Gränichen
Finanzen in Schieflage: «Wir haben einfach zu wenig Geld»

Der Gemeinde Gränichen fehlt das Geld. Sie braucht wegen verschiedener Investitionen ein Darlehen von 6 Millionen. Den Steuerfuss will der Gemeinderat aber vorerst noch nicht antasten.

Katja Schlegel
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Blick über Gränichens Dorfzentrum

Blick über Gränichens Dorfzentrum

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Noch vor einem Jahr noch zeigte sich Gemeindeammann Rolf Arber optimistisch – trotz eines budgetierten Finanzierungsfehlbetrages von 4,4 Millionen. Zwar sagte er damals schon, die Leistungsfähigkeit der Erfolgsrechnung sei schwach. Und vorsichtig kündigte Arber auch an, dass der Steuerfuss mittelfristig erhöht werden könnte. «Wir müssen sehr sparsam mit unserem Geld umgehen», sagte Arber. «Das Optimum wäre, keine Fehlbeträge mehr ausweisen zu müssen.»

Kein Fehlbetrag – ein hehrer Wunsch. Derjenige für das Budget 2015 liegt mit knapp 4,9 Millionen sogar noch einmal eine halbe Million höher, als der von 2014, und aus dem letztjährigen Ertragsüberschuss bei der Erfolgsrechnung von rund 1,4 Millionen wurde ein Defizit von knapp 970 000 Franken.

Diese Zahlen haben selbst Gemeindeammann Arber erschreckt. «Wir haben alles an Ausgaben gestrichen, was wir konnten. Aber am vorliegenden Resultat können wir nichts mehr rütteln, wir müssen damit vor die Gemeindeversammlung.» Ursprünglich lag der Aufwandüberschuss bei 2,1 Millionen. Man habe aber im Laufe des Budgetprozesses Einsparungen von knapp 1,2 Millionen gemacht.

Aber effektiv gespart sind die 1,2 Millionen Franken nicht; etliche grössere Posten, wie beispielsweise die Dachsanierung des Zentrums Linde für 730 000 Franken, wurden lediglich aufgeschoben. «Diese Posten sind wie Schneemaden, die man vor sich herschaufelt. Irgendwann muss man den ganzen Schneehaufen aus dem Weg räumen», sagt Arber.

Aufbessern hätte der Gemeinderat das Budget mit 1,8 Millionen aus der Aufwertungsreserve können. Diese Entnahme wäre nach dem Übergang zum neuen Rechnungsmodell HRM 2 noch bis 2018 zulässig. «Wir haben aber bewusst darauf verzichtet, um das Bild nicht zu verzerren», sagt Arber.

Schulbauten als grösster Brocken

Den grössten Brocken der Nettoinvestitionen von 5,8 Millionen bilden die 4,2 Millionen für die Schulinfrastruktur: 471 000 Franken beträgt der Restbetrag für den Kindergarten-Neubau, 3,75 Millionen die Sanierung des Schulhauses Nord. Weitere 1,55 Millionen fliessen in den Strassenbau. Um diese Ausgaben finanzieren zu können, stehen Gränichen nur gerade 902 000 Franken zur Verfügung. Das entspricht einem Selbstfinanzierungsgrad von 15,5 Prozent – nötig wären mindestens 50 Prozent, 100 Prozent wären optimal.

Dazu kommt, dass die Ortsbürgergemeinde ebenfalls grössere Investitionen tätigen muss und ihr Kontokorrentguthaben bei der Gemeinde von 1,5 Millionen beansprucht. Die Folge: «Wir haben einfach zu wenig Geld», sagt Arber. Um den Liquiditätsbedarf zu decken, müsse Gränichen ein Darlehen von 6 Millionen Franken aufnehmen. Ein Vorteil: Schulden zu machen ist derzeit ausgesprochen günstig, die Zinsen belasten die Gemeindefinanzen nicht stark.

Erstaunlich ist, dass der Gemeinderat trotz der finanziellen Schieflage am Steuerfuss von 111 Prozent vorerst nicht rütteln will. Das Problem sei, so Arber, dass die Rechnung vor drei Jahren noch so schön ausgesehen habe, dass eine Steuerfusssenkung durchgesetzt wurde. Damals habe man sich davon blenden lassen, dass die Rechnung wegen der Verselbstständigung der Technischen Betriebe so gut ausgesehen habe.

«Zu Senkungen sagt niemand Nein, aber mit Erhöhungen macht man sich unbeliebt», sagt Arber. Um der Bevölkerung die Notwendigkeit einer Steuerfusserhöhung zu erklären, brauche es harte Fakten – und die lägen nun vor. «Wir müssen die Bevölkerung jetzt darauf vorbereiten, dass eine Steuerfusserhöhung und das Kürzen des Leistungsangebots der Gemeinde unumgänglich sind», sagt Arber. Die Erhöhung wird voraussichtlich per 2016 geplant. Um wie viele Prozente, dazu will Arber keine Prognosen abgeben.

Der prognostizierte Steuerertrag der natürlichen Personen liegt 2015 mit 15,95 Millionen nur gerade 150 000 Franken und damit rund ein Steuerprozent über demjenigen von 2014 – und das trotz überdurchschnittlichem Bevölkerungswachstum. «Wir haben den Steuerertrag tatsächlich sehr vorsichtig budgetiert», sagt Arber. Er relativiert die direkten Auswirkungen des Bevölkerungswachstums: Natürlich habe Gränichen bereits ein grosses Wachstum und in den nächsten Jahren seien bis zu 200 weitere Wohnungen geplant. «Aber die Zuzüge sind erst verzögert spürbar.» Nichtsdestotrotz setzt Arber auf die dringend nötige Entlastung durch die Zuzüger. «Es braucht seine Zeit, aber sie wird kommen.» Bloss die Durststrecke, bis es so weit ist, die werde hart.