Aarau
Frauen-Lands-Gemeinde inspirierte 200 Teilnehmerinnen

In elf Workshops diskutierten die Frauen an der Frauen-Lands-Gemeinde über die Macht der Konsumentinnen, feierten gemeinsam das Walpurga-Ritual, entwickelten neue Bilder für moderne Grossmütter und -väter.

Connie Fauver
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Zur traditionellen Lands-Gemeinde trafen sich die Frauen im Grossratssaal in Aarau. Katja Ehrensperger

Zur traditionellen Lands-Gemeinde trafen sich die Frauen im Grossratssaal in Aarau. Katja Ehrensperger

«Der Einfluss der Frauen in Politik, Wissenschaft und Kultur nimmt massiv zu», sagt Trendforscherin und Ethikerin Monique R. Siegel. Die Hauptreferentin an der Frauen-Lands-Gemeinde erklärt, dass die Frauen heute so hoch qualifiziert, engagiert und ambitioniert seien, wie nie zuvor. Sie schlägt den Bogen von den frühen Pionierinnen zu den heutigen Nobelpreisträgerinnen und zeigt den Megatrend «Female Shift» auf: In den nächsten 20 bis 50 Jahren wird die Zukunft weiblicher.

Das zeige sich bereits in der Schule: Während Mädchen fleissig ihre Hausaufgaben machen, haben die Buben Computerspiele entdeckt. «So kommt es, dass die junge Generation von Frauen ihre männlichen Zeitgenossen in der Bildung weit hinter sich gelassen hat», führt Siegel aus. Sie fordert neue Politikformen und ein gesellschaftliches Selbstverständnis mit Chancengleichheit.

Jacqueline Fehr und Inés Mateos

Die biografischen Referate gewähren Einblick in zwei ähnliche und doch unterschiedliche Frauenbiografien. «Gestalten ist Wirkung erzielen», sagt Nationalrätin Jacqueline Fehr. Sie ermutigt die Zuhörerinnen, alles einzusetzen, um diese Wirkung in allen Bereichen des Lebens zu erzielen. Inés Mateos, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Basel, erzählt, wie sie ihr anders sein als spanische Seconda zum Vorteil nutzte. «Ich fing an, mich bewusst abzugrenzen und nahm so die Definitionsmacht über mein Leben in meine Hände.»

Viele Perspektiven, ein Ziel

Rege diskutieren die Referentinnen über die nötige Systemänderung in unserer Gesellschaft. Sei es in der Bildung, wo es immer seltener für Knaben und schon gar nicht für Migrantinnen und Migranten Vorbilder gäbe, sei es in den lebensfeindlichen Strukturen im Topkader. «Wir müssen für persönliche Gestaltungsmöglichkeiten kämpfen. Und wir müssen davon wegkommen, Macht automatisch mit Machtmissbrauch zu verbinden», sagt Monique Siegel. «Macht ist für mich etwas Positives, nur in deutscher Sprache hat dieses Wort einen negativen Beigeschmack. «power», «pouvoir» oder «poder» sind allesamt positiv besetzt.»

Auch Jacqueline Fehr plädiert für die individuelle Gestaltungsfreiheit. «Das bedingt aber, dass man auf sicherem Boden steht und über Handlungsoptionen verfügt», sagt sie. Inés Mateos fordert alle auf, das gängige Mutterbild zu überdenken: «In Spanien habe ich mich noch nie rechtfertigen müssen, als Mutter auch einer bezahlten Arbeit nachzugehen. In der Schweiz hingegen ständig.»

Keck, kühn und kompetent

In elf Workshops diskutierten die Frauen über die Macht der Konsumentinnen, feierten gemeinsam das Walpurga-Ritual, entwickelten neue Bilder für moderne Grossmütter und -väter, liessen sich von Worten und Bildern zum kreativen Schreiben inspirieren oder schulten ihre individuelle Zivilcourage. Die am Frauenstreik 1991 lancierte Frauen-Lands-Gemeinde hat im Aargau Tradition und zog rund 200 Frauen, Jung und Alt, von links und rechts, ins Grossratsgebäude.

Beim Schlussbouquet informierte Präsidentin Amanda Sager-Lenherr, nächstes Jahr finde keine Tagung statt. Sie möchte das Präsidium in neue Hände geben und sucht für die nächste Tagung im Jahr 2013 motivierte Frauen. Sie sagte: «Ich habe am Anfang die traditionellen Frauen-K’s genannt: Kinder, Küche, Kirche und schlage jetzt drei neue K’s vor: keck, kühn, kompetent.»