Aarau
Flüchtlings- und Schweizerkinder spielen gemeinsam Theater

Im Theater Tuchlaube setzten sich 16 Kinder in einem Projekt spielend mit Alltagsritualen und kulturellem Brauchtum auseinander

Markus Christen
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Auch die Hochzeit wurde zum Thema.
Abschlusspräsentation im Galerieraum
Die Kinder inszenieren Wiederbelebungsversuche.
Abschlusspräsentation
Mohammed Rahimi (11) lebt seit einem Jahr und acht Monaten in der Schweiz.
Sira Berthold (9) hat im Projekt mitgewirkt.
An reich gedeckten Tischen konnten sich die Eltern der Kinder kennenlernen.

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Markus Christen

Für Flüchtlingskinder, die mit ihren Familien in den kantonalen Asylunterkünften leben, gestaltet sich die Kontaktaufnahme zu den einheimischen Kindern oftmals äusserst schwierig.

Um den Austausch zwischen den Kindern zu fördern, organisiert der Schweizer Zweig des Service Civil International (SCI) deshalb seit drei Jahren landesweit Projektwochen mit dem Titel «TheaterFlucht».

In der vergangenen Woche hat auch das Theater Tuchlaube Aarau, seine Türen für «TheaterFlucht» geöffnet.

Neun Kinder aus Asylunterkünften, die durch die Sektion Asyl des Kantons vermittelt wurden, und sieben Schweizerkinder haben sich unter der Leitung der Theaterpädagoginnen Eva Welter und Bea Ackermann sowie vier Freiwilligenarbeitern des SCI auf kreative Weise mit Alltagsritualen und den grossen Festen des Lebens – Geburt, Hochzeit und Beerdigung und Erntedankfest – auseinandergesetzt.

Dabei entdeckten sie mit den Mitteln des Bühnenspiels und den Sprachbarrieren zum Trotz viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedensten Kulturen.

Kulturen verbindende Aussagen

Den Teilnehmern der Projektwoche, die zwischen vier und dreizehn Jahre alt sind, bereitete die Erkundung von Riten und Bräuchen viel Freude.

«Es war schön, mit Kindern Theater zu spielen, die aus fremden Ländern kommen», sagte die neunjährige Tricia Ernst bei der Abschlusspräsentation, die ihr besonders gut gefallen habe. «Ich habe mich auch schon die ganze Woche darauf gefreut.»

Bei der Vorführung am Samstagnachmittag, zu der Eltern, Verwandte und Bekannte der Kinder in den Galerieraum der Tuchlaube geladen waren, offenbarten die jungen Schauspieler die Kulturen verbindende Aussagekraft von Gesten, Prozeduren und ausgelassenen Tänzen.

Ganz ohne Worte entfaltete sich das Entzücken über einen Blumenregen und war die Traurigkeit zu spüren, die eine einzelne Lilie in sich tragen kann.

Ein reich gedeckter Tisch ermunterte im Anschluss an die Aufführung auch die Eltern zum gegenseitigen Kennenlernen.

Eva Welter zog für die Theaterwoche ein durchwegs positives Fazit. «Ich habe viele schöne und intensive Erfahrungen gesammelt.» Sie betonte zudem, wie wichtig eine breite Abstützung und Unterstützung des Projektes sei.

«Entscheidend ist es», ergänzte Bea Ackermann, «dass man viel und gut zuhört und einen respektvollen Umgang pflegt.»

Als grösste Herausforderung identifizierten die beiden Theaterpädagoginnen die Tatsache, dass die Flüchtlingskinder in den Asylunterkünften nicht die Förderung bekommen, die sie brauchen.