Die Neugestaltung der Altstadtgassen kostet fast 600 000 Franken mehr als geplant. Statt der vom Einwohnerrat im September 2008 bewilligten 7,4 Millionen wird das Bauwerk mit 8,15 Millionen Franken abgerechnet. Der Stadtrat begründet die Mehrkosten zu einem Grossteil mit der Pflästerung, die wegen einer Einsprache der Behindertenorganisation Procap geändert wurde.

Anstelle von Pflastersteinen mit sogenannter bruchroher Oberfläche wurden solche mit geflammter Oberfläche verwendet. Dies verursachte Mehrkosten von 450 000 Franken.

Die geflammten Pflastersteine seien flacher und hätten weniger Buckel, erklärt Stadtbaumeister Felix Fuchs. Auch mit einem Rollator seien sie gut begehbar und sehbehinderte Menschen liefen weniger Gefahr zu stolpern.

Rechtlich legitimiert

Warum wurden die Verordnungen zum hindernisfreien Bauen nicht von Anfang an berücksichtigt? «Als wir uns an die Neugestaltung der Altstadtgassen machten, begann das Behindertengleichstellungsgesetz gerade zu greifen», sagt Felix Fuchs. Das Gesetz ist seit 2004 in Kraft.

Die Procap Fachstelle Hindernisfreies Bauen Kanton Aargau hat seither die rechtliche Legitimation, um bei Bauvorhaben, die eine Baubewilligung verlangen, Einsprache zu erheben. Das Behindertengleichstellungsgesetz legt die Rahmenbedingungen fest; das Baugesetz und die Bauverordnung präzisieren den Geltungsbereich für den Kanton.

Gemäss diesen Vorschriften ist das hindernisfreie Bauen insbesondere bei öffentlichen Bauvorhaben vorgeschrieben. So etwa bei Verkehrsflächen, öffentlichen Plätzen, Parkplätzen oder Haltestellen. Aufgrund der Einsprache von Procap war damals entschieden worden, die Art der Pflästerung zu ändern, worauf die Behindertenorganisation die Einsprache zurückzog.

Auch beim Bahnhofplatz mussten die Vorschriften für behindertengerechtes Bauen berücksichtigt werden. Dies hatte zur Folge, dass die Schwellen, welche blinden Menschen und ihren Begleithunden den Übergang von der Fussgänger- zur Verkehrszone markieren, für Nichtbehinderte zur Stolperfalle wurden. Die Schwellen wurden markiert, um sie besser sichtbar zu machen. Seither bleiben Reklamationen und Meldungen von Stürzen aus.

Die Neugestaltung der Altstadtgassen ist nicht nur wegen der Pflästerung teurer geworden. Zusammen mit den Werkleitungen wurde der Belag auch Zwischen den Toren und beim Holzmarkt erneuert. Dies verursachte Mehrkosten von rund 100 000 Franken.

Ausserdem ist ausserhalb des Projektperimeters in der Kirchgasse, in der Pelzgasse sowie im Übergang zum Graben die Beleuchtung nachgerüstet worden. Und schliesslich sind gemäss Bauverwaltung Mehrkosten von 115 000 Franken entstanden, weil verschmutztes Aushubmaterial in spezielle Deponien entsorgt werden musste.