«Frankenstein – Aus dem Leben der Angestellten» heisst das Stück von Wolfgang Deichsel aus den späten Siebzigern. Angestaubt? Schnee von gestern? Das Telefon hat noch eine Wählscheibe, es gibt weder Smartphone noch PC, von Internet und GPS zu schweigen.

Und dennoch: Der Mensch, analog verdrahtet, sagt auch den jungen Menschen von heute an ihren digitalen Marionettenfäden etwas. «Das war eine Voraussetzung», sagt Heinz Schmid. Er hat das Stück, ein Puzzle von Szenen mit unterschiedlich viel Personal, zusammengestellt, aus rund 80 Szenen 30 gepflückt. Ein Stück also, das nicht eine Geschichte erzählt, vielmehr Geschichten.

Andrea Santschi und Martin Deubelbeiss assistieren Schmid bei der Inszenierung, üben mit den 22 Schülerinnen und Schülern des Freifachs Theater in den Kommissionszimmern Szenen, die dann im grossen Saal zusammengesetzt werden. Thomas Waldmeier macht das Licht. Das Wimmelbild verdichtet sich. Da werden beim Proben Varianten durchgespielt: Teamwork, bei dem auch die Meinung der Schüler gefragt ist.

«Blick schärfen»

Victoria Dvorak (19) geht jetzt anders durch den Alltag. «Mir fällt auf, wie viele Leute stets aufs Smartphone blicken. Auch eine von denen?», fragt sie sich. Manipulator oder Manipulierte? Oder beides. Diesen Blick zu schärfen, hält sie für das Wichtigste. «Sie sind auch einer von denen!», sagen die Spielenden denn auch dem Publikum, quasi leitmotivisch. Influencer? Lobbyist? Oder Opfer einer nicht greifbaren Macht? Des «Systems», des «Syndikats»?

Gefordert wird – einst wie heute – Konformität, bequem lebt der produktive Arbeitnehmer, der nichts hinterfragt. Der kritische Geist hingegen geht Risiken ein. Wer Ahnungen äussert, gar aufmuckt, läuft Gefahr, medikamentös sediert zu werden. Oskar Peter (19) spielt den Kommissar Lape, der in mehreren Szenen auftritt und damit mindestens einen rosa Faden durch das Stück zieht. Ein Held ist er nicht, er verteidigt einen Mehrfachmörder. «Niemand ist ein Held», sagt Marina Cavegn (20), «das gefällt mir besser als unrealistischer Heldenmut.»

Unterhaltung mit Nachhall

Der Mensch als Roboter: Depri total? «Keineswegs», sagt Heinz Schmid, «das Publikum soll auch lachen können und sich gut unterhalten.» Dazu trägt der 45-köpfige Chor der Alten Kanti unter der Leitung von Michael Schraner wesentlich bei, mit Liedern von Mani Matter. Etwas Nachdenklichkeit beim Verlassen des Grossratssaals dürfe aber durchaus dabei sein, meint Schmid: Wie hast du es selber mit Handy, Social Media, Datensammlerei und Co?

Vier Aufführungen

Das Stück wird am Freitag, 15., Samstag, 16. und Sonntag 17. Februar jeweils um 20 Uhr im Grossratssaal gezeigt. Am Sonntag gibts um 16 Uhr eine Nachmittagsvorstellung. Die Platzzahl pro Aufführung ist auf 200 beschränkt; eine Reservation also unabdingbar: info.theater@altekanti.ch oder Telefon 079 839 76 68. Der Eintritt ist frei; es gibt eine Kollekte.