FC Aarau

Freiwilliger Helfer beim FC Aarau nach 19 Jahren entlassen – per SMS

Christian Holzer aus Hendschiken ist Fan seit dem Cupsieg von 1985.bas

Christian Holzer aus Hendschiken ist Fan seit dem Cupsieg von 1985.bas

Nachdem der Fussballklub 1981 aufgestiegen war, beschäftigte er 20 bis 30 Helfer. Anfang dieser Saison sind sie entlassen worden – per SMS. Nun übernehmen professionelle Securitas deren Arbeit. Einer davon ist Christian Holzer.

Christian Holzer aus Hendschiken glaubte, er träume, als er am Morgen die SMS las: «Für die neue Saison wird der FC Aarau einiges umstellen», hiess es darin. Angestellt bleibe nur das Personal mit Lohnausweis.

Das heisst: Die Funktionäre, welche während der Heimspiele geholfen haben, braucht es nicht mehr. Sie werden ersetzt durch die Securitas. Deren Mitarbeiter weisen nun Zuschauer in die Parkplätze, stehen an den Tribünenaufgängen, betreuen den Rollstuhleingang und tragen verletzte Spieler vom Feld.

«Nun machen Leute unseren Dienst, die man im Stadion noch nie gesehen hat», sagt Holzer. Enttäuscht sei er. Nicht, weil der FC Aarau etwas verändern möchte, sondern wegen der Art, wie es ihm und seinen Kollegen mitgeteilt worden ist. Bis heute habe er auf einen Brief gewartet. Es kam keiner. Enttäuscht seien auch die anderen Helfer, sagt Holzer.

Einige wollten mit dem Verein nichts mehr zu tun haben, manche seien auf das Geld angewiesen gewesen. Doch um Geld ging es Holzer, dem Postangestellten, nicht. «Ich würde es auch gratis machen», sagt er. Vielmehr freute er sich, die gelbe Weste mit der Aufschrift «Funktionär FC Aarau» tragen zu dürfen. Er war stolz, ein Teil des Vereins zu sein. Ein Verein für den er lebe. Deshalb hofft Holzer, dass es für ihn dennoch irgendwo einen Posten gibt.

Keine Laien im neuen Stadion

Robert Kamer, Geschäftsführer beim FC Aarau, räumt ein: «Die Entlassung ist unglücklich verlaufen.» Die Art der Kündigung will der Klub überdenken. Erst seit diesem Wochenende habe er sämtliche Adressen der Helfer beisammen.

Entlassen wurden die Funktionäre im Hinblick auf das neue Stadion: «Sämtliche Arbeiten werden nun professionalisiert, weshalb wir den Auftrag an die Securitas übergeben haben», sagt Kamer. Gibt es für Leute wie Holzer dennoch eine Funktion? Das sei schwierig, meint Kamer. Aber: Er dürfe sich gerne bei den Securitas bewerben.

Christian Holzer muss sich nach seiner 19-jährigen Tätigkeit beim FC Aarau wohl damit abfinden, nicht mehr gebraucht zu werden. Um sich als Security bewerben zu können, müsste er vorher einen aufwendigen Kurs absolvieren. Dafür sei er wohl zu alt.

Trotzdem: Sein Herz schlage weiterhin für den FC Aarau. Zu lange sei er ein Fan, zu viel habe er investiert. 2002 etwa sammelte er an den Spielen mit einem Sparschwein Geld für das Jubiläum. 7000 Franken kamen zusammen. In seiner Region ging er zudem auf Sponsorensuche, mit Erfolg. Und auch sein aktuelles Projekt werde er weiterführen: Seit 1986 archiviert Holzer jeden Matchbericht und Zeitungsartikel. Über hundert Hefte seien es. Zur Eröffnung des neuen Stadions will er seine Sammlung dem Verein übergeben.

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