Unterentfelden

Flüchtlinge im Hotel Rössli: «Lieber Asylbewerber als Barbetrieb»

Der Kanton will im ehemaligen Gasthaus Rössli eine Asylunterkunft einrichten

In einem Teil dieser Liegenschaft (rechts) soll die Asylunterkunft entstehen.

Der Kanton will im ehemaligen Gasthaus Rössli eine Asylunterkunft einrichten

Im alten Hotel «Rössli» sollen bis zu 92 Asylsuchende untergebracht werden, vorwiegend Alleinreisende. An der Gmeind gab das zwar einige Diskussionen, eine starke Opposition blieb aber aus. Direkte Anwohner hätten sogar lieber Asylbewerber als den bisherigen Barbetrieb.

Ein Raunen ging durch die Reihen an der Unterentfelder Gmeind, als Ammann Heinz Lüscher verkündete, die Nachbargemeinde habe auch Ja gesagt zum Zukunftsraum. Nicht wegen des Resultats an sich, sondern wegen der Stimmenzahl, respektive der offenbar sehr bescheidenen Stimmbeteiligung. Die Unterentfelder ihrerseits waren zahlreich erschienen. Über die traktandierten Geschäfte wurden nicht viele Worte verloren.  Unter „Verschiedenes“ informierte Ammann Lüscher dann über die geplante Asylunterkunft im Hotel „Rössli“. Der Liegenschaftsbesitzer hatte dem Kanton die Räume zur Miete angeboten.

„Am 11. November gab es ein Gespräch zwischen dem Gemeinderat, den Sozialen Diensten und Vertretern des Kantonalen Departement Gesundheit und Soziales (DGS)“, sagte er. „Der Gemeinderat hatte um den Termin gebeten, weil er wissen wollte, was läuft.“

Lüscher wies darauf hin, dass das Gebäude aus zwei Teilen bestehe, die zwei verschiedenen Besitzern gehören. Zur Unterkunft soll nur das eigentliche Hotel Rössli werden, das 2 Wohnungen und rund 20 Einzelzimmer hat. Darin sollen insgesamt bis zu 92 Personen untergebracht werden – in den Wohnungen Familien, in den Einzelzimmern Alleinreisende. Am Morgen vor der Gmeind habe man die letzte Sitzung mit dem Kanton gehabt, so Lüscher. Dieser habe auch das Betreuungskonzept skizziert: Von Montag bis Freitag wären ein bis zwei Betreuungspersonen anwesend (8 bis 17 Uhr), an sieben Tagen pro Woche gäbe es eine Nachtpatrouille. Mehrkosten sollen der Gemeinde vorderhand keine entstehen, der Kanton kommt für Betreuung und Unterbringung auf. Lüscher machte jedoch keinen Hehl daraus, dass sich möglicherweise einige Flüchtlinge, die in der Schweiz bleiben dürfen, definitiv in Unterentfelden niederlassen würden und dann möglicherweise Sozialhilfe in Anspruch nähmen.

Der Regierungsrat muss das Geld, das für die Erstellung der Asylunterkunft nötig ist, ausdrücklich bewilligen. „Baurechtlich gibt es aus unserer Sicht kein Hindernis“, sagte Lüscher. Eine Umnutzung sei nicht nötig, die letzte brandschutztechnische Prüfung habe ebenfalls keine wesentlichen Mängel zutage gebracht, die einen Betrieb infrage stellen würden.

Die Gemeinde müsste eigentlich 18 Asylbewerber aufnehmen, momentan hat sie nur 17. Ersatzabgaben (100 Fr. pro Person und Tag) zahlt sie im Moment nicht, das wurde wegen der „Rössli“-Abklärungen sistiert.

Die Stimmbürger wiesen in der Diskussion zwar öfter auf Muhen hin, wo sich bereits eine IG gegen die dort geplante Asylunterkunft im Gasthof Warteck gebildet hat. Und einer wollte wissen, wann die Unterkunft eröffnet werde (ca. März), damit er sich sofort nach einem neuen Wohnort umschauen könne. Grundsätzlich zeigten sich die meisten Votanten aber „offen für öppis“, wie sich Hanspeter Wurzer (SVP) ausdrückte, „aber wir müssen klar sagen, was wir wollen – und diese Regelung gilt dann“. Zudem wurde der Wunsch laut, der Gemeinderat möge sich dafür einsetzen, dass mehr Familien kämen statt Einzelpersonen. Ein anderer Votant gab zu Bedenken, dass „die, die diesen Spass mitzahlen, in ihrem Leben nicht eingeschränkt werden dürfen“.

Mehrere direkte Anwohner der Liegenschaft sagten, sie hätten lieber Emissionen durch Asylbewerber als durch die Bar beim „Rössli“ – und wurden vom Vizeammann enttäuscht, der sagte, die Bar bleibe vorerst geöffnet.

Applaus und ein verhaltenes, aber hörbares „Bravo“ erntete eine junge Frau. Sie berichtete, dass sie sich als Freiwillige in einem Aarauer Asylzentrum engagiere. „Da gehen viele Freiwillige ein- und aus, die den Asylsuchenden Deutschkurse geben oder sie auf die Eisbahn mitnehmen“, sagte sie. „Es ist also nicht so, dass die Asylsuchenden ausschliesslich durch die Behörden betreut werden. Ich kenne viele Junge, die sich engagieren und die das auch in Unterentfelden tun würden.“

Lüscher, der selber neben einer Asylunterkunft (Jenserhaus) wohnt, berichtete von seinen Erfahrungen. „Die Betreuung der Asylsuchenden durch den Kanton lässt zu wünschen übrig“, sagte er. „Ich habe die Nummer der Zuständigen und kann anrufen, wenns mir zu bunt wird. Dann wird reagiert.  Es ist auch schon vorgekommen, dass ich die Polizei rufen musste.“ Der Gemeinderat sei „nicht grundsätzlich gegen die Asylunterkunft“, es brauche aber klare Rahmenbedingungen.

Ammann Heinz Lüscher versprach: „Wenn die Asylunterkunft wirklich kommt, gibt es einen Infoabend mit Kanton und Polizei.“

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