Aarau

Freikirchen expandieren gross – obwohl staatliche Unterstützungen fehlen

Die Freikirchen suchen grössereRäumlichkeiten – so auch die EBG. uw

Die Freikirchen suchen grössereRäumlichkeiten – so auch die EBG. uw

Die kaum bekannte Evangelische Bibelgemeinde weihte einen Gebetsraum ein.

In Aarau gibt es eine ganze Reihe freikirchlicher Vereinigungen. Mehr als ein Dutzend Kirchen und Versammlungslokale finden sich in der Stadt. Tendenz zunehmend. Die Freikirchen haben Hochkonjunktur. Auf der Suche nach mehr Platz zieht es sie zunehmend an die Peripherie, zum Beispiel in leerstehende Gewerberäume.

Jüngstes Beispiel ist die Evangelische Bibelgemeinde Aarau (EBG), bei der Gottes Wort explizit im Zentrum steht. An der Weihermattstrasse in der Telli hat die noch relativ kleine, eher öffentlichkeitsscheue Gemeinschaft Gewerberäumlichkeiten in einen Versammlungsraum umgestaltet. Letzten Sonntag fand die Einweihung statt. Im April hatte das Umnutzungsgesuch aufgelegen. Am 22. August hat der Stadtrat die Baubewilligung erteilt. «Wir wachsen nicht riesig», heisst es bei der EBG. Die Expansion sei «minim». Immerhin: Die Gemeinschaft hat ihr früheres Domizil an der nördlichen Neumattstrasse zugunsten grösserer Räumlichkeiten aufgegeben. Zu einem gewöhnlichen Gottesdienst kommen dem Vernehmen nach gegen 100 Gläubige, zu einem speziellen Anlass bis zu 200.

Mehr Platz für die Kinder

Ebenfalls in der Telli zu Hause ist die in Aarau seit den Dreissigerjahren des 20. Jahrhunderts bestehende Freie Christengemeinde (FCG). Ihr Gottesdienstraum bietet 1200 Personen Platz. «Wir brauchen mehr Raum für unsere Kinder!», heisst es auf ihrer Website. Aus diesem Grund hat die Gemeinde beschlossen, ein Anbauprojekt zu realisieren, in dem zusätzliche Gruppenräume, aber auch Räume für Einzelgespräche geschaffen werden. Die Gemeinde hat sich entschieden, den Bau selber zu finanzieren. Der Finanzbedarf dafür liegt bei rund bei 2,5 Millionen. Das Geld hatte die FCG vor ungefähr einem Jahr beisammen. Anfangs 2016 wurde mit dem Bau begonnen. Ende Juli dieses Jahres fehlten, wie der FCG-Website zu entnehmen ist, noch rund 190 000 Franken bis zum Erreichen der 2,5-Millionen-Marke. Die freiwilligen Spenden machten in diesem Fall bis dahin 860 000 Franken aus. 1,45 Mio. Franken stammten aus Bank- und anderen Darlehen.

Freiwillige Opfer

Am letzten Wochenende hat auch die Neuapostolische Kirche (NAK) an der Mühlemattstrasse ihr neues, mit einer Wohnüberbauung gekoppeltes Gotteshaus eingeweiht. Der Komplex kostete 20 Millionen Franken. Wie viel Geld davon in die 220 Sitzplätze aufweisende Kirche floss, gibt die NAK nicht bekannt (az vom 26. 8.). Sicher ist auch hier so viel: Finanziert wurde der Sakralbau mit freiwilligen Opfern.

Projekt an Bahnhofstrasse

Nicht immer fällt es Freikirchen leicht, grosse Projekte zu finanzieren, da sie nicht staatlich unterstützt werden und vollständig auf Spenden angewiesen sind. Die grösste Freikirche in Aarau, die 1854 ins Leben gerufene Minoritätsgemeinde aus der evangelisch-reformierten Landeskirche, wie sie mit vollem Namen heisst, plant seit Jahren ein neues Vereinsgebäude. Eine Zeit lang sah es so aus, als ob die «Kapelle» an der Bahnhofstrasse 2015 abgerissen würde, um einen grösseren Neubau auf der Parzelle, die der «Mino» seit 1874 gehört, zu ermöglichen. Der Standort im erweiterten Stadtzentrum – zwischen Credit Suisse und Tunnelweg – soll also nicht zugunsten eines Projekts an der Peripherie aufgegeben werden. Doch das Haus der über 400-köpfigen Gemeinde platzte schon vor fünf Jahren aus allen Nähten.

2012 lag das Projekt für einen sechsstöckigen Neubau öffentlich auf. Zwei Einsprachen gingen ein. Das Projekt wurde in der Folge überarbeitet. Noch im gleichen Jahr lag ein neues, angepasstes Vorentscheidsgesuch auf. Doch seither herrscht Funkstille.

Minoritätsgemeinde wartet ab

Was ist passiert? Wurde das Neubauprojekt beerdigt? – Das nicht, aber es wurde auf Eis gelegt. Das bringt eine Anfrage bei der Minoritätsgemeinde an den Tag. Die Rede ist von einem «Langzeitprojekt». Der Zeitrahmen sei noch äusserst offen, sagt Andreas Woodtli, Vorstandsmitglied der Minoritätsgemeinde. Er bewege sich im Bereich von zehn Jahren und mehr. «Wir haben gewisse Vorstellungen, was wir möchten», macht Woodtli klar. Aber das Ganze sei in verschiedener Hinsicht eine Herausforderung.

Es gebe nicht nur bautechnische Fragen, sondern es habe auch Einsprachen gegeben. Die habe man zwar teilweise regeln können, aber es gehe es im Moment trotzdem nicht vorwärts. Als Bremse wirkt offenbar nicht zuletzt die finanzielle Herausforderung. Woodtli redet nicht um den heissen Brei herum: «Wir sind weit davon entfernt, die Mittel zu haben, die es bräuchte.»

Klar ist: Der Traum lebt. Dessen Realisierung muss, wenn diese eines Tages möglich erscheint, die Generalversammlung der «Mino» noch absegnen.

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