Dulliken/Olten
Freispruch oder fünfzehn Jahre Knast für den Mittäter am Dulliker Mord

Zweiter Prozesstag: Wieder sass der Serbe in Fussfesseln auf der Anklagebank, als Staatsanwalt Raphael Stüdi ihn als Mittäter am Mord des 80-jährigen Rentners in Dulliken 1993 anprangerte und eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren forderte.

Adriana Gubler
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In diesem grünen Haus in Dulliken wurde der 80-jährige Witwer vor 21 Jahren auf qualvolle Weise umgebracht.

In diesem grünen Haus in Dulliken wurde der 80-jährige Witwer vor 21 Jahren auf qualvolle Weise umgebracht.

HR.Aeschbacher

Der Angeklagte hatte bereits am Montag ausgesagt, dass er mit dem Mord nichts zu tun habe. Er sei lediglich in die Wohnung des betagten Witwers eingedrungen, weil er 50 000 Franken habe erbeuten wollen.

Der Staatsanwalt hält das alles für erlogen. Er versuchte nachzuweisen, dass der Serbe in Mittäterschaft mit einem heute 40-jährigen Landsmann den alten Mann auf skrupellose Weise umgebracht hatte. Es sei erwiesen, dass in der Nacht auf den 1. August 1993 zwei Personen am Mord des Opfers beteiligt gewesen sein müssen, so Stüdi.

Zwei Haare als Indizien

«Einer der Täter muss die Arme des alten Mannes festgehalten haben, während der andere ihn knebelte. Ein Täter allein wäre dazu gar nicht imstande gewesen.» Zudem stützte der Staatsanwalt seine Begründung auf den Fund zweier Haare. Eines davon fand die Spurensicherung an einem Stück Malerabdeckband, mit dem die Täter den Rentner erfolglos zu knebeln versucht hätten. Das andere Haar befand sich auf dem Moltonstoff, den die Täter dem Opfer aufs Gesicht gedrückt hätten.

«Die zwei Haare müssen dem Angeklagten zugeordnet werden.» Die Indizien lassen laut Stüdi nur einen Schluss zu: der Beschuldigte muss einen wesentlichen Beitrag am Mord geleistet haben. Die Rollenverteilung unter den zwei Serben sei indes unklar. Der Staatsanwalt qualifizierte die Tötung als Mord. «Die Vorgehensweise war besonders brutal. Der Rentner wurde aus dem Schlaf gerissen und mit Schlägen traktiert», so Stüdi, der dem Angeklagten auch Gefühlskälte und Geringschätzung gegenüber fremdem Leben zuschrieb.

Verteidiger Urs Tschaggelar redete nicht lange um den heissen Brei herum: «Ich fordere einen Freispruch für meinen Mandanten sowie eine Genugtuung in der Höhe von 104 000 Franken und eine Entschädigung in der Höhe von 70 000 Franken.»

Beteiligte haben sich abgesetzt

Tschaggelar erachtete es als Makel, dass sich sein Klient als Einziger verantworten muss. «Die anderen Beteiligten haben sich nach Serbien abgesetzt, mein Mandant aber sitzt hier alleine.» Und er kritisierte weiter: «Dass der Komplize nicht befragt werden konnte, stellt eine grosse Lücke in der Beweiskette dar.» Der Verteidiger sprach von formellen Fehlern in der Untersuchung. Diese seien derart schwerwiegend, dass ein Freispruch erfolgen müsse.

Zudem hält Tschaggelar die Anklageschrift für ungenügend. «Die Staatsanwaltschaft hat keinen einzigen Beweis. Die Anklage beruht auf Annahmen und Spekulationen.» Etwa in Bezug auf den Gegenstand, mit dem der Rentner am Kopf verletzt worden war, tappe die Staatsanwaltschaft im Dunkeln. Für Tschaggelar ein Hinweis darauf, dass eine zweite Täterschaft für den Mord verantwortlich gewesen sei. Auch weitere Spuren deuten seiner Meinung nach darauf hin, dass nach dem Angeklagten und seinem Komplizen noch jemand in der Wohnung des Rentners war. Das Amtsgericht Olten-Gösgen wird sein Urteil am kommenden Dienstag bekannt geben.

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