Geld verdient jeder, der ins Ziel kommt: Mit fünf Startern ist im Grossen Preis des Kantons Aargau (Jagd, 4200 m), dem Hauptereignis des zweiten diesjährigen Aarauer Renntags, ein äusserst übersichtliches Feld zusammengekommen. Kleine Felder prägen auch die beiden andern Hindernisrennen: Sechs Pferde laufen über Hürden, vier im Cross Country. Spannende Rennen sind zwar auch so möglich, aber kleine Felder sind aus der Sicht des Veranstalters nicht gern gesehen. Kleine Felder bedeuten tendenziell niedrige Wettumsätze. Gerade für die versierteren Wetter, die grössere Einsätze tätigen und nicht nur Siegwetten tätigen, sind solche Rennen weniger attraktiv, weil bestimmte Wettarten eine Mindestzahl von Startern voraussetzen. An den Wettumsätzen wiederum sind die Rennvereine beteiligt.

Die Zahl der Hindernispferde sinkt in der Schweiz seit Jahren: Innerhalb rund eines Jahrzehnts hat sie (nachzulesen auf www.horseracing.ch) um 70 Prozent abgenommen. Eine Entwicklung, die Aarau und den Aargauischen Rennverein (ARV) besonders trifft. Anders als die Bahnen in Avenches, Frauenfeld und Dielsdorf ist der Schachen nämlich eine ausgesprochene Hindernisbahn. Zum Glück ist das Publikum in Aarau traditionell wettfreudiger als auf manchen andern Schweizer Rennplätzen: Vor zwei Wochen setzten hier 4000 Besucher am Totalisator rund 60'000 Franken um, 15 Franken pro Person. Zum Vergleich: Am Pfingstmontag kamen in Frauenfeld 10'000 Zuschauer auf die Allmend. Trotz mehr Rennen als in Aarau (darunter kein einziges Hindernisrennen) betrug der Wettumsatz gerade mal rund 87'000 Franken (Fr. 8.70/Person). Trotzdem besteht auch in Aarau aufgrund der Entwicklung Grund zu Sorge: Ohne Hindernispferde kann es keine Hindernisrennen im Schachen geben.

In Dielsdorf Form bewiesen

Im GP des Kantons Aargau ist Blingless, im Besitz und in Dielsdorf vorbereitet von Claudia Schorno, der logische Favorit. Schorno, in Aarau aufgewachsen, ist die aktuelle Championtrainerin im Hindernis-Sektor. Dies nicht zuletzt dank Blingless, der 2017 das gewinnreichste Hindernispferd in der Schweiz war. Der endschnelle 10-jährige Wallach ist auch gut in die Saison 2018 gestartet: Vor drei Wochen gewann er in Dielsdorf das erste wichtige Jagdrennen des Jahres, den Grossen Preis der Stadt Zürich. Nur drei Pferde waren dort am Start, da erschwerte Bedingungen galten und vier Konkurrenten kurzfristig zurückgezogen wurden. Blingless’ damalige Gegner sind in Aarau nicht am Start, dafür Shannon Royal (mit dem Aargauer Michael Huber im Sattel) und Baraka de Thaix. Einen Direktvergleich der beiden mit Blingless gibt es diese Saison noch nicht. Den GP des Kantons Aargau hat Blingless 2016, nach turbulentem Rennverlauf, schon einmal gewonnen, 2017 wurde er Vierter und vier Monate später im Grossen Preis der Schweiz Zweiter.

Zu den drei Startern aus Schweizer Quartieren gesellen sich der sechsjährige Wallach Ledo aus Tschechien und die gleichaltrige Stute Wangera aus Deutschland. Wo sie im Vergleich zur Schweizer Konkurrenz stehen, ist nicht leicht zu sagen. Zwar ist der deutsche Hindernisrennsport noch mehr am Boden als der hiesige, doch vor neun Monaten, im Grossen Preis der Schweiz, degradierte ein in Deutschland trainiertes Pferd die einheimischen Steepler zu Statisten.

Gäste mit Gewichtsvorteil

Nach dem Wechsel zu Trainerin Marion Rotering liess Wangera Ende April in Mannheim als Zweite in einem Jagdrennen aufhorchen, das Listenstatus aufwies. Ledo ist seit Oktober 2017 nicht mehr gelaufen. Er stammt aus dem Quartier von Trainer Pavel Odlozil – wie Sigr, der vor zwei Wochen im Cross-Country-Rennen nach atemberaubendem Finish, nur ganz knapp geschlagen, Zweiter wurde. Und nicht zu vergessen: Die ausländischen Gäste tragen ein paar Kilo weniger als Blingless (Ledo –4 kg, Wangera –5,5 kg).

Vor 68 Jahren am GP:

Pferderennen in Aarau: Beitrag der Schweizer Filmwochenschau vom 12. Mai 1950

Beitrag der Schweizer Filmwochenschau vom 12. Mai 1950

Die Schweizer Filmwochenschau berichtete immer wieder über die Wettkämpfe auf der Aarauer Pferderennbahn. Etwa 1950 anlässlich des Aargauer Grossen Preises.