Herr Riniker, was hat Sie mit 20 Jahren nach der Matur aus Aarau vertrieben?

Paul Riniker: Ich wollte weg aus der Kleinstadt in die Grossstadt und zog nach Zürich. Ich empfand Aarau als eng. Alle wussten, was man machte. In Zürich leugnete ich lange meine Vergangenheit, bis ich merkte, wie sehr mich Aarau geprägt hat. Inzwischen habe ich mich mit der Stadt wieder angefreundet, Aarau ist schön. Schon nur, dass Aarau jetzt eine SP-Frau als Stadtpräsidentin hat, heisst ja, dass sich viel verändert hat.

Sie sind immer wieder zurückgekehrt, weil ihre Schwestern noch hier wohnen.

Nicht nur. Ich bin auch jeweils ans Maienzugbankett nach Aarau gekommen um alte Bekannte wieder zu treffen.

Wie finden Sie, hat sich die Stadt verändert?

Sie wurde grösser, nur schon durch Rohr. Und die «Talsperre», die Telliblöcke, wurden gebaut. Ein grosser Eingriff.

Sie halten an der Morgenfeier die Rede. Ist das Ihr Ding? Sie erzählen Ihre Geschichten doch sonst mit Bildern.

Ich halte gerne Reden und finde das spannend. Ich erzähle gerne – egal mit welchem Medium. Diesmal habe ich darauf geachtet, die Zürideutschen Wörter, die sich in meinen Dialekt eingeschlichen haben, in der Rede zu vermeiden.

Werden Sie sich auch den Umzug ansehen?

Ja, ich werde früh aufstehen müssen. Zuerst wollte die Stadt sogar, dass ich mitmarschiere. Aber ich verzichtete lieber. Nun werde ich den Umzug vom Rathaus-Balkon aus sehen – ich habe ihn seit meiner Jugend nicht mehr gesehen und bin gespannt darauf.

In Ihrem neusten Film «Usfahrt Oerlike» geht es nicht nur ums Sterben, sondern auch um Heimat. Ist da eine Erinnerung an Aarau drin?

Ich schöpfe für einen Film immer aus meiner eigenen Erfahrung. Aarau wäre an jedem anderen Ort nur ein Vorort von Zürich. Aber gependelt wird in beide Richtungen. Jedenfalls berichtete mir eine Freundin, die am Kantonsspital arbeitet, wie voll die Züge von Zürich nach Aarau am Morgen seien – nicht nur in der Gegenrichtung nach Zürich.