Wir sind schon in der Vorweihnachtszeit und «Nez Rouge» macht auf seinen Fahrdienst aufmerksam, der Leben retten kann. Dieser Dienst wird seit Jahren von Freiwilligen geleistet. Und wir sind froh darum! Vieles wäre ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Menschen, die sich für uns alle engagieren, nicht möglich. Die Altersheime sind um Freiwillige froh, die in vielen Bereichen tatkräftig unterstützen, Asyl- und Integrationsstellen sind auf Menschen angewiesen, die den Kontakt zwischen unserer und der fremden Kultur herstellen und so die Integration von ausländischen Personen stark fördern, Deutsch- oder Bastelkurse organisieren oder auch eine Bar, in der alle willkommen sind wie auch Kleidersammlungen auf die Beine stellen und noch vieles mehr leisten.

Kulturinstitutionen würden ohne ehrenamtlicher Arbeit teilweise gar nicht funktionieren, Parteien, Verbände – ja, praktisch alle Vereine jeglicher Art sind auf Freiwilligenarbeit angewiesen. Trotz gesellschaftlicher Individualisierung gibt es also immer noch Menschen, die sich zusammentun, um auf ihre Weise für die Gemeinschaft viel Gutes zu tun. Zurück kommt nicht viel, vielleicht eine kleine Entschädigung oder ab und an ein Dankeschön. Wir sind alle angewiesen auf diese Menschen, die in unserer Gesellschaft wirken und diese beleben.

Alles gut? Nein, denn diese Art von Engagement nimmt immer mehr ab. Wie man auch am Beispiel der Milizpolitik sieht: Obwohl (vielleicht) Ruhm, Ehre und auch Entschädigungen winken, wird es immer schwieriger, Leute für die verschiedenen Ämter zu finden. Und auch in der freiwilligen Feuerwehr ist die Rekrutierung nicht so einfach wie früher. In unseren Kleinstädten und Dörfern gibt es keine Berufsfeuerwehren wie in grösseren Städten, sondern freiwillige. Gerade dieser Dienst ist, nicht nur in diesen Monaten, wenn bald Kerzen an den Tannenbäumen hängen, von elementarer Bedeutung für die Bevölkerung. In der Feuerwehr engagieren sich Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und Kompetenzen, es wird an ganzen Abenden für den Ernstfall geübt und es muss sehr oft schnell reagiert werden. Wenn nötig muss auch mal der Arbeitsplatz blitzartig verlassen werden. Sehr viele Arbeitgebende gewähren deshalb auch den vollen Lohn, wenn ihre Angestellte an einen Einsatz rennen müssen. Das ist so üblich und einen Dienst an die Bevölkerung.

Ausgerechnet die Stadt Aarau selbst hat im Reglement, das im Sommer totalrevidiert wurde und ab nächstem Jahr gilt, diesen Passus gestrichen. Die Stadtangestellten erhalten bei Einsätzen nicht mehr den vollen Lohn, sondern müssen freinehmen, um an einem Einsatz teilzunehmen, also einen «Ferientag» beziehen. Wir reden nicht von Übungen oder Kursen, sondern von «richtigen» Einsätzen. Werden so die Menschen wertgeschätzt, die sich in der freiwilligen Feuerwehr engagieren, die notabene selbst auch eine Abteilung der Stadt ist? Und was für ein Vorbild gibt die Stadt Aarau gegenüber Arbeitgebenden in der Privatwirtschaft ab, die ihren Angestellten, die in der Feuerwehr tätig sind, eine volle Lohnfortzahlung gewähren? Klar, die Feuerwehrmänner und -frauen erhalten einen Sold. Das sollte nach Meinung einiger doch reichen.

Doch gerade die Stadt sollte ihre eigenen Angestellten und nicht nur motivieren, sich in der Feuerwehr einzusetzen. Mit der neuen Regelung macht sie genau das Gegenteil. Wie dies im (zwar etwas chaotischen) Vernehmlassungsverfahren oder auch in der Einwohnerratsdebatte untergehen konnte, ist mir immer noch ein Rätsel. Im Januar wird das Reglement in Kraft treten und die Angestellten, die in der Feuerwehr tätig sind, werden sich mehr als einmal überlegen, ob sie den Arbeitsplatz verlassen wollen, um ein Feuer zu löschen. Rollen Sie nun innerlich mit den Augen? Nun gut, dann springen Sie doch ein. Oder sollen es lieber die anderen machen, während Sie es sich in Ihrer warmen Stube bequem machen und einen Film schauen? Wer sich freiwillig einsetzt, soll Wertschätzung erfahren und nicht noch schikaniert werden. An dieser Stelle deshalb ein grosses Dankeschön an euch allen, liebe Freiwillige!