Befindet man sich jetzt in einem Konzertraum oder sitzt man vielleicht doch in einem Kinosaal? Diese Frage konnte sich stellen, wer sich am Samstagabend ins Aarauer Kultur- und Kongresshaus begab. Dort wurde er nämlich von der berühmten Erkennungsmelodie der Universal Film Studios begrüsst – und diese ist für gewöhnlich die melodiöse Initialzündung für einen gemütlichen, spannenden Kinoabend. Am Samstag aber bildete sie den Auftakt zum mitreissenden Galakonzert der Stadtmusik Aarau, die ihr musikalisches Menü besonders bekannten oder raffinierten Filmkompositionen gewidmet hatte.

«Wenn sie ins Kino gehen, dann sehen sie einen Film. Bei uns ist das anders, hier kommen sie in den Genuss vieler verschiedener Filme.» Mit diesen Worten begrüsste Margrit Stüssi, die Präsidentin der Stadtmusik, das Publikum im hervorragend besetzten Kultur- und Kongresshaus. Und die Stadtmusik wusste diese Voraussage im Anschluss bravourös zu unterstreichen.

Beeindruckende Dynamik

Bereits mit der Komposition «Indiana Jones», dem zweiten Vortrag des Abends, entfaltete die Stadtmusik ihr musikalisches Können und wies auf viele ihrer Stärken hin. Dazu gehört insbesondere ein beeindruckender Klangausgleich zwischen den Holz- und den Blechregistern. Selbst in überschwänglichen Fortissimo-Passagen blieben die Klarinetten und die Querflöten deutlich und klangbildend präsent. «Am Klangausgleich und an der Dynamik haben wir in den letzten zehn Tagen noch intensiv gearbeitet», erklärte Dirigent Silvan Hof nach dem Konzert.

Auch technisch wusste das Korps zu überzeugen. Mit grosser Präzision und Virtuosität meisterten die Begleitstimmen unter anderem in der Komposition «Willow» von James Horner aus dem zweiten Konzertteil ihre enggedruckten Notenpassagen.

Verbunden wurden die zwei Konzertteile durch die drei Tambouren der Stadtmusik, die durch die Tambourengruppe der Musikgesellschaft Möriken-Wildegg unterstützt wurden. Rhythmisch rasant unterhielten sie das Publikum, aus dem nach dem Vortrag «Beat Samba» ein spontaner Freudenjuchzer zu vernehmen war.

Verschmitzte Klangbilder

Unbedingt zu erwähnen bleibt das Solo des Klarinettisten Lukas Flury in «Viktor’s Tale», einer Komposition aus dem Steven Spielberg Film «The Terminal». Mit ironisch trippelnden und verschmitzten Klangbildern spielte Lukas Flury gegen das nachdrückliche Orchester an. Die zwei Gesangseinlagen von Mario Keller (14), der Gesangsstunden an der Musikschule Aarau besucht, halfen eindrücklich Stimmung und Atmosphäre in den Stücken «At World’s End» und «Jungle Book» auf den Punkt zu bringen.

Dirigent Silvan Hof war die Freude über den gelungenen Konzertabend beim Schlussapplaus deutlich anzusehen. Halb ans Publikum, halb an seine Musiker gewendet sagte er: «Es macht grosse Freude mit diesen Musikern arbeiten und Konzerte geben zu dürfen. Es war einfach ein cooles Konzert.»

Die Stadtmusik Aarau bot am Samstagabend ein äusserst aufregendes, kurzweiliges Galakonzert. Fast ist man versucht zu sagen: Das macht einen guten Film eben aus.