Dem bildenden Künstler fehlt derzeit der Siebdruck auf Küchentuch, die Kaminfegerin muss ohne das Foto ihrer Grossmutter aus Chile auskommen und die Pharma-Assistentin vermisst das Bild «Golattenmattgasse und Halde Aarau», gemalt von ihrem Primarlehrer Hansheini Amrein.

Dafür hängen die Lieblingsbilder mit 47 weiteren in unterschiedlichsten Formaten und Stilen bis Ende Januar 2011 an der Wand im Forum Schlossplatz. 50 Privatpersonen aus Aarau und Umgebung haben dem Forum ihr Lieblingsbild für die Dauer der aktuellen Ausstellung zur Verfügung gestellt. Keine dieser Personen würde ihr Bild verkaufen. Sie sind alle unverkäuflich.

«Alle Bilder haben denselben Wert – sie sind ganz einfach unbezahlbar», sagt die Leiterin des Forums Schlossplatz, Nadine Schneider.

Doch wieso hängen wir überhaupt Bilder auf? Etwas, das Menschen seit Jahrhunderten verbindet: «Es geht darum, sich in der Welt zu vergegenwärtigen, sich zu orientieren. Ausserdem um Erinnerungen an Menschen und an Orte», sagt Nadine Schneider.

Zufällige Anordnung

Vor einer Woche ist die Ausstellung «Im Bild. Vom Umgang mit Bildern» erfolgreich angelaufen. Nadine Schneider freut sich: «Von der Verkäuferin bis zum Professor finden alle einen Zugang. Auch Kindern gefällt die Ausstellung.»

In Interviews und kurzen schriftlichen Statements schildern die Aarauerinnen und Aarauer von neun bis neunzig Jahren, welche Bedeutung die Bilder für sie haben und nach welchen Kriterien sie diese in der Wohnung aufhängen. «Was hängen bleibt von Kinderträumen sind Poster über dem Bett», sagt etwa der Schüler Pino Dietiker über sein Poster des Hockey Club Ambri Piotta. «Eine Jugend lang bedeuteten mir Ambri und Eishockey die Welt, lernte ich reihenweise Spielernamen auswendig, war Blau die Farbe der Sehnsucht nach Fahrten ins Tessin, Rot diejenige der Liebe zum Spiel.» Oder: «In diesem verlassenen Bauernhaus erlebte ich als Kind viele Abenteuer», beschreibt der Gärtner Franz Lieberherr sein Ölbild.

Die Anordnung der präsentierten Bilder erfolgte rein zufällig – sie richtete sich nur nach dem Übergabedatum ans Forum. Dadurch konnte eine Wertung vermieden werden.

Ganz anders in einem angrenzenden Raum: Hier wurden Kuratorinnen und Kuratoren unterschiedlicher Ausstellungsräume eingeladen, 66 Werke aus einer privaten Sammlung museal zu inszenieren. Dieser «Kuratorraum» wird sich alle drei Wochen neu präsentieren.

Während der Ausstellung läuft ein Veranstaltungsprogramm, das sich vertieft mit dem Thema Bild auseinandersetzt.