Aarau
Freikirche plant sechsstöckiges Vereinsgebäude

Die Minoritätsgemeinde hat ihre Pläne für den Neubau eines Vereinsgebäudes an der Bahnhofstrasse angepasst. Die Einwände seien weitgehend berücksichtigt.

Ralph Stamm
Merken
Drucken
Teilen
Die Profile zeigen die Dimensionen des Neubaus an.Christoph Voellmy

Die Profile zeigen die Dimensionen des Neubaus an.Christoph Voellmy

«Ein jegliches hat eine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.» Dieses Zitat aus dem Alten Testament ist Sinnbild für die Geduld der Minoritätsgemeinde Aarau beim geplanten Neubau für ein Vereinsgebäude an der Bahnhofstrasse 30/32 in Aarau. Nachdem gegen das Vorhaben beim Stadtbauamt bereits im Februar 2011 zwei Einsprachen eingegangen waren, hat die Minoritätsgemeinde nun ein angepasstes Bauvorhaben ausgearbeitet. Dieses liegt bis zum 17. September erneut zur öffentlichen Einsicht im städtischen Rathaus auf.

Dort wo also seit über 130 Jahren die Kirche steht, deuten Profile die Dimensionen des geplanten sechsstöckigen Neubaus an. Grund für das Bauvorhaben ist der gestiegene Platzbedarf der Minoritätsgemeinde, wie deren Vorstandsmitglied, Hansjörg Leutwyler erklärt. «Über die Jahre ist unsere Mitgliederzahl inklusive Kinder auf über 400 angewachsen.» Das Problem dabei: Die Büros des Pastoralteams mussten zur Untermiete nach Buchs ausweichen, die Jugendarbeit fand zuletzt im Haus zur Zinne an der Kirchgasse statt, und auch die Kinderbetreuung musste in das Berufsschulhaus ausgelagert werden. «Zukünftig möchten wir all unsere Aktivitäten unter einem Dach vereinen», so Leutwyler.

Verzicht auf Attikawohnungen

Die Zuversicht bei der Minoritätsgemeinde ist gross, dass Einsprachen gegen das Bauvorhaben diesmal ausbleiben werden. Wie Hansjörg Leutwyler bestätigt, habe man die Anliegen der Einsprecher weitgehend berücksichtigt. Zum einen werde mit einem Knick an der Ostfassade dem Anliegen der Denkmalpflege entsprochen, das benachbarte Turnerhaus durch ein zu grosses Bauvolumen nicht zu beeinträchtigen. Aus dem gleichen Grund verzichte man auch auf den Bau von Attikawohnungen. Dadurch reduziere sich zwar die Bauhöhe um drei Meter, dafür müsse das verlorene Bauvolumen durch einen Verbindungsbau zur Behmen-Bebauung teilweise kompensiert werden.

Bauentscheid im Januar

Sollten Einsprachen diesmal ausbleiben, werden die Bagger trotzdem nicht automatisch auffahren. Der Grund: Beim Gesuch handelt es sich erst um ein sogenanntes Vorentscheidsgesuch, bei dem noch nicht alle Energie-, Kanalisations- und Lärmnachweise erbracht werden müssen. Wie Daniel Roth vom Aarauer Stadtbauamt bestätigt, können zwar auch bei einem späteren Baugesuch noch Einsprachen erfolgen. «Berücksichtigt werden dann aber nur noch jene Einwände, die nicht auch schon gegen das Vorentscheidgesuch hätten geltend gemacht werden können.»

So oder so wird die Minoritätsgemeinde erst im Januar an der Gemeindeversammlung entscheiden, ob gebaut werden soll. 8 bis 10 Millionen Franken betragen die Baukosten. Ein grosser Brocken für die Kirchgemeinde. Zwar lasse sich ein Drittel der Baukosten aus internen Darlehen, Spenden und dem Verkauf des Pfarrhauses decken, so Hansjörg Leutwyler. «Trotzdem wird die Frage der jährlichen finanziellen Zusatzbelastung intern noch einiges zu diskutieren geben.»