Philipp Glauser (37) ist enttäuscht. 2013 hat er zusammen mit vier Kollegen in Aarau den Member-Club «Schlaflos» gegründet. Jetzt ist Schluss: Am Freitag, 5. Mai, findet die letzte Party statt. Das «Schlaflos» erhält vom Stadtrat keine Betriebsbewilligung mehr.

Der Grund: Das Gebäude an der Tellistrasse 118A sei zu wenig energieeffizient, der Boden müsse isoliert werden. Kostenpunkt: 100 000 Franken. Doch die Betreiber lehnen eine Renovation ab: Weil das Gebäude 2020 abgerissen wird, mache eine solche Investition keinen Sinn. Glauser: «Das wäre eher Energieverschleuderung.» Bis 2020 läuft der Mietvertrag; bei einer sofortigen Schliessung stünde das «Schlaflos» drei Jahre lang leer. «Das ist dann auch nicht effizient», findet Glauser.

Philipp Glauser geht noch weiter. Er erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der Stadt. «Es ist eine Frechheit. Das KiFF hat letztes Jahr gleich nebenan einen Notausgang gebaut – ohne Baugesuch. Da haben alle weggeschaut.» Das kleine, unabhängige «Schlaflos» aber werde abgestraft. «Weil das KiFF Subventionen bezieht, drückt die Stadt ein Auge zu.» Von Bekannten, die etwas Neues im Aarauer Nachtleben aufbauen wollten, hat Glauser Ähnliches gehört: «Jede Initiative wird von vornherein abgewürgt.»

«Ohne Baugesuch»

Das «Schlaflos» ist der einzige Club in Aarau, der offiziell bis morgens um 6 Uhr geöffnet bleiben darf. 2015 wurde ein entsprechendes Baugesuch bewilligt. «Wir mussten Lärmmessungen durchführen und einen Projektbeschrieb einreichen», so Glauser. Mittlerweile hätten das KiFF und der Flösserplatz auch zweimal jährlich bis 6 Uhr offen; dies jedoch ohne Baugesuch. Für Glauser ein weiterer Beweis, dass nicht mit gleichen Ellen gemessen wird.

Noch hofft er aber auf eine Einigung mit der Stadt. «Wir haben viel Herzblut und Einsatz in den Club gesteckt, um das Nachtleben in Aarau zu fördern», so Glauser. 50 Franken beträgt der jährliche Mitgliederbeitrag im Musik- und Kulturverein Mono.Ton, der das «Schlaflos» betreibt. Dafür gibt es DJs aus der ganzen Welt zu hören. «Bei uns herrscht eine familiäre Stimmung», sagt Glauser. Jeweils am Freitag- und Samstagabend ist das «Schlaflos» offen. Von den 750 «Members» ist immer ein Viertel im Club. Der Verein Mono.Ton bleibe weiter bestehen, erklärt Glauser. Eine Idee, wie und wo es mit dem «Schlaflos» weitergehen könnte, gebe es aber noch nicht. (AKA)