Aarau

Französische Bibliothek: Nach dem traurigen Aus das versöhnliche Ende

Präsidentin Isabelle Hämmerli: "Zu wissen, dass die Bücher nun da ein zweites Leben haben, isteine grosse Freude für mich."

Präsidentin Isabelle Hämmerli: "Zu wissen, dass die Bücher nun da ein zweites Leben haben, isteine grosse Freude für mich."

Die einzige französische Bibliothek im Kanton Aargau hat in Aarau nicht überlebt – doch sie hat ein neues Daheim gefunden.

Alles Suchen hatte nichts genützt. Niemand hatte kostenlos einen freien Raum abzugeben. Weder die Kirchgemeinden noch die Stadt noch der Kanton. Die «bibliothèque de la langue française», die einzige rein französischsprachige Bibliothek im Kanton, ist vor einem Jahr aus Aarau verschwunden. Ein Verlust für viele – aber auch ein Gewinn für andere.

Entstanden war die Bibliothek 2003 eher zufällig. «Wir haben damals aus einem Nachlass Hunderte französische Bücher bekommen, um sie am Basar in Suhr zu verkaufen», sagt Isabelle Hämmerli. Aber da wurden sie nicht gekauft. Gemeinsam mit ihrem Mann Michel beschloss sie deshalb, die Bücher in einer öffentlich zugänglichen Bibliothek allen Frankophilen zur Verfügung zu stellen.

Ein Daheim für die Bücher fanden die beiden bei der Reformierten Kirchgemeinde Aarau im «Haus zur Zinne», direkt neben der Stadtkirche. Kostenlos.

Geld für eine Miete war keines vorhanden

Die Bibliothek mit rund 6200 Büchern – Kinderbücher, gehobene Literatur, Belletristik und Klassiker – wurde jährlich von rund 500 Personen aus dem ganzen Kanton genutzt. «Die Leute waren froh um uns, insbesondere, nachdem die Stadtbibliothek 2015 ihren Bestand an französischer Erwachsenenliteratur aufgelöst hatte», sagt Isabelle Hämmerli. Die Ausleihe war gratis, die Benutzer konnten aber freiwillig einen Batzen zahlen. Mit diesem Geld frischte der Vereinsvorstand jeweils den Bücherbestand auf. Geld für eine Miete hatte der Verein keines.

Im Sommer 2018 kündigte die Reformierte Kirchgemeinde an, dass der Raum gebraucht würde. «Wir haben vergeblich gesucht. Schlussendlich blieb nichts anderes, als die Bücher wegzugeben», sagt Isabelle Hämmerli. «Viele unserer Kundinnen und Kunden hat das sehr mitgenommen. Für viele Französischsprechende war die Bibliothek ein wichtiger Ort.»

Eine traurige Geschichte für den Verein und seine Kunden, die nun aber ein versöhnliches Ende genommen hat: Die ­Aarauer Bibliothek steht heute in einem Dorf auf Madagaskar. «Wir konnten die Bücher mit Hilfe der Genfer Association ‹Don du Livre› in einem Container nach Madagaskar schicken», sagt Isabelle Hämmerli. «Zu wissen, dass die Bücher nun da ein zweites Leben haben, ist eine grosse Freude für mich.»

Wenn auch nicht mehr Französisches ausgeliehen wird, Französisch parliert wird in Aarau trotzdem noch: Der Verein organisiert jeden Dienstagmorgen von 10 bis 11.30 Uhr ein lockeres Treffen im Restaurant Laterne in der Rathausgasse. Und der «Club Francophone d’Aarau» trifft sich jeden ersten Samstag im Monat im «El Camino» in der Pelzgasse.

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