nahrung. Der Nachwuchs kann sich nicht entwickeln.

Zwar wird der Wald nicht mit Grüngut überhäuft, die Freveltaten sind «zum Glück nur Einzelfälle», wie der Aarauer Stadtförster Roger Wirz sagt. Das bestätigen auch seine Kollegen aus dem Wynental. Doch die Einzelfälle häufen sich an gewissen neuralgischen Stellen, etwa entlang von Kantonsstrassen, die durch den Wald führen: beispielsweise zwischen Hendschiken und Ammerswil, auf dem Weg von Menziken nach Beinwil oder zwischen Unterkulm und Schlossrued. «Natürlich werden jene Orte bevorzugt, an denen man einfach hinfahren und möglichst schnell und ungesehen ausladen kann», sagt Daniel Lüem, Gemeindeammann Hendschiken. Seine Gemeinde hat jüngst wieder einen Aufruf lanciert und die Bevölkerung gebeten, Beobachtungen zu melden.

Verzeige sind selten

Wer erwischt wird, hat mit einem Verzeig bei der Staatsanwaltschaft und einer Busse zu rechnen. Wie hoch diese ausfällt, muss gemäss Sandra Zuber, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, im Einzelfall betrachtet werden. Zu einem Verzeig kommt es allerdings nur selten. Einerseits ist es schwierig und aufwendig, die Übeltäter zu finden, wenn man sie nicht auf frischer Tat ertappt. Andererseits hat die Strafverfolgung für die Förster auch nicht oberste Priorität. «Der Wald ist nicht zum Streiten da», sagt Förster Ueli Wanderon vom Forstbetrieb aargauSüd. Vielmehr gehe es darum, an die Vernunft der Leute zu appellieren und Erklärungsarbeit zu leisten. Viele wüssten einfach nicht, dass das Ablagern von Grüngut dem Ökosystem Wald schaden könne.

Das Ausbringen von artfremden Pflanzen in den Wald ist das eine. Es ist per Waldgesetz auch verboten, Dünger in den Wald einzutragen. Wer aber beispielsweise Rasenschnitt deponiert, trägt an der Stelle eine grosse Menge organisches Material, also im Endeffekt Dünger in den Waldboden ein. Die Folge: Die Lebensbedingungen für Pflanzen und Mikroorganismen verändert sich.

Neben den gesetzlichen und naturschützerischen Aspekten hat das Ganze für Förster Ueli Wanderon auch eine moralische Komponente: «Der Wald gehört jemandem, wir dürfen ihn einfach alle nutzen. Sie schmeissen ja zu Hause auch nicht alles in Nachbars Garten, was Sie nicht mehr brauchen.»

Doch wer macht überhaupt so etwas? Markus Wildi schüttelt den Kopf: «Astschnitte können gebündelt vor die Haustür gelegt werden. Sie werden in Unterkulm gratis alle zwei Wochen abgeholt. Da ist es doch umständlicher und unklüger, die Äste ins Auto zu laden und damit in den Wald zu fahren – zumal meist auch noch das Waldfahrverbot missachtet wird.»

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