Rollator-Räder ruckeln über die Pflastersteine, kommen näher und verstummen schliesslich. Es ist stockdunkel. Da zündet der Präsident des Turnvereins Unterentfelden, Arnold Zimmerli, die roten Kerzen am Tannenbaum an, und nach und nach erkennt man sich: «Ah, grüezi Gertrud! Wie schön, dass auch du wieder hier bist», begrüsst Zimmerli die alte Dame. Mit gebeugtem Rücken parkiert sie ihr Gefährt und lässt sich auf den Sitz plumpsen. Wenn’s nach ihr ginge, könnte der Gottesdienst anfangen.

Am Sonntagabend fand in Unterentfelden keine gewöhnliche Weihnachtsmesse statt. Zum rund 50. Mal feierte man die Friedhofsweihnacht – ein Unikat in der Schweiz. «Früher gedachte man den verstorbenen Turnern des lokalen Turnvereins. Man nannte das Turnweihnacht», sagt Arnold Zimmerli. Er organisiert seit bald einem halben Jahrhundert den Gottesdienst, der immer mehr Anklang findet.

Rund sechzig Personen anwesend

So auch dieses Jahr. Waren es bisher durchschnittlich dreissig Personen, welche an der Zeremonie teilgenommen hatten, so trafen am Sonntagabend doppelt so viele ein. «Mehrheitlich kommen ältere Menschen zur Friedhofsweihnacht, da sie einen speziellen Bezug zum Friedhof haben», sagt Christian Bieri. Er ist Pfarrer in der Gemeinde und leitet seit drei Jahren durch den Gottesdienst.

Die Bänke unter dem Vordach des Friedhofgebäudes sind nun alle besetzt. Mit im Schoss gefalteten Händen, in Wollmütze und Schal eingemummelt, sitzen die älteren Besucher dicht aneinander gedrängt und plaudern. Es scheint auch ein Dorftreffen zu sein, eine gute Gelegenheit also, um sich das Neuste von den Grosskindern zu erzählen oder einander über die Weihnachtspläne zu informieren.

Plötzlich kein Weihnachtsstress

Mit dem Kirchturmuhrschlag und dem Räuspern von Pfarrer Bieri verstummt das Geplauder. Er spricht den bekannten Vers aus der Weihnachtsgeschichte der Bibel und lädt dann zum Singen ein. Einige Besucher halten eine rot-leuchtende Grabkerze in den Händen und singen mit weissem Atemhauch vor dem Gesicht.

Die Zeremonie unter schwarzem Himmel, am Ort des Todes und der Trauer, beruhigt und regt zum Nachdenken an. Der ganze Trubel um die Weihnachtszeit ist für eine halbe Stunde vergessen, in Gedanken ist man bei denen, die einem in dieser Zeit ganz besonders fehlen.

Als dann die Finger klamm und die Nase immer röter werden, beendet Pfarrer Bieri die Friedhofsweihnacht mit den Strophen aus «Stille Nacht». Mit den sich entfernenden Rollatoren kehrt wieder Ruhe auf dem Friedhof ein. Zurück bleiben viele Lichter, die auf den Gräbern flackern und an geliebte Menschen erinnern.